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26.08.2019

Noch mehr Geld: Flixbus will mit weiteren Investoren nach Südamerika und Asien expandieren

Flixbus hat bei seiner Finanzierungsrunde F weiteres Geld eingesammelt. Vor einigen Wochen kamen zunächst über die Bestandsgesellschafter sowie die Neulinge Permira und TCV rund 500 Millionen Euro in die Kasse. Nun sind auch noch die Investoren Blackrock, Luxor Capital, Odyssey 44 und Baillie Gifford eingestiegen und haben die Finanzspritze deutlich vergrößert. Damit will das Unternehmen in Südamerika und Asien Fuß fassen, den Flixtrain in andere europäische Länder exportieren und außerdem eine Mitfahrzentrale aufbauen. Die Finanzierung soll die größte gewesen sein, die ein deutsches Start-up bislang erreicht hat.

Alexander Reiter

Alexander Reiter

Der erste Teil der Finanzierungsrunde endete im Juli. Seinerzeit waren bereits mit Permira und TCV zwei Investoren eingestiegen. Neben den Gründern und General Atlantic gehören sie nun zu den größten Anteilseignern des Unternehmens und dürften damit auch die weitere Entwicklung des Unternehmens beeinflussen können. Von den Bestandsinvestoren waren JUVE Steuermarkt-Informationen zufolge auch der Private-Equity-Fonds Silver Lake, H14, die Investmentgesellschaft der Berlusconi-Familie und Holtzbrinck Ventures an der Finanzierungsrunde beteiligt. Letztere haben dem Unternehmen zufolge ihren Anteil gemeinsam mit der Europäischen Investmentbank erhöht. 

Weil die Nachfrage im kompetitiven Bieterprozess sehr hoch gewesen ist, hat sich Flixbus dem Vernehmen nach dazu entschieden, die Interessenten, die im ersten Teil der Finanzierungsrunde nicht zum Zug kamen, in einer zweiten Runde um weitere Finanzmittel konkurrieren zu lassen. Mit Blackrock, dem größten Finanzverwalter der Welt, sowie der Beteiligung von Luxor Capital, Baillie Gifford und Odyssey 44, der Investmentgesellschaft des Tschechen Martin Kúšik, sind weitere prominente Geldgeber dem Gesellschafterkreis beigetreten. 

Über die neue Verteilung der Anteile ist indes nichts bekannt und auch nicht über die genauen Summen, die geflossen sind. Die Plattform ‚TechCrunch‘ spekuliert über eine Gesamtfinanzierung zwischen 500 Millionen und einer knappen Milliarde Euro, was die Bewertung von Flixbus deutlich über zwei Milliarden Euro steigen ließe.

An der letzten Finanzierungsrunde Ende 2016 waren dem Unternehmen zufolge sowohl die European Bus Holding des Risikokapitalgebers General Atlantic als auch Silver Lake sowie Holtzbrinck und Daimler beteiligt gewesen. Danach war bekannt geworden, dass H14 Anteile in der Höhe von 0,25 Prozent erworben hatte. Darüber berichtete das Branchenmagazin Roter Renner, das auch die Beteiligungshöhe weiterer Investoren angab. Demnach hielten die Flixbus-Gründer seinerzeit 26,18 Prozent, General Atlantic 34,21 Prozent, Holtzbrinck 15,42 Prozent, Silver Lake 6,65 Prozent, Daimler Mobility Services 5,37 Prozent und auf weitere 15 Investoren verteilten sich die restlichen 11,93 Prozent.

Berater Flixbus
Inhouse Steuern (München): John Ens (Federführung), Katja Haag, Mariya Panhuysen, Elena Buila
Inhouse Recht (München): Kathrin Moder, Bastian Grimm, Patricia Klumpp, Henry Ogunrinde, Florian Güster
Hogan Lovells (München): Peter Huber (Federführung; Corporate/M&A), Prof. Dr. Michael Schlitt (Kapitalmarktrecht; Frankfurt), Andreas Thun; Associates: Dr. Peter Lang, Elisabeth Rothenaicher, Kilian Pfahl, Christian Alscher, Dominik Lang (alle Corporate/M&A), Sara Šepac, Dušan Stojković (beide Frankfurt; beide Kapitalmarktrecht)

Finanzierungsrunde zweiter Teil – Anfang August

Berater BlackRock
Clifford Chance (Frankfurt): Philipp Klöckner, Dr. Thomas Krecek (beide Corporate/M&A)

Berater Luxor Capital Group
Sidley Austin (München): Dr. Marcus Klie (Federführung), William Schwab (Boston); Associates: Jörg Fischer (Steuerrecht), Thomas Komanek, Armin Mustafic, Jennifer Geng (alle Private Equity/Venture Capital)

Berater Odyssey 44
Inhouse (Prag) – keine Nennungen

Berater Baillie Gifford
CMS Hasche Sigle (Berlin): Ralf Kurney, Steffen König (beide Federführung), Dr. Igor Stenzel, Patrick Lühr (alle Corporate/M&A), Prof. Dr. Marion Bernhardt (Arbeitsrecht), Dr. Tom Pröstler (Schiedsrecht; Hongkong); Associates: Dr. Friedrich von Spee, Vera Wahl (beide Corporate/M&A), Dr. Henrike Seifert (Arbeitsrecht; Frankfurt), Dr. Julius Städele (Öffentliches Wirtschaftsrecht)

