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EDITORIAL

Prüfung und Politik

JUVE Verlag

Jörn Poppelbaum und Catrin Behlau

„Politik ist nur der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt“, hat vor mehr als zehn Jahren der legendäre Kabarettist Dieter Hildebrandt gesagt – und damit die Machtverhältnisse, wie sie sich aus seiner Sicht darstellten, klargestellt.

Steuerpraktiker in Unternehmen, Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften dürften seit einigen Jahren ein anderes Gefühl haben. Sie fühlen sich von der Politik zunehmend gegängelt – oder reguliert, um es korrekt zu sagen. Ob dieses Gefühl gerechtfertigt ist bzw. ob mehr Regulierung nicht auch etwas Gutes hat, sei an dieser Stelle dahingestellt. Fest steht: Die Vorgaben, die die Politik an vielen Stellen macht, haben es in sich.

So zeigt unser Titelartikel Neue Farbenlehre, welchen Einfluss die durch die EU angeordnete Rotation von Wirtschaftsprüfern auf Strategie und Aufstellung in den Beratungssparten der großen Gesellschaften hat – selbst wenn das eigentliche Ziel der Rotation, die Macht der Big Four zu brechen, verfehlt wurde.

Für völlig verfehlt halten viele auch die Pläne des Bundesfinanzministeriums in Bezug auf die Reform der Grundsteuer. Die Wirtschaft fürchtet, dass ein Regelmonster entsteht, das Unternehmen und Finanzverwaltung mit administrativen Anforderungen erdrückt. Im Interview erklären die Steuerchefs von Vonovia, Jörg Schindler, und E.on, Frank Kolan: „Wir sollten die Grundsteuer- Reform nutzen, um zu verein­fachen“. Und Markus Deupmann, Head of Taxes von Alba, fragt sich, warum man „40 Anlagen zum Gesetz benötigt, um maximal sechs wertbestimmende Faktoren zu ermitteln“ (Bilanz + Buletten).

In solchen Situationen können sich die Steuerpraktiker in Großunternehmen einigermaßen glücklich schätzen, den BDI zu haben. Der Bundesverband der Deutschen Industrie sitzt praktisch seit Beginn der Bundesrepublik immer Mit am Tisch (Seite 16). Und auch die Steuerabteilung des BDI ist alles andere als einflusslos. Deren Leiterin, Dr. Monika Wünnemann, hat ein schlagkräftiges Team von sechs Referenten um sich versammelt, um auf aktuelle steuerpolitische Frage schnell reagieren zu können.

Wenn Dieter Hildebrandt an „die Wirtschaft“ dachte, wird er sicher auch den BDI im Hinterkopf gehabt haben. Und hat bis heute recht behalten.

Jörn Poppelbaum
joern.poppelbaum@juve.de

Catrin Behlau
catrin.behlau@juve.de

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