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EDITORIAL

Von wegen Sommerloch

Poppelbaum_Jörn

Jörn Poppelbaum

Der Gesetzgeber, also Bundestag und Bundesrat, hat sich in die Sommerpause und das Ende der Legislatur verabschiedet. Ein steuerliches Sommerloch wird es allerdings nur für die Abgeordneten geben – für die steuerlichen Praktiker in Beratungshäusern und Unternehmen wird es dagegen ein heißer Sommer. Denn was da an neuen Gesetzen noch im Juni durchgeprügelt wurde, dürfte diese ganz schön ins Schwitzen bringen.

Steueroasenabwehrgesetz, Grund­steuerreform-Umsetzungsgesetz, ATAD-Umsetzungsgesetz, Gesetz für Modernisierung des Körperschaftssteuerrechts, Fondsstandortgesetz – für fast alle Unternehmensteuerexperten ist etwas dabei. Auf internationaler Ebene kommen das verschärfte Country-by-Country-Reporting oder die anvisierte Einführung einer globalen Mindestbesteuerung hinzu. 

Dass mit der Mindeststeuer kein Haushalt zu machen ist, ist jetzt schon klar (Geschichte hinter der Zahl, Seite 18), dass sie nicht für globale Steuergerechtigkeit sorgen wird ebenso – wenngleich die Experten bei unserer Frage des Monats ab Seite 38 sehr unterschiedliche Begründungen zur (Un-)Gerechtigkeit liefern. 

Ungerecht wäre es wohl auch, Steuerberatungsketten – oder korrekt: Kanzleiverbünden – zu unterstellen, sie hätten nur das klassische BMW-Geschäft. Natürlich können kleine Steuerbüros mit ein oder zwei Berufsträgern wunderbar damit leben, Einzelhändlern oder Restaurants ‚die Steuer zu machen‘. Doch der größte unter den Kanzleiverbünden, ETL, gibt an, den höchsten Steuerumsatz in ganz Deutschland zu erzielen. Wir haben genauer geschaut, ob das Geschäft mehr ist als Bäcker-Metzger-Wirt. Die Antwort in unserem Titelartikel ab Seite 10 lautet: Ja, aber nur vereinzelt.

Dabei wären große und schlagkräftige Steuerberatungsgesellschaften jenseits der Big Four, auf die Unternehmen angesichts der Neuregelungen des Gesetzes zur Stärkung der Finanzmarktintegrität (FISG) zurückgreifen könnten, willkommener denn je (Treffer, versenkt, Seite 36). Ach so: Das FISG wurde übrigens am 10. Juni verkündet.

Jörn Poppelbaum
joern.poppelbaum@juve.de

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