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11.09.2018

Grenzüberschreitend: Instone vollzieht Formwechsel mit Noerr und Sullivan

Die Instone Real Estate Gruppe hat eine neue Rechtsform: Der Immobilienentwickler wandelte sich von einer Gesellschaft mit niederländischem Hauptsitz (N.V.) in eine deutsche Aktiengesellschaft (AG). Gleichzeitig verlegte er den Hauptsitz nach Essen. Damit könnte Instone das erste börsennotierte Unternehmen hierzulande sein, das einen grenzüberschreitenden Formwechsel durchläuft. Möglich machte dies auch ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes aus dem Jahr 2017.

Carsten Heinz

Carsten Heinz

Die gesellschafts- und steuerrechtliche Umwandlung war schon im Börsenprospekt angelegt und Ende Juni auf der Instone-Hauptversammlung beschlossen worden. Nachdem die deutschen Steuerbehörden die entsprechenden Auskünfte positiv und verbindlich beschieden, gaben im August Vorstand und Aufsichtsrat grünes Licht für den Formwechsel. Ende August wurde er in das Handelsregister eingetragen.

Der Immobilienentwickler, der seinen Fokus auf den deutschen Wohnungsmarkt richtet, ist seit Februar im Prime Standard an der Frankfurter Wertpapierbörse notiert. Er ging 2017 aus der Fusion der ehemaligen Hochtief-Tochter Formart mit dem Immobilienentwickler GRK hervor und zählt zum Portfolio der ActivumSG Capital, einem Immobilienfonds mit Sitz in Jersey. Mit rund 300 Mitarbeitern entwickelt Instone derzeit rund 44 Projekte, deren geschätztes Verkaufsvolumen bei 3,6 Milliarden Euro liegt.

Die grenzüberschreitende Umwandlung einer Gesellschaft war im vergangenen Herbst auch Thema beim Europäischen Gerichtshof (EuGH): In der Rechtssache Polbud bestätigte er, dass die grenzüberschreitende Verlegung des satzungsmäßigen Gesellschaftssitzes von einem in einen anderen europäischen Mitgliedstaat nicht zur Liquidation einer Firma führen darf. Die Niederlassungsfreiheit gewähre den Bestand und die Identität, zudem könne die jeweils mögliche Gesellschaftsform im Zuzugstaat frei gewählt werden.

Berater Instone
Noerr (Berlin): Dr. Carsten Heinz, Christian Garz; Associates: Michael Tommaso, Juliane Fiebig (alle Steuerrecht)
Sullivan & Cromwell (Frankfurt): Dr. York Schnorbus; Associates: Dr. Sebastian Plassmann, Philipp Klöckner (alle Corporate)
Nauta Dutilh (Amsterdam): Chris Warner (Steuerrecht), Paul van der Bijl (Corporate); Associate: Pedro Paraguay (Steuerrecht) – aus dem Markt bekannt
Inhouse Steuern (Essen): Karsten Knoth – aus dem Markt bekannt
Inhouse Recht (Essen): Dr. Hubertus Witte (Leiter Recht) − aus dem Markt bekannt

Berater Instone Aufsichtsrat
CMS Hasche Sigle (Düsseldorf):Dr. Jürgen Frodermann, Dr. Christoph von Eiff; Associate: Nicole Mundhenke (alle Corporate/M&A)

Hintergrund: Um die steuerlichen Aspekte des Formwechsels auf deutscher Seite kümmerte sich der Berliner Noerr-Partner Heinz, der die Praxisgruppe Steuerrecht & Private Clients leitet. Er ist spezialisiert auf Fragen zur steueroptimierten Finanzierung sowie der Umstrukturierung nationaler und grenzüberschreitender Investmentstrukturen. Auf niederländischer Seite beriet Nauta Dutilh, mit der Noerr häufig zusammenarbeitet, beispielsweise beim Nasdaq-IPO von Trivago Ende 2016 und beim Börsengang von Instone im Februar.

Sullivan, die hier die gesellschaftsrechtliche Federführung inne hatte, hatte den Immobilienentwickler im Frühjahr bereits an die Börse begleitet. Die US-Kanzlei hatte sich für die kapitalmarktrechtliche Beratung seinerzeit bei der Großaktionärin Activuum in einem Pitch durchgesetzt.

Ebenfalls über einen Pitch kam ein Düsseldorfer Corporate-Team von CMS zum Zug: Es überzeugte den Instone Aufischtsrat.

Notariell beurkundet wurde der Rechtsformwechsel von der Notarin Dr. Elke van Arnheim. Die Kümmerlein-Partnerin begleitet selbst regelmäßig Mandanten im Rahmen von Unternehmensumstrukturierungen. (Stephan Mittelhäuser, Sonja Behrens)

Wir haben den Artikel am 11.September 2018 ergänzt

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