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EDITORIAL

Trump macht Druck

Juve Verlag GmbH

Jörn Poppelbaum und René Bender

Die US-Steuerreform scheint aus Unternehmenssicht ein voller Erfolg zu werden. Fast täglich machen Meldungen die Runde, welcher internationale Konzern jüngst die Ausweitung seines US-Engagements beschlossen hat und welche US-Firma ihr seit Jahren in Irland, Holland oder anderswo gebunkertes Geld in die Heimat zurückholt. Auch das geradezu groteske Posieren der Chefs von SAP und Siemens neben Donald Trump auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos zeigt: Der Wettbewerb um die niedrigsten Unternehmensteuern geht in eine neue Runde.

Es passt daher ins Bild, wenn Berater, die politische Aussagen normalerweise scheuen wie der Teufel das Weihwasser, plötzlich politische Aus­sagen machen. Der deutsche PwC-Chef Norbert Winkeljohann spricht von einem „Konjunkturprogramm für die amerikanische Wirtschaft, das seine Wirkung nicht verfehlen wird“. Und ruft die Politik auf, sich Trump unter wirtschaftspolitischen Gesichtspunkten zum Vorbild zu nehmen. „Deutschland sollte sich Gedanken machen, wie hierzulande die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit gesichert werden kann.“

Etwas nüchterner beschreibt ­Michael Brödel, der Steuerchef von Thyssenkrupp, im JUVE-Interview, was die die neuen US-Steuerregeln für sein Unternehmen bedeuten.

Sich an neue steuerrechtliche Umstände anzupassen, sind deutsche Unternehmen ohnehin gewohnt – sollte man meinen. Der Titelartikel Im Labyrinth zeigt aber, dass hiesige Steuerabteilungen jahrelang vor allem auf Zuruf und mit kurzfristigen Absprachen agierten anstatt mit internen Richtlinien und festen Berichtswegen. Das genügt heutigen Vorstellungen von Compliance nicht mehr. Immerhin hat das Umdenken – wenn auch spät – nun begonnen.

Genau zur rechten Zeit scheint daher Deloitte zugeschlagen zu haben: Mit dem Einstieg zweier der bekanntesten deutschen Steuerfahnder könnte sie ihrer Compliance-Praxis einen ordentlichen Schub verleihen. Nun müssen die Ex-Beamten nur noch in neuer Umgebung reüssieren – keine leichtes Unterfangen, meint JUVE-Redakteurin Eva Flick (Frontenwechsel).

Wir wünschen eine erkenntnisreiche Lektüre.

Jörn Poppelbaum
joern.poppelbaum@juve.de

René Bender
rene.bender@juve.de

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