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24.10.2019

Hohe Wertsteigerung: EQT kauft mit EY und Clifford das Glasfasernetz Inexio

Der saarländische Glasfasernetzbetreiber Inexio geht an den EQT-Fonds Infrastructure IV. Medienberichten zufolge bewertet EQT den Betreiber mit rund einer Milliarde Euro – und damit viermal so hoch wie noch vor drei Jahren. Mehrheitlich gehörte Inexio dem Private-Equity-Haus Warburg Pincus. Im Rahmen eines Bieterverfahrens interessierten sich viele Infrastrukturinvestoren für Inexio. EQT erhielt den Zuschlag allerdings außerhalb der offiziellen Bieterrunde und damit früher als gedacht.

Matthias Franz

Matthias Franz

Zu den Gesellschaftern, die ihre Anteile nun an EQT verkauft haben, gehört neben Warburg Pincus auch die Deutsche Beteiligungs AG sowie weitere Inhaber von kleineren Anteilspaketen. Medienberichten zufolge werden die Gründer und Geschäftsführer der Gesellschaft, David Zimmer und Christoph Staudt, ihre Anteile halten.

Inexio war vor drei Jahren noch mit 250 Millionen Euro bewertet worden. Seinerzeit hatte Warburg Pincus im Rahmen einer Kapitalerhöhung mit 60 Prozent die Mehrheit an dem Breitbandanbieter übernommen. Die Deutsche Beteiligungs AG hatte sich bereit 2013 an dem Unternehmen beteiligt.

Früh überzeugt 

Dem Vernehmen nach interessierten sich viele bekannte Infrastrukturfonds für Inexio, die über rund 6.000 Kilometer Netzinfrastruktur und eigene Rechenzentren verfügen. Unter anderem zählten Allianz Capital Partners, DWS und der US-Fonds Stonepeak Infrastructure Partners zu den Interessenten. Zur Abgabe ihrer Angebote kam es nicht, weil die Gesellschafter das EQT-Angebot unabhängig vom eingeleiteten Bieterverfahren annahmen.

Weiteres Netz steht zum Verkauf

Die unterlegenen Interessenten dürften sich nun auf das zweite große Glasfaserpaket stürzen, das aktuell zum Verkauf steht: die Deutsche Glasfaser. Das Netz des Anbieters aus Borken in Nordrhein-Westfalen ist deutlich größer als das der Inexio. Darüber hinaus überschneidet sich das Geschäft der beiden nicht: beide Netze sind komplementär.

Im Vorfeld der Inexio-Transaktion war diskutiert worden, ob möglicherweise ein Stratege wie 1&1 Drillisch beide Netze kauft, um den Wettbewerb mit der Deutschen Telekom zu intensivieren. Nun wird spekuliert, ob EQT es wagt, beide Netze in einem Fonds zu vereinen. Unabhängig von der Größe des Fonds könnte ein solcher Schritt allerdings ein Klumpenrisiko mit sich bringen. 

Berater EQT
Ernst & Young (Stuttgart): Matthias Franz (Steuern) – aus dem Markt bekannt
Clifford Chance (München): Markus Muhs (Corporate), Joachim Hasselbach (Corporate/M&A; beide Federführung), Dr. Thomas Voland (Öffentliches Wirtschaftsrecht; Düsseldorf), Taner Hassan (Finanzierung; London); Associates: David Schwenneker, Laura Treublein, Konstantin Heilmann (alle Corporate), Dr. Philipp Büsch (Öffentliches Wirtschaftsrecht; Düsseldorf) Neil Cavanagh (Finanzierung; London) – aus dem Markt bekannt

Michael Kunz

Michael Kunz

Berater Warburg Pincus
Ernst & Young (Hamburg): Michael Kunz, Niclas Hahn (beide Steuern), Dietmar Koesling (Financial), Beatrice Hüsken; Associates: André Schilberg, Jonas Borgmann (alle Steuern)
Freshfields Bruckhaus Deringer (Frankfurt): Dr. Markus Paul, Dr. Lars Meyer, Dr. Hendrik Braun (alle Corporate), Dr. Mario Hüther (Finanzierung); Associates: Christoph Werkmeister (TK-Recht; Düsseldorf), Nina Heym, Georg Lübbehüsen (beide Finanzierung), Dr. Philipp Knoll, Tibor Szigetvari (beide Arbeitsrecht), Anahit Gasparyan, Dr. Anna Dominke (beide Corporate), Marius Scherb (IT/Datenschutz; Hamburg), Dr. Vera Ibes (Konfliktlösung; Düsseldorf), Dr. Sebastian Breder (Immobilienrecht)

Berater Deutsche Beteiligungs AG
Bird & Bird (Frankfurt): Dr. Hans Peter Leube; Associates: Michael Maier, Laura Müller (Düsseldorf; alle Corporate/M&A)

Berater Inexio/Gründer/Geschäftsführer
Alegis (Düsseldorf/Merzig): Prof. Dr. Christoph Freichel (Steuern) – aus dem Markt bekannt
Florian Aigner (München) – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Das Hamburger EY-Partner Kunz pflegt eine langjährige Mandatsbeziehung zum Investor Warburg Pincus. Das EY-Team und Freshfields berieten den Investor auch gemeinsam zum Einstieg bei Inexio sowie zuletzt zum Ausstieg bei Blue Yonder und der Münchner Ipan. Auch die Mandatsbeziehung der Freshfields-Partner Paul und Meyer zu Warburg Pincus ist seit dessen Einstiegs bei 1&1 Internet gewachsen. Während Paul vor allem auf Private-Equity-Investoren spezialisiert ist, ergänzt Meyer die Beratung mit einem ausgeprägten Fokus für Tech-Mandanten.

Clifford-Partner Muhs wird regelmäßig von EQT mandatiert. Zuletzt etwa, als der Investor den Lebensmittellogistiker Ifco Systems kaufen wollte. EQT arbeitet bei großen Transaktionen neben Clifford auch regelmäßig mit anderen Großkanzleien wie Hengeler Mueller, Freshfields Bruckhaus Deringer und Latham & Watkins zusammen. Die Deutsche Beteiligungs AG stützte sich wie schon in der Vergangenheit auf das Know-how von Bird & Bird-Partner Leube.

Die Gründer und neben EQT verbleibenden Gesellschafter ließen sich steuerlich von Alegis-Partner Freichel beraten. Die MDP-Einheit gehört seit 2015 zum Andersen Tax & Legal Netzwerk und brachte 2017 auch die Standorte Düsseldorf, Saarbrücken, Merzig und Luxemburg ein. Rechtlich vertrauten die Gesellschafter wie bereits beim Einstieg von Warburg Pincus auf den Münchner Anwalt Aigner. Er war bis Ende des vergangenen Jahres Partner bei der Kanzlei AFR Aigner Fischer, die sich infolge der sogenannten Goldfinger-Affäre aufgelöst hat. (Martin Ströder)

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