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02.09.2020

Grünes Licht: IDnow kauft mit SMP Kommunikationstochter von Wirecard

Der Abverkauf bei der insolventen Wirecard-Gruppe geht weiter: Die Leipziger Tochter Wirecard Communication Services geht an das Münchner Fintech IDnow. Die beiden Unternehmen hatten zuvor schon zusammengearbeitet.

Malte Bergmann

Malte Bergmann

Wirecard Communication Services bietet telefonischen Kundensupport für die Wirecard-Gruppe sowie für externe Kunden, vor allem aus der Finanzbranche. Der Dienstleister war Mitte Juli im Zuge des Skandals um den Münchner Dax-Konzern in Schwierigkeiten geraten und hatte Insolvenz angemeldet.

Im Rahmen einer sanierenden Übertragung wird nun der Standort in Leipzig sowie insgesamt 120 der zuletzt 150 Beschäftigen an IDnow übergehen. Das Münchner Jungunternehmen, an dem sich der Private-Equity-Investor Corsair Capital im vergangenen Jahr mit 40 Millionen Dollar beteiligte, ist auf digitale Verifikationsprozesse von  Kundenidentitäten spezialisiert. Mithilfe von spezieller Videotechnologie prüft es Sicherheitsmerkmale in Ausweisen.

Auch zu anderen Teilen des Wirecard-Konzerns laufen derzeit Verhandlungen, darunter zur Wirecard Bank. Das Amtsgericht München hatte vergangene Woche das Insolvenzverfahren über das Vermögen der börsennotierten Muttergesellschaft eröffnet und Dr. Michael Jaffé als Insolvenzverwalter bestätigt. Dieser wiederum hat schon die Töchter Wirecard Brazil veräußert und Verhandlungen zum Verkauf der Nordamerika-Gesellschaft aufgenommen.

Berater IDnow
Schnittker Möllmann Partners (Berlin): Dr. Benjamin Ullrich (Co-Federführung; Venture Capital), Dr. Malte Bergmann (Steuerrecht; Hamburg), Matthias Enge; Associates: Matthias Kresser (Co-Federführung; beide Restrukturierung), Ann-Kristin Lochmann (Steuerrecht; Hamburg)
Inhouse Recht (München): Melanie Jungbluth (General Counsel)
Pusch Wahlig Workplace Law (Berlin): Thomas Wahlig, Dr. Eva Trost (Düsseldorf; beide Arbeitsrecht)

Nils Freudenberg

Nils Freudenberg

Insolvenzverwalter Wirecard Communication Services
Tiefenbacher (Leipzig): Dr. Nils Freudenberg (Insolvenzverwalter)
Kulitzscher & Ettelt (Dresden): Stefan Ettelt (Federführung), Ines Adam, Stefanie Blümke (alle Insolvenzrecht)

Hintergrund: Schnittker Möllmann hatte IDNow bereits bei Finanzierungsrunden sowie bei der Beteiligung von Corsair unterstützt. Die Federführung in der aktuellen Transaktion teilte sich SMP-Partner Benjamin Ullrich mit Senior Associate Matthias Kresser, der zum Juli von Freshfields Bruckhaus Deringer zu Schnittker Möllmann gewechselt war und Erfahrungen mit Transaktionen im insolvenzrechtlichen Bereich mitbrachte.

Die steuerlichen Aspekte in der Transaktion hingegen klärte SMP-Partner Malte Bergmann mit Senior Associate Ann-Kristin Lochmann, die neun Jahre als Senior Manager im Transaktionssteuer-Team von PwC gearbeitet hatte, bevor sie im Februar zu dem Hamburger Kanzleiteam stieß.

Die Arbeitsrechtskanzlei Pusch Wahlig arbeitet häufig bei Deals mit Schnittker Möllmann zusammen, da sie die Gründungsriege zum Teil schon aus deren Zeiten bei Flick Gocke Schaumburg kennt. Ebenso langjährig ist die Mandatsbeziehung zu IDnow-General Counsel Melanie Jungbluth, die 2018 von dem Analystenhaus Gartner zu IDnow wechselte. Namenspartner Thomas Wahlig stellte dann auch den Kontakt zwischen Jungbluth und Schnittker Möllmann her.

Nils Freudenberg von der Tiefenbacher Insolvenzverwaltung war im Juli zum vorläufigen Insolvenzverwalter der Wirecard-Tochter bestellt worden. Den Investorenprozess hatte er dann über die M&A-Gesellschaft ABG Consulting-Partner angeschoben. Die Transaktion, die komplett virtuell verhandelt wurde, stand unter Zeitdruck, da die Löhne der Callcenter-Mitarbeiter nur bis Ende August durch das Insolvenzgeld der Agentur für Arbeit gesichert waren. Die Regionalkanzlei Kulitzscher & Ettelt unterstützte Freudenberg bei der Erstellung des Asset Deals und den Vertragsverhandlungen. Partner Ettelt hatte Wirecard Communication zuvor im gerichtlichen Sanierungsverfahren begleitet. (Sonja Behrens)

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