Finanzierungsrunde erster Teil – Mitte Juli

Tobias Geerling

Tobias Geerling

Berater TCV
Ernst & Young (München): Alexander Reiter, Mark Zimmermann, René Gütschow, Katrin Sellig-Hohler (alle Tax Structuring/Due Diligence)
Weil Gotshal & Manges (Frankfurt): Dr. Christian Tappeiner (Federführung), Dr. Hendrik Röhricht, Kevin Sullivan (Boston; alle Corporate), Tobias Geerling (Steuerrecht; München); Associates: Andreas Fogel, Marcel Andersen, Carolin Obermaier (alle drei München) Konrad von Buchwaldt, Julian Schwanebeck, Sebastian Brenner, Simon Steiner, Sara Afschar-Hamdi (alle Corporate), Mareike Pfeiffer (Arbeitsrecht), Aurel Hille (Kartellrecht), Marcus Kaiser (IP), Nicolas Bechtold (Prozessrecht)

Berater Permira
Ernst & Young (Eschborn): Thorsten Krummheuer, Ulrike Geißler, Katrin Albrecht, Alexander Bruns, Eric Hope (alle Tax Structuring/Due Diligence)
Latham & Watkins (Frankfurt): Oliver Felsenstein (Private Equity), Stefan Süß (Steuerrecht; München), Dr. Max Hauser (Kartellrecht), Anne Kleffmann (Arbeitsrecht; München), Thies Deike (Medienrecht), Jörn Kassow (Umweltrecht; Hamburg); Associates: Dr. Maximilian Platzer, John-Patrick Scherer, Sönke Bock (alle Private Equity), Dr. Wolf-Tassilo Böhm (Datenschutz), Ralph Dräger, Eun-Kyung Lee (Hamburg, beide Finanzrecht), Dr. Kristina Steckermeier (Arbeitsrecht; München)

Berater General Atlantic
Milbank (München): Dr. Sebastian Heim (Federführung; Corporate/M&A), Dr. Matthias Schell (Steuern); Associates: Dr. Sebastian Reiner-Pechtl (Corporate), Dr. Fritz Schuchmann (Corporate/M&A)

Berater Silver Lake
Hengeler Mueller: Dr. Martin Ulbrich (Düsseldorf), Dr. Jens Wenzel (Berlin); Associates: Maike Hölty, Niclas Bettien (beide Berlin), Dr. Oliver Junk (alle M&A/Venture Capital, alle Düsseldorf)

Berater H14
Inhouse (Mailand) – keine Nennungen

Berater Holtzbrinck Ventures
Inhouse Recht (München): Andreas Wisser

Stefan Süß

Stefan Süß

Hintergrund: Hogan Lovells-Partner Huber kennt Flixbus schon seit seiner Gründung 2011, seit 2015 leitet Moder als Inhouse-Chefin das Team.

Blackrock beauftragt Clifford in Deutschland immer wieder mit der Beratung zu Immobiliendeals. Bei der Flixbus-Finanzierung kam der Kontakt nun über den Londoner Private-Equity-Partner Christopher Sullivan. Der federführende Partner Klöckner ist ein Neuzugang bei Clifford von Sullivan & Cromwell; der Kapitalmarktrechtler verstärkt unter anderem die Private-Equity-Praxis.

Sidley-Partner Schwab begleitet Luxor Capital vor allem in den USA regelmäßig bei Transaktionen. Neuerdings weitet die Investorin ihr Geschäft auch nach Deutschland aus. Der deutsche Partner Klie war vor dem Flixbus-Deal auch beim Börsengang des Kochboxen-Start-ups Marley Spoon mandatiert, an dem Luxor beteiligt ist.

Hinter Odyssey 44 steht der Tscheche Martin Kúšik, dessen Firma regelmäßig in Unternehmen investiert. Der vierte Investor der erweiterten Finanzierungsrunde, Baillie Gifford, setzte bei seinem Investment – wie bereits bei Auto1 und Hello Fresh – erneut auf CMS.

TCV und Permira setzten auf ihnen vertraute Kanzleien und Beratungsgesellschaften. EY-Steuerpartner Reiter beriet im vergangenen Jahr TCV zu den steuerlichen Aspekten der Übernahme der Anteile am Schweizer Unternehmen Sportradar vom Finanzinvestor EQT. Sowohl Weil Gotshal als auch Latham beraten die Investmenthäuser regelmäßig mit ihren deutschen und internationalen Büros. Latham-Steuerpartner Süß verfügt über mehrjährige Erfahrung in der Begleitung von Private Equity- und Finanzierungsstrukturen sowie in der komplexen Fondsstrukturierung und -gestaltung. Er gehörte unter anderem zu dem Team, das Permira 2015 zur Finanzierung der Übernahme des Essener Inkassounternehmens GFKL beriet. Steuerpartner Geerling von Weil Gotshal ist ebenfalls auf Fonds- und Finanzierungsfragen spezialisiert und gehörte zum Team, das unlängst den US-Investor KKR bei der Übernahme der Mehrheit an Heidelpay beriet.

Auch General Atlantic ist Stammmandantin von Milbank. Der zu Jahresbeginn ernannte Partner Heim kennt das Thema Flixbus schon seit der Fusion des Unternehmens mit MeinFernbus. Hengeler-Partner Ulbrich und Silver Lake arbeiten ebenfalls regelmäßig miteinander. Marktbekannt ist etwa die Beratung des Private-Equity-Fonds rund um einen anvisierten Kauf von Techem im vergangenen Jahr. (Martin Ströder, Christiane Schiffer, Stephan Mittelhäuser)

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