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EDITORIAL

Es ist angerichtet

Am Finanzgericht muss man „Nummern wegkriegen“, am Bundesfinanzhof wird Recht gesprochen. So sehen Kritiker die Welt an Deutschlands Steuergerichten. Kritik ist grundsätzlich gut – aber bitte nicht zu pauschal. JUVE hat daher erstmals die Finanzrichter selbst befragt. Was ­beschäftigt sie in ihrem Alltag? Wie zufrieden sind sie mit ihrem Job? Was könnte besser laufen?

Die Antworten in der JUVE-Umfrage unter den deutschen Finanzrichtern (ohne BFH) können sich sehen lassen. Sie zeigen, dass Finanzrichter ziemlich glücklich sind mit dem, was sie tun. Und dennoch fordern einige, mehr Kollegen einzustellen und mehr Zeit für die Fallbearbeitung zu bekommen. Es ist halt nicht alles Gold, was glänzt – konkret ausgedrückt: An manchen Gerichten ist der Druck deutlich höher als andernorts.

Für die Titelgeschichte Klagen auf hohem Niveau haben wir 438 Finanzrichter per E-Mail erreicht, 46 haben an unserer nicht repräsentativen Onlinebefragung teilgenommen. Das scheint nicht viel, aber eine Quote von über 10 Prozent ist ordentlich, vor allem angesichts der Tatsache, dass dies die erste Umfrage ihrer Art überhaupt war. Dementsprechend kritisch wurde sie beäugt. Der Bund Deutscher Finanzrichterinnen und Finanzrichter und der Deutsche Richterbund reagierten deutlich unterkühlt auf JUVE-Anfragen, um die Ergebnisse der Umfrage im Einzelnen zu besprechen. Dennoch glauben wir, dass die Befragung nachvollzieh­bare Ergebnisse liefert.

Nachvollziehbar ist es auch, wenn der Hamburger PKF Fasselt Schlage-­Partner Thomas Rauert erklärt, perspektivisch eher Wachstumspotenzial in der (Steuer-)Beratung statt in der Prüfung zu sehen. Mittelstandsnetzwerke könnten im verschärften WP-Preis- und -Größenwettbewerb kaum bestehen, denn „Wir sind keine Big Four light“, wie Rauert im JUVE Steuermarkt-Interview erklärt.

Dass Gesellschaften in puncto Steuerberatung dagegen oftmals den direkten Wettbewerb mit den Big Four aufnehmen, steht auf einem anderen Blatt. Besonders herausfordernd geriert sich seit einigen Jahren WTS, die sich im Laufe des Jahres 2018 in der internationalen Steuerberatung gleich mehrmals bei KPMG bediente (Stühlerücken).

Bedienen Sie sich inhaltlich gerne weiter bei uns, wünschen sich

Jörn Poppelbaum
joern.poppelbaum@juve.de

Catrin Behlau
catrin.behlau@juve.de

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