Artikel drucken
06.04.2017

Piëch-Rückzug: Familien verlassen sich beim Porsche-Aktienkauf auf Pöllath und Ebner Stolz

Der ehemalige VW-Chef Ferdinand Piëch hat sich wie erwartet von einem Großteil seiner Aktienanteile an der Porsche SE-Familienholding getrennt. Käufer sind weitere Mitglieder der Familien Porsche und Piëch. Wie groß die jeweiligen Anteile sind, ist nicht bekannt. Schätzungen zufolge dürfte Ferdinand Piëch an dem Verkauf fast eine Milliarde Euro verdienen.

Alexander Euchner

Alexander Euchner

Verkäufer sind zwei von Piëch kontrollierte österreichische Stiftungen, mit denen er 14,7 Prozent an der Porsche SE hielt. Über die Ferdinand Karl Beta-Privatstiftung bleibt der Firmenpatriarch jedoch mit einem kleinen Teil weiterhin beteiligt. Die Porsche-Holding gehört als Dachgesellschaft den Familien Porsche und Piëch, diese halten darüber auch die Mehrheit an Volkswagen. Kartell- und Finanzaufsichtsbehörden müssen den Aktienverkauf allerdings noch genehmigen, so lange will Piëch Mitglied des Aufsichtsrates bleiben.

Ende Mai findet die Porsche-Hauptversammlung statt, bei der unter anderem auch ein neuer Aufsichtsrat gewählt wird. Die Arbeitnehmervertreter, wie beispielsweise Bernd Osterloh, Betriebsratsvorsitzender von Volkswagen, Peter Mosch, Gesamtbetriebsratsvorsitzender von Audi, und Uwe Hück aus dem Betriebsrat der Porsche AG, werden vereinbarungsgemäß aus dem Aufsichtsrat ausscheiden. Statt aus zwölf Mitgliedern wird der Aufsichtsrat dann nur noch aus sechs Vertretern bestehen. Dies sind fünf Familienmitglieder und Prof. Dr. Ulrich Lehner, ehemaliger Henkel-Manager, als einziger externer Aufseher.

Berater Familienmitglieder Porsche und Piëch
Ebner Stolz Mönning Bachem (Stuttgart): Alexander Euchner, Markus Heinlein (beide Steuern) – aus dem Markt bekannt
P+P Pöllath + Partners (München, Frankfurt): Dr. Matthias Bruse (Corporate), Dr. Eva Nase (Kapitalmarktrecht), Daniel Wiedmann (Kartellrecht); Associate: Thies Jacob (Corporate) – für Hans Michel Piëch
Freshfields Bruckhaus Deringer (Wien): Dr. Günther Horvath; Associate: Dr. Ludwig Hartenau (beide Corporate)

Berater Ferdinand Piëch-Stiftungen
bpv Hügel (Mödling): Prof. Dr. Hanns Hügel (Corporate/Steuerrecht), Gerhard Fussenegger (Kartellrecht; Brüssel); Associate: Florian Plattner (Corporate/Stiftungsrecht)
Linklaters (München): Dr. Hans-Joachim Holzapfel (Corporate)

Hügel_Hanns_F

Hanns Hügel

Berater Porsche SE
Hengeler Mueller (Düsseldorf): Dr. Gerd Sassenrath, Dr. Carsten Schapmann (beide Corporate/Dispute Resolution)

Hintergrund: Alle Berater sind aus dem Markt bekannt.

Da die beiden Stiftungen ihren Sitz in Österreich haben, unterliegt die Aktienübertragung österreichischem Recht. Ferdinand Piëch verließ sich dabei auf Berater, die seit Jahrzehnten mit der Materie vertraut sind. Hügel hat die beiden Stiftungen 2007 bei ihrer Gründung beraten und war bis zum vergangenen Jahr auch im Stiftungsvorstand – wie übrigens auch Audi-Chef Rupert Stadler und Linklaters-Partner Holzapfel.

Holzapfel, der als enger persönlicher Berater Ferdinand Piëchs gilt, ist laut österreichischem Firmenbuch nach wie vor Mitglied des dreiköpfigen Vorstandes der Privatstiftungen Ferdinand Karl Alpha und Ferdinand Karl Beta. Mit ihm im Vorstand ist auch der Steuerberater Hermann Reitsperger, ehemals langjähriger Geschäftsführer von KPMG Österreich, und Klaus Luft, ehemaliger Nixdorf-Manager. Stadler gehört seit Anfang Februar nicht mehr zu den Vorständen der Ferdinand-Piëch-Stiftungen. Zwischen Ferdinand Piëch und Stadler besteht Insidern zufolge kaum noch Kontakt.

Holzapfel ist außerdem Vorstandsmitglied zweier weiterer familienkontrollierter Stiftungen, nämlich der KR Louise Piëch-Privatstiftung und der Dr. Hans Michel-Privatstiftung. Mit ihm sitzen in der Louise Piëch-Stiftung weitere bekannte Steuerberater und Anwälte aus Österreich: Dr. Karl-Heinz Moser, Geschäftsführer der österreichischen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Confida und früherer Aufsichtsratschef der abgewickelten Bank Hypo Alpe-Adria, und Dr. Michael Pressl, Namenspartner der Salzburger Kanzlei Pressl Endl Heinrich Bamberger. Deren Anwälte sind regelmäßig für Porsche und deren Gesellschaften tätig.

Über die Verbindung von Hans Michel Piëch, selbst Rechtsanwalt in Wien und jüngerer Bruder von Ferdinand, zum Pöllath-Gründungspartner Bruse ist derzeit noch nichts bekannt. In der von ihm kontrollierten Stiftung halten neben Holzapfel der Wiener Unternehmer Ulrich Schröder und Rupert Stadler den Vorsitz.

Auch Freshfields ist seit Langem über mehrere Kanäle mit Porsche verbunden: Der Wiener Freshfields-Partner Horvath hat die Familien, inklusive Ferdinand Piëch, während des Machtkampfes zwischen Porsche und Volkswagen vertreten, außerdem beim Kauf des Aktienpaketes an der SE vom Staatsfonds Qatar. Die SE wurde während des spektakulären Übernahmekampfes ebenfalls von einem Freshfields-Team aus Düsseldorf beraten.

Zu den Fragen des Ausscheidens der Arbeitnehmervertreter aus dem SE-Aufsichtsrat beriet nach JUVE-Informationen der Freshfields-Arbeitsrechtler Dr. Thomas Müller-Bonanni das Unternehmen. Für die Betriebsratsseite war dem Vernehmen nach Dr. Felix Ladenburger aus der Pforzheimer Kanzlei Ladenburger Neifeind Schmücker & Homann für diese Fragen zuständig, er ist ebenfalls langjähriger Berater der Arbeitnehmer im Porsche SE-Aufsichtsrat.

Hengeler ist ebenfalls schon länger mit einem großen Team für die Porsche SE tätig: Neben der allgemeinen Beratung zur Hauptversammlung ist die Kanzlei vor allem in gesellschaftsrechtlichen Fragen und für Konfliktlösung im Einsatz. (Jörn Poppelbaum, Christiane Schiffer)

  • Teilen