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13.03.2018

Innogy aufgeteilt: E.on und RWE setzen bei Energie-Deal auf Inhouseteams, Linklaters und Freshfields

RWE und E.on haben eine Vereinbarung zum Kauf der RWE-Tochter Innogy abgeschlossen. E.on will dazu den knapp 77-prozentigen Anteil von RWE an Innogy übernehmen. Außerdem werden die beiden Energieriesen Innogy-Geschäftszweige und andere Beteiligungen in größerem Stil tauschen. Unter dem Strich bleibt ein Saldo von 1,5 Milliarden Euro, den RWE an E.on zu zahlen hat. Die Aufsichtsräte von E.on und RWE müssen noch zustimmen. Innogy bringt derzeit einen Wert von 19 Milliarden Euro auf die Waage. Daran gemessen dürfte dies einer der größten Deals der vergangenen Jahre in Deutschland sein.

Sebastian Benz

Sebastian Benz

Zu den Tauschgeschäften gehört beispielsweise, dass RWE eine rund 16,7-prozentige Beteiligung an E.on erhalten wird. Diese Aktien will E.on über eine Sachkapitalerhöhung ausgeben. RWE bekommt außerdem das Geschäft mit erneuerbaren Energien von Innogy und einen Großteil dieses Geschäftsteils von E.on. Außerdem geht ein Teil des österreichischen Energieversorgers Kelag an RWE, genauso wie ein Minderheitsanteil an den Kernkraftwerken Emsland und Grundremmingen, die sich bei der E.on-Tochter Preussen Elektra befinden. E.on wird dann die Energienetze halten und sich auf die Endkunden fokussieren.

Finanziert wird das Geschäft dem Vernehmen nach unter anderem mit einem milliardenschweren Kredit der BNP Paribas.

RWE und E.on hatten 2016 gleichzeitig ihre Sparten für erneuerbare Energien sowie fossile und konventionelle Energieerzeugung ausgelagert. RWE gliederte die Öko-Sparte in ihrer Tochter Innogy aus. E.on behielt die erneuerbaren Energien im Mutterkonzern und spaltete dafür die fossilen Energien unter Uniper ab. Beide Töchter sind seit 2016 börsennotiert. Warum die Geschäftsteile, die so aufwendig auseinander dividiert wurden, nun wieder ganz neu sortiert werden, ist unklar.

Innogy hat den Verkauf bislang nicht kommentiert. Der Vorstand hatte erst vor zwei Tagen von den Plänen erfahren. Die RWE-Tochter segelt derzeit durch schwere See: Seit Jahresanfang wird sie kommissarisch von Vorstand Uwe Tigges geleitet, weil CEO Peter Terium nach einer Gewinnwarnung den Konzern verlassen musste. In der vergangenen Woche wurde Finanzvorstand Bernhard Günther bei einem Anschlag schwer verletzt.

Wie zu hören ist, wollen die Aufsichtsräte von E.on und RWE noch am Anfang dieser Woche über die Transaktion entscheiden.

Berater E.on
Inhouse Recht (Essen): Dr. Guntram Würzberg (General Counsel), Dr. Christoph Radke (Vice President Corporate & Governance), Sebastian Heidtkamp (Head of Legal M&A), Dr. Dermot Fleischmann (Head of Corporate & Finance Law), Dr. Iris Eveleigh (Head of Antitrust/Regulatory/Public Law)
Linklaters (Düsseldorf): Dr. Ralph Wollburg, Staffan Illert (beide Federführung), Thomas Schulz (Berlin), Dr. Jochen Laufersweiler (Frankfurt), Dirk Horcher (München; alle Corporate/M&A), Dr. Sebastian Benz (Steuerrecht), Dr. Carsten Grave, Christian Ahlborn (London; beide Wettbewerbsrecht/Kartellrecht), Dr. Neil Weiand, Dr. Urs Lewens (beide Bankrecht; beide Frankfurt); Associates: Claudia Schneider, Dr. Jens Hollinderbäumer, Dr. Eva Hennen, Dr. Daniel Meyer, Dr. Andreas Zenner, Dr. Alexander Jüngst, Krasen Krastev, Sebastian Klingen, Philipp Hardung (alle Corporate/M&A), Christoph Barth (Kartellrecht), Dr. Julian Böhmer (Steuerrecht)

