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05.01.2018

Rückblick: Das waren die Top-Deals des Jahres 2017

2017 war ein gutes M&A-Jahr: Deutschland blieb weiterhin das beliebteste Investitionsziel in Europa. Geld für Investitionen ist billig wie nie und der Digitalisierungsdruck führte zu bemerkenswerten, branchenübergreifenden Allianzen. Von freundschaftlich vereinbarten Fusionen und gesunden Nachfolgeregelungen bis hin zu feindlichen Übernahmeschlachten war im zurückliegenden Jahr alles dabei. 

Während die Stada-Übernahme durch Bain und Cinven nach langer Zitterpartie glückte, mündete der Verkauf von Air Berlin aus der Insolvenz in einer Zerschlagung des Unternehmens. Doch nicht nur Bieterschlachten und Großinsolvenzen hielten Rechtsberater in Atem, sondern auch unwillkommene Offerten.

Der finnische Energieversorger Fortum etwa will Uniper für neun Milliarden Euro übernehmen – doch die Düsseldorfer wehren sich, denn sie fürchten um die Einheit ihres Unternehmens. Dass hier aktivistische Investoren wie Knight Vinke oder Paul Singer in den Ring steigen, überrascht nicht. Wenig zimperlich verlief auch die Übernahme des Familienunternehmens Pfeiffer Vacuum. Die stille Überschreitung von Meldeschwellen dort beschäftigt nun sogar die Staatsanwaltschaft.

Gescheiterte Deals und Konzern-Spin-offs

Andere Vorhaben kamen am Ende nicht zustande: Knorr-Bremse musste ihr Gebot für die schwedische Firma Haldex schweren Herzens zurückziehen. Volkswagen trennte sich doch nicht von der Motorradmarke Ducati und die Deutsche Bank nicht von der Postbank. Die Deutsche Börse wiederum konnte nicht mit der Londoner Börse zusammengehen und das Schweizer Chemieunternehmen Clariant zieht auch nicht mit dem US-Wettbewerber Huntsman unter ein Dach.

In die Eigenständigkeit geschubst hingegen wurden – neben der E.on-Tochter Uniper – auch weitere Spin-offs von Dax-Konzernen: Bayer platzierte weitere Covestro-Anteile, die Telekom stieg bei ihrer ehemaligen Tochter Scout24 aus und Siemens verkaufte für 1,2 Milliarden Euro Aktien der früheren Tochter Osram. 

Großer Grenzverkehr

Auffällig häufen sich derzeit deutsch-österreichische Deals:  Vonovia will nach der Conwert-Übernahme auch den Immobilienkonzern Buwog in Österreich kaufen. Andere Immobilienfirmen und Versicherer griffen 2017 direkt nach Bürotürmen in Wien. Die Scout24-Gruppe angelte sich den steirischen Onlinemarktplatz Gebrauchtwagen.at und auch die Deutsche Telekom setzt auf Expansion in Österreich: Sie will das dortige Geschäft von Liberty Global für 1,9 Milliarden Euro erwerben.

Umgekehrt bietet die Wiener Signa-Gruppe gut drei Milliarden Euro für den Kaufhof-Konzern. Der österreichische Unternehmer Stefan Pierer hat bei der schwäbischen SHW-Gruppe einen Fuß in die Tür bekommen. Und die börsennotierte Bawag kaufte die Stuttgarter Südwestbank und ist an der Bausparkasse Deutscher Ring interessiert.

Regulierungshürden in grenzüberschreitenden Deals

Chinesische Investitionen in Deutschland waren dagegen etwas seltener als im Vorjahr. Denn die Regulierungsbehörden schauen zunehmend genauer hin. So untersagte etwa die US-Behörde für Investitionskontrolle eine chinesische Beteiligung an dem Kartendienst Here, an dem auch deutsche Autokonzerne beteiligt sind.

Dass die chinesische Investitionsfreude grundsätzlich ungebrochen ist, zeigte sich aber spätestens bei der Übernahme des Energiedienstleisters Ista im Sommer. Für diesen haben chinesische Käufer dem Vernehmen nach mehr als fünf Milliarden Euro hingeblättert.

