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11.02.2020

Wertvolle Software: EY-Mandantin P&I geht mit Latham wieder mehrheitlich an HgCapital

Die Wiesbadener Softwarefirma P&I wechselt den Eigentümer. Die britische Beteiligungsgesellschaft Permira verkauft die Mehrheit ihrer Anteile an dem hessischen Unternehmen an den Investor HgCapital. Die Personal & Informatik AG (P&I) werde mit einem Unternehmenswert von 2 Milliarden Euro bewertet, teilten die Firmen mit. Permira bleibe mit einem „substanziellen Minderheitsanteil“ an P&I beteiligt. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt.

Stefan Süß

Stefan Süß

P&I bietet Firmen und Behörden vor allem in Deutschland, Österreich und der Schweiz cloud-basierte Software für das Personalwesen an. Das Wiesbadener Unternehmen mit zuletzt 430 Mitarbeitern hilft Kunden etwa bei der Erstellung von Lohnabrechnungen – ein Feld, das wegen des Datenschutzes und staatlicher Vorgaben stark reguliert ist. P&I hat nach eigenen Angaben mehr als 15.000 Kunden und erzielte im Geschäftsjahr 2018/2019 einen Umsatz von fast 133 Millionen Euro.

Für Permira ist der Verkauf an den auf Software-Investments spezialisierten Fonds Hg der nächste große Deal. Erst im September vergangenen Jahres hatte die Investorin die schwäbische Softwarefirma TeamViewer an die Börse gebracht – mit einem Volumen von rund zwei Milliarden Euro war es der größte Tech-Börsengang seit dem Dotcom-Boom zur Jahrtausendwende. Auch P&I ist für Permira ein gutes Geschäft: Beim Einstieg des Finanzinvestors 2016 war die Wiesbadener Softwarefirma mit rund 800 Millionen Euro bewertet, hieß es aus Finanzkreisen. Man bleibe an P&I beteiligt, da es „enormes Wachstumspotenzial“ gebe, sagte Permira-Partner Jörg Rockhäuser.

HgCapital, die rund 12 Milliarden Dollar verwaltet, ist mit dem Unternehmen P&I bestens vertraut: Erst vor drei Jahren hatte man sich von den Mehrheitsanteilen getrennt und stockt die Beteiligung mit dem zusätzlichen Investment nun wieder auf. Die Akquisition erfolgt über den Anfang 2018 aufgelegten Hg Saturn 1 Fonds. Dieser ist auf Softwarefirmen spezialisiert, die einen Unternehmenswert von mehr als einer Milliarde britischer Pfund in die Waagschale legen können.

Berater HgCapital
Latham & Watkins (Frankfurt): Oliver Felsenstein (Federführung; Private Equity), Stefan Süß (Steuerrecht), Anne Kleffmann (Arbeitsrecht), Dr. Max Hauser (Kartellrecht), Les Carnegie (Litigation; Washington), Susanne Decker (Private Equity), Joachim Grittmann (Datenschutz), Dr. Jana Dammann (Kartellrecht), Panu Siemer (Real Estate; Hamburg), Rachel Alpert (Litigation; Washington); Associates: Dr. Maximilian Platzer, Eileen Siemer, Dr. Sönke Bock, Ku-Hyun Baek (alle Private Equity), Dr. Kristina Steckermeier (Arbeitsrecht), Dr. Wolf-Tassilo Böhm, Dr. Tarik Arabi (beide Datenschutz), Panu Siemer (Immobilienrecht), Martina Eisgruber (Bank- und Finanzrecht), Anne Haas (Kartellrecht), Max Mazzelli (Litigation; San Francisco)
Lubberger Lehment (Hamburg): Benjamin Koch; Associate: Philipp Engert (beide IP)
Bär & Karrer (Zürich): Dr. Christoph Neeracher (Private Equity), Philippe Seiler; Associates: Beda Kaufmann, Yves Suter (alle Corporate/M&A)
Deloitte (Steuern) − aus dem Markt bekannt
Inhouse Recht (London): Andrew Jessop (General Counsel) − aus dem Markt bekannt

Thorsten Krummheuer

Thorsten Krummheuer

Berater Permira
Ernst & Young (Eschborn): Thorsten Krummheuer, Steffen Höhl, Felix Gebhard (alle Steuern)
Freshfields Bruckhaus Deringer (Frankfurt): Dr. Markus Paul (Federführung; Private Equity), Alex Mitchell (London), Dr. Michael Josenhans (beide Finanzierung), Dr. Frank Röhling (Kartellrecht); Associates: Dr. Olga Stürmer, Dr. Carsten Haak, Dr. Florian Sippel, Dr. Anna Dominke (alle Corporate/M&A), Richard Daniels, Julie Chan (beide London), Alexander Pospisil (alle Finanzierung), Alexander Sekunde (Kartellrecht)
Inhouse Recht (Frankfurt): Ulrich Gasse (General Counsel) − aus dem Markt bekannt

Berater Management P&I Personal & Informatik
P+P Pöllath + Partners (München): Dr. Tim Kaufhold (Federführung; M&A), Dr. Nico Fischer (Steuerrecht); Associate: Matthias Oberbauer (M&A)

Nico Fischer

Nico Fischer

Hintergrund: Ein Team um Partner Felsenstein hatte Hg bereits 2013 beraten, als sie sich im Zuge eines Anteilserwerbs und einer öffentlichen Übernahme erstmals an P&I beteiligte. Damals arbeitete Felsenstein noch bei Clifford Chance. Für diese Transaktion seiner langjährigen Mandantin zog er noch die IP-Boutique Lubberger Lehment und die Schweizer Großkanzlei Bär & Karrer hinzu.

Lathams Steuerpartner Süß hat die Strukturierung der Private-Equity-Transaktion unterstützt. Auf Käuferseite war dem Vernehmen nach zudem noch Deloitte für Tax-Themen eingebunden.

Auch Permira setzte auf vertraute Berater: Freshfields-Partner Paul hatte die Londoner Private-Equity-Gesellschaft 2019 mit einem Kapitalmarktteam auch beim Börsengang von Teamviewer unterstützt und war schon 2016 in der Federführung, als Permira über mehrere Fondsbeteiligungen bei der Wiesbadener Softwarefirma einstieg. Damals lag der Kaufpreis Medienberichten zufolge bei rund 850 Millionen Euro.

Für die steuerliche Strukturierung der Veräußerung sowie der Rückbeteiligung setzte Permira auf ein Team um den Eschborner EY-Partner Krummheuer.

Die Mandatsbeziehung zwischen Pöllath und dem Management des Unternehmens hat sich über die Jahre ebenfalls gefestigt. Transaktionspartner Kaufhold, der Anfang 2019 in die Equity-Partnerschaft der Kanzlei aufgenommen wurde, ist regelmäßig mit Private-Equity-Transaktionen und Managementbeteiligungen befasst.

Beurkundet wurde die Transaktion nach JUVE-Informationen von Dr. Sabine Funke aus der Frankfurter Partnerschaft FM-Notare. (Sonja Behrens, Daniel Lehmann; mit Material von dpa)

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