Georg Roderburg

Georg Roderburg

Berater RWE
Freshfields Bruckhaus Deringer: Dr. Andreas Fabritius (Frankfurt), Dr. Tobias Larisch (Düsseldorf; beide Federführung; beide Gesellschaftsrecht/M&A), Dr. Ulrich Scholz (Wettbewerbsrecht), Dr. Georg Roderburg (Steuerrecht), Dr. Juliane Hilf (Öffentliches Recht), Dr. Moritz Becker (Prozessrecht; alle Düsseldorf), Rick van Aerssen (München), Sundeep Kapila (London; beide Gesellschaftsrecht), Dr. Mario Hüther (Finanzrecht; Frankfurt), Dr. Nicholas Günther (Gesellschaftsrecht), Juliane Ziebarth (Wettbewerbsrecht; beide Düsseldorf), Christine Laciak, Shawn Cooley (beide Öffentliches Recht; beide Washington); Associates: Julia Sellmann, Mirko Masek (beide Hamburg, Dr. Mesut Korkmaz, Dr. Jonathan Boeckmann, Dr. Timo Piller (alle Gesellschaftsrecht), Dr. Konrad Riemer (Wettbewerbsrecht), Thomas Richter (Steuerrecht), Katja Schramm, Dr. Tristan Kalenborn (beide Öffentliches Recht; alle Düsseldorf)
Inhouse Recht (Essen): Dr. Ulrich Rust (General Counsel), Dr. Claas Westermann (Head of M&A Legal), Dr. Christian Kuhn (Head of Corporate, Capital Market and Civil Law), Dr. Florian Fischer (Head of Competition Law & Energy Law), Thurid Wagner-Henk (Senior Legal Counsel, RWE Power)

Berater Innogy
Hengeler Mueller (Düsseldorf): Dr. Andreas Austmann (Federführung), Dr. Matthias Hentzen (beide Gesellschaftsrecht/M&A), Dr. Hartwin Bungert (Gesellschaftsrecht), Dr. Christoph Stadler (Kartellrecht), Dr. Vera Jungkind (Öffentliches Wirtschaftsrecht); Associates: Dr. Christian Strothotte, Dr. Dominik Hess (beide Gesellschaftsrecht/M&A), Mauritz Rogier, Dr. Adrian Cavin (beide Gesellschaftsrecht), Dr. Maximilian Schauf (Gesellschaftsrecht/M&A), Dr. Deniz Tschammler (Öffentliches Wirtschaftsrecht)
Inhouse Recht (Essen): Dr. Claudia Mayfeld (Leiterin Recht)

Berater RWE Aufsichtsrat
Ihrig & Anderson (Mannheim): Dr. Hans-Christoph Ihrig, Dr. Nils Anderson 

Berater BNP Paribas
Allen & Overy (Frankfurt): Thomas Neubaum (Finanzrecht), Dr. Hartmut Krause (Corporate/M&A), Dr. Mark Hallett (Bank- und Finanzrecht)

Hintergrund: Alle Berater sind aus dem Markt bekannt.

Linklaters berät E.on seit mehreren Jahren zu allen rechtlichen Fragen bei ihren Umstrukturierungen, aus denen schließlich die Tochter Uniper hervorging. Steuerpartner Benz ist regelmäßig in konzernweiten Neuorganisationen befasst: Er war auch einbezogen, als die Börsenbetreiber Deutsche Börse und der London Stock Exchange über eine mögliche Fusion verhandelten und er unterstützt die Zusammenführung der europäischen Stahlgeschäfte von Thyssenkrupp und dem indischen Konzern Tata.

Andreas Austmann

Andreas Austmann

Auf der Gegenseite wechselte die langjährige RWE-Beraterin Hengeler mit der ehemaligen Rechtsleiterin Mayfeld zur Abspaltung Innogy. Zuvor hatte ein Team um den federführenden Partner Austmann bereits die komplette Umstrukturierung bei RWE beraten, im Anschluss daran begleitete Kapitalmarktrechtler Rang den Börsengang von Innogy.

Freshfields, ebenfalls langjährige RWE-Beraterin in öffentlich-rechtlichen Fragen und Prozessvertreterin in den Klagen zum Atomausstieg, tritt nun auch in M&A- und kapitalmarktrechtlichen Fragen an der Seite von RWE auf. Zudem prüft Steuerpartner Roderburg die möglichen steuerlichen Auswirkungen der komplexen Transaktion. Die Steuerabteilung des Energiekonzerns wird seit 2012 von Otger Wewers geleitet. Die Position als Rechtsleiter bei RWE hat Rust übernommen, der zuvor von 2013 bis 2016 als Leiter Recht der RWE Generation SE tätig war.

Die Mannheimer Sozietät Ihrig & Anderson, die sich letztes Jahr gründete und intensiv der Organberatung widmet, wurde von RWE angesprochen und zur Beratung des Aufsichtsrates beigezogen.

Die angesehene Finanzierungspraxis von Allen & Overy berät BNP Paribas regelmäßig bei Finanzierungen oder Portfolio-Transaktionen, beispielsweise Anfang 2017, als die Commerzbank ihr Kredit-Joint-Venture mit der BNP auflöste. (Christiane Schiffer, Martin Ströder)

Wir haben den Artikel am 27.3.2018 korrigiert und am 29.03.2018 ergänzt

 
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