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28.10.2019

Teilverkauf: Senvion geht mit Gleiss, Deloitte und Freshfields an Siemens Gamesa

Der insolvente Windanlagenhersteller Senvion verkauft Teile seines Geschäfts für 200 Millionen Euro an den deutsch-spanischen Konkurrenten Siemens Gamesa. Die Vereinbarung umfasst neben dem europäischen Servicegeschäft für Windanlagen an Land auch die Rotorblattproduktion in Portugal und die Patente der Gesellschaft. Der Gläubigerausschuss Senvions hatte dem Teilverkauf zuvor einstimmig zugestimmt. Nach Angaben des Unternehmens werden durch die Übernahme, die noch der üblichen Genehmigungen bedarf, mehr als 2.000 Arbeitsstellen gesichert.

Christian Ruoff

Christian Ruoff

Siemens übernimmt mit dem Kauf rund 60 Prozent der ehemaligen Senvion-Belegschaft. In Deutschland fallen fast 900 der noch verbliebenen rund 1.400 Arbeitsplätze weg. Keine Zukunft haben die Windturbinenfertigung in Bremerhaven sowie das Forschungs- und Entwicklungszentrum in Osnabrück.

Neben Siemens Gamesa gehörten dem Vernehmen nach nur eine weitere Gesellschaft zum Bieterkreis. Eine grundsätzliche Vereinbarung mit Siemens Gamesa war bereits Mitte September getroffen worden. Grund für die weiteren Verzögerungen war, dass beide Seiten länger als erwartet darüber verhandelten, welche Geschäftsbereiche Siemens Gamesa übernimmt. Für einige Geschäftsbereiche, etwa für die Aktivitäten in Indien und das außereuropäische Service-Geschäft, laufen weitere Verhandlungen mit potenziellen Investoren.

Durch die Übernahme einer Serviceflotte mit 8,9 Gigawatt erhöhe sich die von Siemens Gamesa gewartete Turbinenleistung an Land auf insgesamt nahezu 69 Gigawatt, teilte die Siemens-Tochter mit. Siemens Gamesa will die Transaktion in der ersten Hälfte des neuen Geschäftsjahres 2019/20 abschließen. Für diesen Zeitraum plant die Siemens Muttergesellschaft die Abspaltung des eigenen Energiegeschäfts. Die Tochter Siemens Gamesa, an der Siemens 59 Prozent hält, will Siemens in die neue Gesellschaft einbringen. Für den Konzernumbau hatte sich Siemens kürzlich frisches Kapital besorgt.

Senvion hatte im April dieses Jahres nach erfolglosen Investorengesprächen einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Mit einem Massekredit über 100 Millionen Euro von Kreditgebern und Anleihengläubigern ließ sich das Geschäft fortführen. 2017 gelang Senvion die Refinanzierung des Geschäfts unter anderem durch Anleihen im Wert von 400 Millionen Euro. Verantwortlich für die Emission war der amerikanische Hedge-Fonds Centerbridge, der das deutsche Geschäft 2015 vom indischen Windturbinenherstellers Suzlon übernommen hatte. 

Berater Siemens Gamesa
Freshfields Bruckhaus Deringer (Hamburg): Dr. Lars Westpfahl (Federführung; Finanzrecht), Dr. Christian Ruoff, Ayk Meretzki (beide Steuerrecht), Dr. Michael Haidinger, Mirko Masek (beide Gesellschaftsrecht), Dr. Boris Dzida (Arbeitsrecht), Dr. Niko Schultz-Süchting (Immobilienrecht), Tone Oeyen, Dr. Frank Montag (beide Kartellrecht; beide Brüssel); Associates: Dr. Jan-Philip Wilde (Finanzrecht), Dr. Felix Scheder-Bieschin, Dr. Johannes Kater (Berlin; beide Gesellschaftsrecht), Dr. Anne-Kathrin Bertke, Dr. Thomas Granetzny (Düsseldorf; beide Arbeitsrecht), Dr. Jacob Fontaine, Vasco Ollero, Friedrich von der Heydt-von Kalckreuth, Dr. Robert Müller, Friederike Sibbe, Xinyi Qiu, Dr. Nicholas Lütgerath (Berlin), Christoph Becherer, Laura Frühauf (beide Berlin), Cyril Courbon (Paris; alle Gesellschaftsrecht), Dr. Tom Dittmar (Finanzrecht), Björn Junior, Dr. Florian Oppel (beide Düsseldorf), Anna Binder (Wien), Jochen Claussen (alle Steuerrecht), Enrica Schaefer, Anatole Hutin (beide Brüssel), Marie-Theres Urban (Berlin; alle Kartellrecht), Ryan Oodun (Arbeitsrecht; Paris), Dr. Dorothea Ludwig (Immobilienrecht)
Deloitte (München): Marcus Roth, Fernando Aranda (Madrid; beide M&A Tax)
Inhouse Recht (Zamudio): Dr. Jürgen Bartl, Javier Cabezudo Pueyo – aus dem Markt bekannt

