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EDITORIAL

Vertrauen ist gut…

Kontrolle ist besser. Dieses Zitat, das Lenin zugeschrieben wird, gilt auch für die deutschen ­Steuerabteilungen seit einigen Jahren. Das BMF-Schreiben zur Einrichtung eines effektiven internen steuerlichen Kontrollsystems aus dem Mai 2016 lässt grüßen.

Der Schlüssel für die Implementierung von Tax-Compliance-Management-Systemen liegt in der Digitalisierung. Und so ist es kein Zufall, dass sich dieses Thema im JUVE Steuermarkt zu einem Dauerbrenner entwickelt. 

In unserer Reihe Daten + Digitalisierung nehmen wir diesmal Warth & Klein Grant Thornton genauer unter die Lupe (Lila Laune). Kurz ­gefasst: Anstatt wie bislang dem Anspruch gerecht werden zu wollen, alle digitalen Lösungen selbst zu entwickeln, setzt WKGT auf feste Kooperationen mit diversen IT- und Robotics-Häusern. Das mag zwar kurzfristig dem Profit schaden, hat aber den Charme, immer up to date zu sein und so den Big Four, die wohl auf absehbare Zeit die Technologieführerschaft innehaben, Paroli bieten zu können.

Nicht nur Paroli bieten, sondern Marktstandards setzen will E.on. Der Energiekonzern hat sich eine digitale Roadmap verpasst (On the Road). Zentrale Voraussetzung: Die Steuerabteilung muss von Anfang an in die konzernweite Digitalisierungsstrategie eingebunden sein. Nur so kann laut E.on-Steuerchef Frank Kolan sichergestellt werden, dass sämtliche Daten,
die in anderen Abteilungen entstehen, „steuerlich compliant weiterverarbeitet werden können“.

Denn passiert das nicht, ist der Steuer­abteilungsleiter einer der ersten, der Besuch vom Staatsanwalt bekommt. Häufig stoßen Unternehmen dann parallel eine interne Untersuchung an. So verlieren sie idealerweise nicht gänzlich die Kontrolle im Verfahren. Und die Untersuchung macht gegebenenfalls auch eine Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft möglich, was in einer solchen Lage keinesfalls schaden kann – außer, man macht Dinge falsch. Die Fallstricke, die bei internen Untersuchungen lauern, schildern wir in unserer Titelgeschichte (Gestörte Kommunikation).

Auf eines können Sie jedoch vertrauen: Wir werden den Steuermarkt bei seiner Transformation weiter begleiten!

Jörn Poppelbaum
joern.poppelbaum@juve.de

Catrin Behlau
catrin.behlau@juve.de

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