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EDITORIAL

Fingerspitzengefühl

12 Wörter. Von Antenne (umgangssprachlich) über Gespür bis hin zu Sensibilität (bildungssprachlich) und Zartgefühl. So viele Synonyme kennt der Duden für das Wort Fingerspitzengefühl. Und auch die reichen kaum aus, um den Begriff im täglichen Leben wirklich packen zu können. 

Nehmen wir etwa unseren Titel­artikel Von Spiel zu Spiel (Seite 8), der sich damit beschäftigt, ob und wie Firmen über Abteilungsgrenzen hinweg Mandatierungen koordinieren. Ob das Zartgefühl da der richtige Ratgeber ist? Schwierig. Und auch die Idee, sich bloß auf die Antenne zu verlassen, dürfte dem Erfolg nicht unbedingt zuträglich sein. Eines aber ist sicher: Viel Fein­gefühl braucht es, um eine gemeinsame Beraterliste für Abteilungen wie Steuern, Recht und Compliance zu ent­wickeln, denn die Vorbehalte in den Unternehmen sind oft groß. Dabei zeigt unser Artikel, dass es für abteilungsübergreifende Mandatierungen gute Gründe gibt: weniger Reibungsverluste und (wahrscheinlich) geringere Kosten sind zwei davon.

Um Gespür und Einfühlungsver­mögen geht es auch in unserer Berichterstattung über den Goldfinger-Ermittlungskomplex (Seite 29) der Staatsanwaltschaft Augsburg. Es ist ein Steuerhinterziehungsverfahren gegen mehr als 100 Beschuldigte, der mögliche Schaden beträgt Hunderte Millionen Euro. Und als Hauptbeschuldigte stehen zwei Steuerberater im Zentrum des Falles. Nennt JUVE deren Namen? ­Dafür gibt es aufgrund der Tragweite des Verfahrens und der Schwere der ­Vorwürfe gute Gründe. Andererseits gilt die Unschuldsvermutung. Für den Moment haben wir uns entschieden, die Namen nicht zu nennen, obwohl dies nach unserer Auffassung zulässig wäre.

Weniger mit Fingerspitzen-, als eher mit Bauchgefühl mandatieren viele Unternehmen im Ruhrgebiet und Westfalen ihre Berater, der Markt ist so uneinheitlich wie die Region vielseitig ist (Unsichtbare Grenzen, Seite 16).

Zudem: Freuen Sie sich schon auf den kommenden JUVE Steuermarkt, in dem Sie die umfassendsten Bewertungen finden, die es über den deutschen Steuerberatungsmarkt je gegeben hat. 

Bis dahin wünschen wir aber zunächst eine erkenntnisreiche Lektüre dieser Ausgabe

Jörn Poppelbaum
joern.poppelbaum@juve.de

René Bender
rene.bender@juve.de

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