Johann Wagner

Johann Wagner

Berater Senvion
Gleiss Lutz (Hamburg): Dr. Patrick Mossler, Dr. Ralf Morshäuser (München; beide Gesellschaftsrecht/M&A), Dr. Johann Wagner (Steuerrecht), Dr. Andreas Spahlinger (Restrukturierung; Stuttgart; alle Federführung), Dr. Matthias Tresselt (Restrukturierung; Stuttgart), Dr. Tim Weber (Immobilienrecht; Frankfurt), Dr. Moritz Holm-Hadulla (Kartellrecht; Stuttgart), Dr. Stefan Mayer (Steuerrecht), Dr. Helge Kortz (Finanzrecht; beide Frankfurt), Jan Mohr (Gesellschaftsrecht/M&A), Dr. Matthias Werner (Gewerblicher Rechtsschutz; München); Associates: Dr. Daniel Heck, Alina Nowosjolowa, Mathias Knecht, Kevin Löffler (Frankfurt), Christopher Köth, Melina Grauschopf (beide München; alle Gesellschaftsrecht/M&A), Dr. Philip Niemann, Leonhard Kornwachs (Frankfurt; beide Steuerrecht), Friedrich Schlott (Restrukturierung; Stuttgart), Dr. Dominik Braun, Andreas Schüssel (beide Kartellrecht; Stuttgart), Dr. Thomas Kulzer (Finanzrecht; Frankfurt)
Görg (Hamburg): Dr. Thorsten Bieg, Dr. Karl-Friedrich Curtze, Johannes Bitter-Suermann, Dr. Christian Bärenz, Dr. Christian Wolf (beide Köln; alle Restrukturierung), Marc Odebrecht, Oliver Dankert, Prof. Dr. Gerrit Hölzle (Bremen), Sascha Feies (Berlin; alle Insolvenzrecht), Burkhard Fabritius, Dr. Axel Dahms (Berlin), Peter Stoffersen (Steuern); Associates: Karin Böckmann (alle Arbeitsrecht), Tilmann Jung (Steuern)
Kirkland & Ellis (München): Wolfgang Nardi (Federführung), Dr. Alexander Längsfeld, Fritz Ludwig (alle Finanzrecht)
Inhouse Recht (Hamburg): Dr. Mathias Schröder – aus dem Markt bekannt

Berater Senvion-Vorstand (Yves Rannou und David Hardy)
DLA Piper (Hamburg): Dr. Benjamin Parameswaran (Federführung; Gesellschaftsrecht/M&A), Mike Danielewsky (Frankfurt), Florian Bruder (München; beide Restrukturierung), Jeremey Scemama (Paris), Jakub Marcinkowski (Warschau), Nuno Neves (Lissabon) Wolf Kühne, Daniel Ladeur (beide Mailand), Cristina Villafrade (alle Gesellschaftsrecht/M&A); Associates: Dr. Philipp Clemens, Anne Laredo, Yasmine Djerrari (beide Paris), Nuno Branco (Lissabon; alle Gesellschaftsrecht/M&A)

Berater Banken (unter anderem BayernLB, BNP Paribas, Euler Hermes, Deutsche Bank und JPMorgan Chase)
Clifford Chance (Frankfurt): Dr. Stefan Sax (Federführung; Restrukturierung), Dr. Bettina Steinhauer, Florian Mahler (Düsseldorf; beide Finanzrecht), John MacLennan (Restrukturierung), James Butters (Finanzrecht), Michael Dakin (Kapitalmarktrecht; alle London), Dr. Cristina Weidner, Harald Amer (München), Diana Schulte-Stiefermann (alle Restrukturierung), Dr. Melchior Raiser (München), Anne Crayen, Bahar Rahimyar, Pamela Horn (beide Düsseldorf), Matthias Kammermann (alle Finanzrecht)

Berater Centerbridge
Latham & Watkins: Oliver Felsenstein (Private Equity; Frankfurt), Dr. Frank Grell (Restrukturierung; Hamburg), Dr. Alexander Lentz (Kapitalmarktrecht; Frankfurt); Associate: Dr. Daniel Splittgerber (Restrukturierung; Hamburg)

