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19.09.2019

Ankauf der Vossloh-Sparte: China Railway vertraut auf Raschke von Knobelsdorff Heiser

Die chinesische CRRC Zhuzhou Locomotive, eine Tochter des größten Schienenfahrzeugherstellers der Welt China Railway Rolling Stock Corporation (CRRC), kauft Vossloh sein europäisches Lokomotivengeschäft ab. Für CRRC dürfte der Kauf des modernen Produktionsstandorts in Kiel den ersehnten Einstieg in den europäischen Markt bedeuten. Der vereinbarte Kaufpreis werde sich voraussichtlich auf einen niedrigen einstelligen Millionenbetrag belaufen, erklärte Vossloh, ließ aber auch durchblicken, dass CRRC sämtliche Garantien und Bürgschaften ablöst.

Christian Möller

Christian Möller

Der Vollzug werde im Verlauf der nächsten Monate erwartet. Die Transaktion stehe vor allem noch unter dem Vorbehalt der Freigabe durch die zuständigen Behörden in Europa und China, insbesondere der fusionskontrollrechtlichen und außenwirtschaftsrechtlichen Freigaben sowie der üblichen Genehmigungen der chinesischen Behörden. Außenwirtschaftsrechtlich dürfte vor allem die Frage relevant sein, wie sehr die Behörden das Lokgeschäft an das Reizthema kritische Infrastruktur knüpfen.

Das Lokgeschäft sei das letzte von ursprünglich drei Geschäftsfeldern, das Vossloh im Zuge einer strategischen Ausrichtung auf die Bahninfrastruktur veräußert. Mit dem Vollzug werde der Umbau des Verkehrstechnikkonzerns abgeschlossen. Für die Loksparte waren zuletzt fast 500 Angestellte in Deutschland sowie an den Standorten in Frankreich, Italien und Schweden tätig, die CRRC ebenfalls erworben hat.

Vossloh versucht bereits seit 2017 das seit 15 Jahren defizitäre Lokgeschäft zu verkaufen. Finanzchef Oliver Schuster teilte der Börsen-Zeitung mit, dass der Verkauf sich schwierig gestaltete. Dem Vernehmen nach ist die Transaktion für Private-Equity-Investoren nicht finanzierbar gewesen. Für CRRC bedeutet der Kauf hingegen die Tür zum regulierten europäischen Markt. Bereits vor einigen Jahren war CRRC an Skoda Transportation interessiert und auch beim sächsischen Wagonbauer Niesky sollen sie dem Vernehmen nach mitgeboten haben.

Das Lokgeschäft von Vossloh ist nach Siemens und Alstom der drittgrößte Anbieter von Lokomotiven und Serviceleistungen im deutschen Markt. Nachdem die EU-Kommission die Fusion von Siemens und Alstom untersagt hat, dürfte sie den Kauf durch CRRC begrüßen. Ohne das Lokgeschäft erzielte Vossloh im Geschäftsjahr 2018 mit etwa 3.800 Mitarbeitern einen Umsatz von 865 Millionen Euro. 

Berater CRRC
Raschke von Knobelsdorff Heiser (Hamburg): Dr. Dominik Ziegenhahn (Federführung), Dr. Nico Torka (beide Corporate/M&A), Prof. Dr. Christian Möller (Steuern); Associate: Cornelius Karcher (Corporate/M&A)
Grandall (Peking): Qing Lin, Xinwei Li, Zhang Bo (alle Corporate/M&A)
Jeantet
(Paris): Karl Hepp de Sevelinges, Michael Samol (beide Corporate/M&A)
Pavia e Ansaldo (Mailand): Sven von Mensenkampff (Corporate/M&A)
Törngren Magnell (Stockholm): Niclas Högström (Corporate/M&A)
KNPZ (Hamburg): Dr. Mathias Zintler (IP/IT)
Schramm Meyer Kuhnke (Hamburg): Dr. Holger Meyer; Associate: Dr. Matthias Lodemann (beide Arbeitsrecht)
Blomstein (Berlin): Dr. Max Klasse, Dr. Roland Stein (Kartell- und Außenhandelsrecht)
KPMG (Peking): Michael Jiang, Alison Sun

Berater Vossloh
Freshfields Bruckhaus Deringer (Düsseldorf): Dr. Stephan Waldhausen (Federführung; Corporate/M&A), Dr. Georg Roderburg (Steuerrecht), Dr. Uta Itzen (Kartellrecht), Dr. Michael Ramb (Öffentliches Wirtschaftsrecht; Berlin), Yuxin Shen (Peking); Associates: Dr. Philipp Pütz (Co-Federführung; beide Corporate), Thomas Richter, Dr. Sören Lehmann (beide Steuerrecht), Dr. Tobias Pukropski (Kartellrecht), Dr. Tobias Timmann (IP/IT), Manuel Walkenhorst, Henri Conze (beide Corporate/M&A)
Inhouse Recht (Werdohl): Jan Furnivall (Leiter Rechtsabteilung)

Hintergrund: Steuerberater Möller ist eng in das Transaktiongeschäft der Hamburger Kanzlei Raschke von Knobelsdorff Heiser eingebunden und beriet die chinesischen Mandanten hier zur Steuerstruktur im Ankauf.

Die Kanzlei kam über die chinesische Sozietät Grandall ins Mandat, die zu den Stammberaterinnen von CRRC gehört. Letztlich setzte sich der federführende Raschke-Partner Ziegenhahn in einem Pitch durch. Sein Kontakt zu Grandall stammt aus der Zeit bei GvW Graf von Westphalen, wo er bis 2015 die M&A-Praxis leitete. Dann zog es ihn zum Hamburger Freshfields-Spin-off, das bis 2014 noch als Renzenbrink Raschke von Knobelsdorff Heiser firmierte. Ziegenhahn war bis 2009 selbst bei Freshfields und ist heute parallel auch Geschäftsführer des Chinese European Arbitration Centre (CEAC) mit Sitz in Hamburg.

Für die Verhandlungen zog er weitere deutsche Freshfields-Spin-offs zusammen. Zudem lieferten europäische Partnerkanzleien die Informationen zu den ausländischen Standorten und Jurisdiktionen.

Auch auf Verkäuferseite trafen alte Bekannte aufeinander: Vossloh-Rechtsabteilungsleiter Furnivall war bis 2013 Teil des Düsseldorfer Corporate/M&A-Teams um Freshfields-Partner Waldhausen. Die Mandatsbeziehung zwischen Vossloh und Waldhausen reicht zurück bis ins Jahr 2001. (Martin Ströder, Sonja Behrens; mit Material von dpa)

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