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18.06.2020

Corona-Impfstoff: Bund kauft sich mit PwC bei CureVac ein

Im globalen Rennen um einen Corona-Impfstoff steigt der Bund beim deutschen Biotech-Anbieter CureVac ein und will ihn so auch gegen eine mögliche Übernahme aus dem Ausland absichern. Wie Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sagte, übernimmt die staatliche Förderbank KfW für 300 Millionen Euro rund 23 Prozent der Anteile. Ziel des Schrittes sei, dem Unternehmen von Mehrheitseigner Dietmar Hopp finanzielle Sicherheit zu geben. Auf Geschäftsentscheidungen wolle der Staat keinen Einfluss nehmen. Die Firma mit Sitz in Tübingen forscht seit Januar an einem Impfstoff.

Altmaier sagte, die Beteiligung sei zugleich industriepolitisch von hoher Bedeutung. Wichtige Forschungsergebnisse und Technologien würden in Deutschland und Europa gebraucht. Hintergrund sei auch das Ziel der Bundesregierung, bei der Herstellung von Wirkstoffen und in der Impfstoffproduktion mehr Unabhängigkeit zu erreichen.

Bei dem Einstieg war nach Regierungsangaben Eile geboten. „Der beabsichtigte Erwerb einer Bundesbeteiligung an CureVac soll sicherstellen, dass das Unternehmen nicht durch einen ausländischen Investor übernommen wird und ins Ausland abwandert“, heißt es in einer Mitteilung des Finanzministeriums an den Bundestag. Es sei „von besonderem Bundesinteresse, eine Grundversorgung der Bevölkerung in Deutschland mit dem Impfstoff sicherzustellen“, heißt es in dem Schreiben. CureVac beabsichtige Mitte Juli einen Börsengang in New York. Die Entscheidung zum Bundeseinstieg sei wegen kapitalmarktrechtlicher Vorgaben „höchst eilbedürftig“ gewesen.

Dietmar Hopp, Mitgründer des Softwarekonzerns SAP, hält bisher über eine Beteiligungsgesellschaft rund 80 Prozent der Anteile an CureVac. Für den Staatseinstieg verkauft er keine Anteile, dieser soll über eine Kapitalerhöhung laufen.

Weltweit ist ein Wettlauf entstanden, wer den ersten Impfstoff gegen das Coronavirus entwickelt. Wann es so weit ist, ist ungewiss. Auf CureVac ruhten bereits die Hoffnungen, bevor sich das Coronavirus in Deutschland ausbreitete. Ende Januar erteilte die internationale Impfstoffkooperation CEPI dem Unternehmen eine Förderzusage von 8,3 Millionen US-Dollar (rund 7,5 Millionen Euro).

Die Arbeit von CureVac sprach sich herum. Anfang März lud US-Präsident Donald Trump den damaligen CureVac-Chef, Dan Menichella, und weitere Pharmavertreter ins Weiße Haus, um sich über die Impfstoffsuche zu informieren. Kurz darauf gab es Wirbel um die Tübinger Firma. Medienberichten zufolge versuchte Trump, den Impfstoff exklusiv für sein Land zu sichern und bot der Firma dafür einen hohen Betrag. Die Empörung war groß.

Hauptanteilseigner Hopp hatte einen Verkauf des Unternehmens und eine Exklusivproduktion vehement abgelehnt. Das Unternehmen hatte ein Angebot Trumps dementiert und Spekulationen über den Verkauf zurückgewiesen. Altmaier will das Investment nun auch als Signal für den Standort Deutschland verstanden wissen.

Um bestimmte Präparate ‚Made in Germany‘ besser vor Übernahmen ausländischer Investoren zu schützen, hatte die Bundesregierung Ende Mai auch eine schärfere Außenwirtschaftsverordnung beschlossen. Demnach greift künftig eine Meldepflicht, wenn Firmen aus Ländern außerhalb der Europäischen Union Anteile von mehr als 10 Prozent an deutschen Firmen erwerben wollen, die Impfstoffe, Arzneimittel oder persönliche Corona-Schutzausrüstung entwickeln oder herstellen.

Berater Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
PwC: Jürgen Scheidsteger (Steuern; Frankfurt), Bernd Papenstein (Advisory; Düsseldorf); Associates: Thomas Söhner (Steuern; Frankfurt); Marcel Eilrich (Advisory; Düsseldorf)
PwC Legal: Dr. Steffen Schniepp (Stuttgart), Moritz Gröning (Berlin; beide Federführung), Gerhard Wacker (Nürnberg), Dirk Krome (Stuttgart; alle Corporate/M&A), Dr. Tobias von Tucher (IP/IT; München), Dr. Georg Queisner (Vergaberecht; Berlin); Associates: Alexander Schmidt, Helena Schoch (beide Stuttgart; beide Corporate/M&A), Jutta Dillschneider (Mannheim), Denise Bartels (Düsseldorf), Stefanie Lisson (Saarbrücken; alle Regulierung/Medizinrecht), Charlotte Schaber, Janina Thieme, Beate Schindlbeck (alle IP/IT; alle München), Hubertus Kleene, Alexander Aumüller (Kartellrecht; Hannover)

Berater KfW
Inhouse (Frankfurt): Dr. Christian Seitz, Dr. Nils Reichhelm (Projektleitung); Sven Kurzawe, Dr. Elina Pradkhan (Vorstandsstab), Julia Klingen (Federführung Recht) – aus dem Markt bekannt
Linklaters (Frankfurt): Ulrich Wolff, Stephan Oppenhoff (beide Corporate/M&A), Dr. Marco Carbonare (Kapitalmarktrecht), Christoph Barth (Kartellrecht; Düsseldorf); Associates: Nikita Selivanov, Sandra Kontny (beide Corporate/M&A) – aus dem Markt bekannt

Berater CureVac
Rittershaus (Mannheim): Dr. Christina Eschenfelder, Dr. Moritz Weber (beide Corporate/M&A), Dr. Anno Haberer (Kartellrecht) – aus dem Markt bekannt.

Hintergrund: Die Advisory-Sparte von PwC berät den Bund und das Bundeswirtschaftsministerium seit Langem bei strategischen Fragen und Investments. Bei diesem Projekt haben sich PwC und PwC Legal gemeinsam bei einem Pitch durchgesetzt. Für die Arbeit während der Corona-Krise hat die KfW zum großen Teil Clifford Chance und Linklaters bei Krediten und Beihilferecht mandatiert. Die Due Diligence hatte PwC übernommen.

Zwischen Rittershaus und CureVac – beziehungsweise der Beteiligungsgesellschaft von Dietmar Hopp – besteht eine langjährige Beziehung. Ritterhaus hat zum Beispiel in Dezember 2019 das Unternehmen beim Einstieg des börsennotierten dänischen Biotechnologieunternehmens Genmab mit einem Investment von 20 Millionen Euro beraten und begleitete auch früher schon Finanzierungsrunden. Genmab setzte damals auf Simmons & Simmons. (Aled Griffiths; mit Material von dpa)

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