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27.11.2018

Kunstfaserhersteller verkauft: Chinesischer Neuinvestor geht mit Görg shoppen

Der noch junge Investor Beautiful Mind Capital (BMC) hat den Garnhersteller Cordenka gekauft. Verkäuferin ist Chequers Capital, die dafür 240 Millionen Euro erhielt. Unterstützung in der Transaktion bekam die in Schanghai beheimatete BMC unter anderem von den Börsenkonzernen Shanghai Electric und ABA Chemicals, von der Bank of Shanghai und einer Tochter der Agricultural Bank of China. Die Behörden in Deutschland und China haben dem Deal bereits zugestimmt.

Adalbert Rödding

Adalbert Rödding

Cordenka produziert nach eigenen Angaben gut die Hälfte des weltweiten Bedarfs an industriellem Rayon (Kunstseide). Rund 32.000 Tonnen des Verstärkungsmaterials werden in Spinnereien in Unterfranken, Thüringen und Polen gefertigt und an Kunden wie Audi, BMW, Mercedes, Aston Martin, Tesla und Volvo geliefert. Chequers Capital hatte das Unternehmen 2011 von CVC Capital Partners, dem Spezialchemiehersteller Akzo Nobel und dem niederländischen Kunstfaserherstellers Acordis erworben. Nun reicht es der Finanzinvestor in der niederländischen Holding Tire Invest weiter an den chinesischen Investor BMC.

Der BMC Europe Fund I war erst im Februar von der Shanghai International Group (SIG) gelauncht worden, einer Tochter des Stadtstaates Schanghai. Der Fonds wurde mit Hilfe von drei ehemaligen Credit Suisse-Bankern aus der Taufe gehoben und ist direkt als chinesisch-britisches Projekt angelegt, mit einem zweiten Büro in London. Mit dem Ankauf von Cordenka tätigt BMC den ersten Zukauf. Das gesamt Fondsvolumen beläuft sich auf rund 330 Millionen britische Pfund (rund 371 Millionen Euro).

Berater Beautiful Mind Capital 
KPMG (Berlin): Florian Sander – aus dem Markt bekannt
Görg (Frankfurt): Florian Wolff (Federführung), Dr. Jia Ding (beide Gesellschaftsrecht/M&A), Dr. Adalbert Rödding (Steuerrecht; Köln), Dr. Jens-Dietrich Mitzlaff (Bank- und Finanzrecht), Dr. Christian Bürger (Kartellrecht/Fusionskontrolle), Thoralf Herbold (Energiewirtschaftsrecht; beide Köln), Dr. Heiko Reiter (Arbeitsrecht); Associates: Dr. Said Ashrafnia, Dr. Maximilian Lentz (beide Gesellschaftsrecht/M&A), Marc Zimmermann (Bank- und Finanzrecht; Köln)
Nauta Dutilh: Kathrin Bungenberg (Gesellschaftsrecht/M&A; Rotterdam), Lin Xu (Litigation/Arbitration; Amsterdam)
Bonn Steichen & Partners (Howald): Laurent Lazard; Associate: Melvin Tjon Akon (beide Bank- und Finanzrecht)

Stefan Süß

Stefan Süß

Berater Chequers Capital
Latham & Watkins (München): Burc Hesse (Federführung; Private Equity), Stefan Süß (Steuerrecht), Dr. Tobias Leder (Arbeitsrecht); Associates: Maximilian Holm, Jeremias Bura, Dr. Maximilian Platzer (Frankfurt), Louise Deng (Schanghai; alle Private Equity), Jennifer Geng (Steuerrecht), Dr. Kristina Steckermeier (Arbeitsrecht), ‎Dr. Eun-Kyung Lee (Immobilienrecht; Hamburg)

Hintergrund: Görg-Partner Wolff hat viel Erfahrung im stark regulierten deutsch-chinesischen Transaktionsgeschäft. Er hatte schon bei Graf von Westphalen den China-Desk geleitet, bevor er 2014 zusammen mit dem Corporate-Partner Dr. Matthias Menke zu Görg wechselte. Dort steht ihm mittlerweile ein vierköpfiges Team zur Verfügung, mit dem er nicht nur Mandanten aus und nach China begleitet, sondern beispielsweise auch aus Japan. Wolff berät das hier ebenfalls investierende Lifescience-Unternehmen ABA Chemicals bereits seit mehreren Jahren, so kam auch der Kontakt zu BMC zustande. Der Deal ist nach deutschem Recht geschlossen, für Fragen nach chinesischem Recht zog Görg die chinesische Großkanzlei Fangda Partners hinzu.

Görg-Steuerpartner Adalbert Rödding war 2017 von Freshfields zu Görg gewechselt – er war der erste ausgewiesene Transaktionssteuerexperte für die Kanzlei und seitdem in zahlreichen Deals zu sehen. Als weiterer Steuerberater trat in dieser Transaktion soweit bekannt zudem der Berliner KPMG-Manager Florian Sander zur M&A-Tax in Erscheinung. Über die Mandatsbeziehung zwischen KPMG und Beautiful Mind Capital ist nichts bekannt.

Zu der Transaktion gehörte eine außenwirtschaftliche Investitionsprüfung durch das Berliner Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, eine Akquisitionsfinanzierung und ein mehrteiliger Genehmigungsprozess in China. Dieser wurde dadurch erleichtert, dass BMC ihren Sitz in der Freihandelszone von Schanghai hat, wo die Genehmigungsbehörden Prüfungsteams für das Transaktionsgeschäft angesiedelt haben.

Die Akquisitionsstruktur wurde unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Investoren entwickelt. Sie zieht sich über Vehikel in Hongkong und Luxemburg. Daher kam auf Wunsch von BMC auch die Luxemburger Kanzlei Bonn Steichen zum Einsatz. Mit Nauta Dutilh, die hier für die niederländische Holdingstruktur des Targets einbezogen war, arbeitet Görg immer wieder zusammen.

Latham-Partner Hesse berät Chequers Capital regelmäßig. Er brachte die Mandantin schon von Clifford Chance mit und unterstützte sie jüngst auch beim Verkauf der Deutsche Fachpflege-Gruppe. Weitere Steuerberater neben Latham-Steuerrechtler Süß waren auf Seiten von Chequers nicht täig.

Die Managementbeteiligung an Cordenka wird derzeit neu aufgesetzt. Die Finanzierung von Cordenka aus dem vergangenen Jahr wurde auf die neuen Eigentümer übertragen. Ein Ashurst-Team unter der Federführung der Frankfurter Finance-Partnerin Anne Grewlich hatte Chequers bei der Finanzierung beraten. Die Geldgeber Barings und Goldman Sachs hatten White & Case mandatiert, ein Team um die Partner Dr. Thomas Flatten und Jeremy Duff. Die Refinanzierung ihrer bestehenden Kreditfazilitäten 2016 hatte noch Thomas Weitkamp unterstützt, der in diesem Jahr von Clifford Chance zu Latham & Watkins wechselte.

Notariell beurkundet wurde die rechtlich und prozessual komplexe Transaktion nach JUVE Recherchen bei Linklaters, von Notar Daniel Buchinger. (Sonja Behrens, Catrin Behlau)

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