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EDITORIAL

Rotation heißt Wandel

Abschlussprüfer wechseln. Regelmäßig. Doch wenn die Deutsche Bank ihr Mandat neu vergibt, dann hat das Folgen. In diesem Fall für KPMG und EY. Beide Big-Four-Gesellschaften stehen exem­plarisch für Marktverschiebungen, die zeigen, wie eng sich Prüfung und Beratung gegenseitig beeinflussen.

Das Prüfungsmandat der Deutschen Bank war zuletzt 73 Millionen Euro schwer und ist damit das größte überhaupt in Deutschland. KPMG hat die Bank seit 1956 geprüft. Es endet also eine Ära. Wegen des weitgehenden Verbots gleichzeitiger Prüfung und Beratung führt der Übergang des Deutsche Bank-Auftrags von der größten deutschen Wirtschaftsprüferin KPMG zur mit Abstand größten deutschen Steuerberatungsgesellschaft EY (Klarer Vorsprung) zwangläufig zur Neuausrichtung des Geschäfts der Beteiligten – und damit des Marktes.

Es dürfte also kein Zufall sein, dass KPMG zuletzt einige wichtige EY-Steuer­berater von sich überzeugen konnte. Spektakulär ist der angekündigte Wechsel eines großen EY-Mobility-Teams (Auf dem Sprung), doch auch derjenige von TCMS-Partner Stephan Ludwig macht deutlich: ­KPMG investiert derzeit massiv in die Beratung, auch und gerade im immens wichtigen Geschäftsfeld Tax Transformation. Lange stand KPMG hier für die hauseigene Steuersoftware TaxOne, von der sie sich seit Längerem sukzessive verabschiedet. (Transformers). Damit zwingt sie auch ihre Mandanten, sich neu zu orientieren – wie etwa den Versandhändler Otto, der aber ebenfalls ­Offen für den Wandel ist.

Noch wenig vom Wandel im
Markt zu spüren ist derweil bei der Beratung des sogenannten Dritten Sektors. Seit Jahrzehnten dominieren etwa die den großen christlichen Kirchen nahe­stehenden Beratungsgesellschaften Solidaris und Curacon einen Teil des Gemeinnützigkeitssektors. Doch dieser ist Krankenhäusern und Altenheimen längst entwachsen. Spätestens seit den Affären beim ADAC und DFB weiß auch die breite Öffentlichkeit, welche Wirtschaftsmacht steuerbefreite Vereine in sich vereinigen können. Das macht die Beratung attraktiver denn je, wie ­unsere Titelgeschichte zeigt.

Lassen Sie sich durch die Lektüre dieses Hefts verwandeln, wünschen sich

Jörn Poppelbaum
joern.poppelbaum@juve.de

Catrin Behlau
catrin.behlau@juve.de

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