Roderic Pagel

Roderic Pagel

Berater Bondholder
Sidley Austin (München): Kolja von Bismarck (Federführung; Restrukturierung), Dr. Roderic Pagel, Jörg Fischer (beide Steuern), Dr. Björn Holland (Gesellschaftsrecht), Maximilian Mayer (Finanzrecht), Dr. Patrick Schulz, Andreas Steiger, Dominik Weickert (alle Restrukturierung), Jennifer Geng (Gesellschaftsrecht) – aus dem Markt bekannt

Berater Lieferanten
Achsnick Pape Opp (Köln): Dr. Jan Achsnick (Insolvenzrecht) – aus dem Markt bekannt

Berater Kunden
Luther (Hamburg): Dr. Marcus Backes (Insolvenzrecht) – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Siemens Gamesa mandatierte das Freshfields-Team um Partner Westpfahl bereits kurz nach der Insolvenz des Windanlagenherstellers. Einblicke in die Siemens-Tochter gewährte der Kanzlei im Vorjahr die Arbeit auf Seiten eines Bankenkonsortiums, das Siemens Gamesa zu einer milliardenschweren Kreditlinie verhalf. Neben Frehsfields, die auch steurrechtlich berieten, setzte Siemens Gamesa auf ein Deloitte-Team, das die Steuer-Due-Diligence erarbeitete.

Am Verhandlungstisch saß Freshfields auf der Seite von Senvion insbesondere Gleiss gegenüber. Das Team um die Partner Mossler, Morshäuser, Wagner und Spahlinger war im April ins Mandat gekommen, um den Transaktionsprozess vorzubereiten. Bereits zuvor hatte insbesondere Görg die Gesellschaft beraten: Die Partner Bieg und Hölzle traten in die Geschäftsführung ein, nachdem der Insolvenzantrag vom Hamburger Amtsgericht stattgegeben und Dr. Christoph Morgen von Brinkmann & Partner zum Sachwalter bestellt worden war. Das Gleiss-Team arbeitete an der Umsetzung der beiden Insolvenzpläne von Görg – der zum Komplettverkauf der Gesellschaft war allerdings früh gescheitert. Am Insolvenzplan zum Carve-out der Unternehmensteile arbeiten die Parteien nun seitdem der Gläubigerausschuss diesen genehmigt hat.

Im Gläubigerausschuss saßen neben Morgen, Bieg und Hölzle unter anderem auch der Vertreter Anleihegläubiger, Sidley-Partner von Bismarck, sowie der Vertreter der Lieferanten Achsnick und der Vertreter der Kunden Backes.

Ebenfalls für Senvion war ein Finanzierungsteam von Kirkland vor allem damit beschäftigt, in Verhandlungen mit den Banken Sicherheiten abzulösen. Die Mandatierung des Teams um die Partner Nardi und Lucas schloss an deren vorangegangene Arbeit für Senvion an. Bereits 2017 begleiteten die beiden Partner den Windanalgenhersteller bei seiner Refinanzierung. Noch im April dieses Jahres waren Restrukturierungsexperten der US-Kanzlei, wie etwa Partner Leo Plank, für Senvion tätig.

Am aktuellen Verkauf war der Mehrheitseigentümer Centerbridge nicht direkt beteiligt, ließ sich aber dennoch zu den Vorgängen beraten. Bereits im April als Senvion in die Eigenverwaltung ging, beriet Latham den Mehrheitseigner. Davor hatte Centerbridge noch auf andere Berater gesetzt, darunter auch Weil Gotshal & Manges, die den Fonds beim Senvion-Kauf von Suzlon berieten. Seinerzeit setzte Senvion auf DLA Piper, die auch hier wieder zum Zug kamen. Der Hamburger Partner Parameswaran beriet dem Vernehmen nach zu einem Garantienkatalog. Ebenfalls mandatiert waren nach JUVE-Informationen weitere europäische DLA-Büros, die von Hamburg aus zum Verkauf der europäischen Tochtergesellschaften hinzugezogen wurden. 

Die Beurkundung der Transaktion verantwortete der Hamburger Notar Dr. Till Kleinstück aus dem Notariat Dr. Till Kleinstück und Dr. Marcus Reski. Insgesamt nahm die Beurkundung rund 30 Stunden reine Lesezeit in Anspruch. (Dennis Koch, Martin Ströder; mit Material von dpa)

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