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18.09.2017

Angriffslustig: Deloitte wächst kräftig und will unter die Top 3 vorstoßen

Die Big-Four-Gesellschaft Deloitte hat ihr Geschäft in Deutschland im vergangenen Geschäftsjahr massiv ausgebaut und ihr rasantes Wachstum aus dem Vorjahr noch einmal deutlich übertroffen. Mit 13 Prozent mehr Mitarbeitern steigerte Deloitte den Umsatz um 28 Prozent auf 1,24 Milliarden Euro − damit arbeitete jeder der knapp 6.930 Mitarbeiter rechnerisch um 13,3 Prozent produktiver.

Die Gesamtleistung – in die auch die bis zum Bilanzstichtag erbrachten Leistungen aus noch nicht beendeten Projekten mit einfließen – schoss sogar auf knapp 1,34 Milliarden Euro nach oben. Künftig will Deloitte, wie andere große Wettbewerber auch, die Gesamtleistung anstelle der Umsatzzahlen angeben.

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Martin Plendl

Ehrgeizige Ziele

Deloitte wuchs in allen vier Geschäftssparten prozentual zweistellig. „Mit über 1,3 Milliarden Euro haben wir unser für 2020 anvisiertes Ziel bereits im abgelaufenen Geschäftsjahr übertroffen“, sagte Deloitte-Chef Prof. Dr. Martin Plendl, der nun für 2020 die Marke von 1,5 Milliarden Euro anpeilt.

Mehr noch: Plendl will mit Deloitte in den kommenden Jahren mindestens eine der drei anderen Konkurrentinnen aus dem Kreis der Big Four hinter sich lassen. Zuletzt lag Ernst & Young mit einem Umsatz  von 1,57 Milliarden Euro auf Rang drei, knapp davor bewegte sich KPMG mit 1,6 Milliarden Euro – jeweils im Geschäftsjahr 2015. Die Zahlen für 2016 veröffentlichen die Wettbewerber erst in den kommenden Monaten.

Das größte Wachstum verzeichnete Deloitte in der Sparte Financial Advisory. Hier steigerte sie ihre Gesamtleistung um 53 Prozent auf 253 Millionen Euro. Die stärkste Sparte bleibt das Consulting mit einer Gesamtleistung von 440 Millionen Euro. Erst im vergangenen Jahr hatte der Consulting-Arm, der in zwei Jahren um mehr als 100 Prozent wuchs, die Wirtschaftsprüfung als stärkstes Geschäftsfeld abgelöst. Die WP-Sparte lag in dem Ende Mai zu Ende gegangenen Geschäftsjahr bei einer Gesamtleistung von 397 Millionen Euro, das entspricht einem Plus von 27 Prozent.

Steuer- und Rechtsgeschäft wächst stärker als im Vorjahr

Nur knapp dahinter – was die Steigerung anbelangt – liegt schließlich die kleinste Deloitte-Sparte Tax & Legal. Sie kommt nach einem Plus von 25 Prozent auf eine Gesamtleistung von 246 Millionen Euro. Im Vorjahr hatten hier noch 196 Millionen Euro zu Buche gestanden. Damals hatte Deloitte im Geschäft mit Steuern und Recht nur um rund neun Prozent zulegen können. Der reine Umsatz lag seinerzeit bei 163 Millionen Euro – was ein Plus von 6,2 Prozent bedeutete. Dass das Steuergeschäft im Vergleich damit nun förmlich explodierte, liegt vor allem an den stark gefragten Angeboten digitaler Plattformen – vom Steuererklärungsprozess über Steueranalysen bis hin zum Tax Compliance Management. Besonders profitieren konnte Deloitte zudem vom starken Beratungsbedarf zur Umsetzung der OECD-Initiative Base Erosion and Profit Shifting (BEPS), insbesondere in Fragen zu Verrechnungspreisen. Doch auch das Rechtsgeschäft brummte: Der Umsatz von Deloitte Legal stieg von 26 Millionen Euro auf 36 Millionen Euro.

Motor Digitalisierung

Ein Blick auf die anderen Felder macht deutlich: Treiber des Geschäfts waren Beratungsprojekte rund um die digitale Transformation von Unternehmen sowie damit verbundene Risiken. In der Wirtschaftsprüfung, der Deloitte auch die sogenannte Risikoberatung zuordnet, sorgten vor allem diese prüfungsnahen Dienstleistungen neben einigen neuen großen Prüfungsmandaten für einen Wachstumsschub.

Auch die Aussichten für die Risikoberatung sind glänzend. Plendl erwartet hier in den kommenden Jahren eine Vervierfachung des Umsatzes. Der jüngste Schachzug: Deloitte übernahm den auf Datenanalyse in Bilanzprüfverfahren fokussierten IT-Spezialisten SCDM mit seinen 150 Mitarbeitern in Frankfurt und Eriwan (Armenien). Die Übernahme passt ins Bild: Technologieerfahrung wird in der Big-Four-Gesellschaft immer wichtiger. Rund 30 Prozent der neu eingestellten Mitarbeiter haben inzwischen schon eine technisch orientierte Ausbildung. (René Bender)