Doch auch andere ausländische Firmen investierten kräftig in Deutschland: 5,2 Milliarden US-Dollar zahlte der US-Konzern John Deere für das Familienunternehmen Wirtgen, gut zwei Milliarden die Industrieholding SCI für den Verpackungshersteller Mauser, etwa 1,3 Milliarden der französische Autokonzern PSA  für die Traditionsmarke Opel und 1,1 Milliarden Euro zahlte Nordic Capital aus Schweden für den Düsseldorfer Pflegeheimbetreiber Alloheim.

Deutsche Konzerne im Einkaufsrausch

Deutsche Unternehmen sind jedoch nicht nur Übernahmeziele, sondern nutzen ihre großen Kapitalressourcen selbst für Zukäufe: Hochtief bietet gut 17 Milliarden Euro für den spanischen Infratstrukturanbieter Abertis, Lanxess wirbt wohl aktuell um die Spezialchemie-Sparte von Akzo Nobel und die Allianz will für etwa 1,8 Milliarden Euro die verbliebenen Anteile an dem Kreditversicherer Euler Hermes in Frankreich erwerben. BASF würde knapp sechs Milliarden für die Saatgut- und Pflanzenschutzsparte von Bayer investieren, wenn den Leverkusenern die Übernahme von Monsanto gelingt. Und Fresenius wartet auf die Freigabe der US-Kartellbehörde für die Milliarden-Übernahme des US-Generikaherstellers Akorn.

Daneben werden weiterhin große Allianzen geschlossen: Die rund 40 Milliarden Euro schwere Fusion von Linde und Praxair hat 2017 wichtige Hürden genommen. Siemens und Alstom wollen einen neuen europäischen Bahnriesen erschaffen, BASF und LetterOne das neue Energieförderunternehmen Wintershall Dea. Große Tragweite hat auch der Zusammenschluss von ThyssenKrupp mit dem indischen Konzern Tata Steel.  Ebenso wollen United Internet und Drilisch zusammenrücken, ihre komplexe Transaktion im Mobilfunksektor wurde bislang auf 2,3 Milliarden Euro taxiert.

Spannender Ausblick

Auch 2018 verspricht ein reges Transaktionsgeschäft. Ob nun Merck sein milliardenschweres Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten losschlägt, Siemens seine Gesundheitssparte an die Börse lotst oder weitere Online-Apotheken zusammengeführt werden – die Gesundheitsbranche wird viele Berater auf Trab halten. Zudem dürfte die  Konsolidierung im Bankensektor weiter an Fahrt aufnehmen: Bis Ende Februar etwa muss die HSH Nordbank verkauft werden.

Doch auch in anderen Branchen gibt es viel zu tun für Transaktionsanwälte: Adidas hat noch keinen Käufer für die Golfsparte Taylormade. ProSiebenSat.1 sucht Co-Investoren für das Digitalgeschäft. Einige Auto- und Energiekonzerne wollen ein neues Ladenetz für E-Autos aufbauen. Daimler will seinen großen Konzernumbau vorantreiben. Allein für die erste Schritte dahin wollen die Stuttgarter einen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag investieren – auch in die rechtliche und steuerliche Beratung. (Sonja Behrens)

Die Top-Deals 2017*

1 Hoher Poker: Hochtief bietet 17 Milliarden für spanische Mautfirma
2 Volle Kontrolle: Finnische Fortum kalkuliert rund 9 Milliarden für Uniper
3 Teure Produktrechte: BASF und Bayer schmieden 6 Milliarden-Deal
4 Stada-Einstieg: Bain und Cinven gelingt Übernahme im zweiten Anlauf
5 Milliarden-Coup: Chinesen kommen bei Ista zum Zug
6 Dicke Maschinen: John Deere erwribt die Wirtgen-Gruppe
7 Nächste Shoppingtour: Fresenius bietet 4,4 Milliarden für Akorn
8 Mutige Offerte: Karstadt-Eignerin Signa greift nach Kaufhof
9 Wieder Investoren: BC Partners kauft Ceramtec für 2,6 Milliarden Euro
10 Neuer Mobilfunkriese: Der Transaktionplan von United und Drillisch

*Auswahl der Redaktion

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