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09.12.2020

Sachsen Energie: Noerr, Mazars und Deloitte beraten Stadtwerke-Fusion

Die regionalen Versorgungsunternehmen Energie Sachsen Ost (Enso) und Dresdner Stadtwerke (Drewag) fusionieren zur Sachsen Energie. Damit entsteht zum neuen Jahr der viertgrößte kommunale Versorger Deutschlands und der größte in Ostdeutschland. Mehr als hundert Gesellschafter und das Finanzamt prüften das Fusionsvorhaben.

Jens Gehlich

Jens Gehlich

Das neue Unternehmen kommt insgesamt auf 3.300 Mitarbeiter und einen angestrebten jährlichen Umsatz von rund 2,8‎ Milliarden Euro. Die Dresdner Stadtwerke Drewag sind derzeit für die Versorgung mit Strom, Wärme und Wasser im Stadtgebiet zuständig. Die Enso übernimmt diese Aufgabe als regionaler Versorger für Ostsachsen. Die Aktionäre der neuen Sachsen Energie AG sind dann 169 sächsische Kommunen. Hauptanteilseigner wird die Stadt Dresden mit mehr als 82 Prozent.

Ein langer Anlauf
Von der Fusion ist bereits seit Jahren die Rede. Doch erst in den vergangenen sechs Monaten wurden dann auch rechtliche Schritte eingeleitet, um den Zusammenschluss von Drewag und Enso in trockene Tücher zu bringen.
Nachdem am 10. November zunächst der Dresdner Stadtrat den Fusionsplänen zugestimmt hatte, gab Ende November auch der zweitgrößte Anteilseigner, die Kommunale Beteiligungsgesellschaft der Ostsächsischen Kommunen der Sachsen Ost (KBO), in ihrer Gesellschafterversammlung grünes Licht für den Zusammenschluss. Der KBO gehören 147 Gesellschafter und fünf Treugeber an, sie wird an der Sachsen Energie 16,3 Prozent halten. Hinzu kommen 16 kommunale Einzelaktionäre mit insgesamt 1,4 Prozent.

Vorrunde beim Finanzamt
Ein entscheidender Schritt war die verbindliche Auskunft des Finanzamts Dresden Süd, die in dieser Woche erfolgte und die den Transaktionspartnern steuerrechtliche Klarheit gab. Die notarielle Beurkundung der Transaktion sowie die Beschlüsse der Hauptversammlungen von Drewag und Enso, die Mitte Dezember erfolgen, sind dagegen eher reine Formalitäten, die noch anstehen.
Bislang war die Stadt Dresden bereits Hauptanteilseigner der Technischen Werke Dresden (TWD) und damit der Drewag als städtischem Anbieter für Strom, Wasser und Fernwärme. Seit 2010 hält die Landeshauptstadt zusätzlich die Hauptanteile an dem Regionalversorger Enso. Die KBO hält daran allerdings bislang auch 25,49 Prozent, ihr Ergebnis wurde bisher maßgeblich von den Beteiligungserträgen aus der Dividende von Enso bestimmt.
Insgesamt dürfte die neue Sachsen Energie, gemessen am Ergebnis der Fusionspartner vor Steuern und Zinsen von zuletzt 214 Millionen Euro, Platz vier unter den 800 konzernunabhängigen Kommunalversorgern einnehmen. Davor liegen nur die Stadtwerke München, EWE aus Oldenburg und die Mannheimer MVV Energie.

Michaela Engel

Michaela Engel

Berater Drewag und Enso
Noerr (Dresden): Jens Gehlich (Federführung; Corporate/Steuerrecht), Marlies Raschke (Corporate), Dr. Martin Haisch (Frankfurt), Dr. Michaela Engel (München; beide Steuerrecht), Dr. Fabian Badtke (Kartellrecht; Frankfurt), Robert Matthes (Öffentliches Wirtschaftsrecht); Associates: Dr. Uwe Brendler, Eike Hofmann, Felix Winkler (alle Corporate), Dr. Jan Hoffmann Linhard (Aktienrecht; Hamburg), Peter Scheuch, Anja Böhme (beide Steuerrecht), Dr. Sascha Giller, Dr. Lorenz Jarass (beide Kartellrecht; Frankfurt), Yvonne Dietzel (Arbeitsrecht)
Inhouse (Dresden): Matthias Baumhauer (General Counsel), Claudia Bach (beide Rechtsabteilung), Berthold Schuster (Abteilungsleiter M&A/Strategisches Controlling)
Flick Gocke Schaumburg (Bonn): Dr. Michael Erkens (Federführung), Dr. Ingo Fuchs (beide Corporate), Dr. Oliver Hötzel; Associate: Dr. Karl Broemel (beide Steuerrecht)

Berater Stadt Dresden
Aderhold (Dortmund): Prof. Dr. Lutz Aderhold, Dr. Gunther Lehleiter (beide Federführung), Dr. Christian Hoppe, Till Vosberg (Leipzig; alle Corporate)

Andrea Bilitewski

Andrea Bilitewski

Berater KBO
Deloitte (Hamburg): Andrea Bilitewski (Steuern/Tax Due Diligence)
Mazars (Dresden): Jan Kochta (Federführung), Dr. Christian Ziche (beide Corporate/Öffentliches Recht), Dr. Hans-Martin Dittmann, Philipp Hermisson (beide Berlin), Dr. Hans-Christoph Thomale (Frankfurt; alle Energierecht), Hannes Göthel (Corporate), Dr. Jan Funcke (Immobilienrecht), Marion Plesch (Arbeitsrecht; alle drei Berlin); Associates: Janette Köhler, Nihan Akpinar, Annabelle Bohn, Linda Engelbrecht, Anne-Theres Dahlenburg (alle Corporate), Christoph von Loeper, Anastasija Hertel-Snisar, David Pamer (alle Immobilienrecht), Gudrun Egenolf (Arbeitsrecht), Almut Vogel (IP; alle fünf Berlin), Tarek Abdelghany (Frankfurt), Maria Grosch, Denis Bogaczyk (alle Energierecht), Olaf Letzner (alle drei Berlin), Steffen Blumert, Michael Rosenfeld (Leipzig; beide Öffentliches Recht), Theresa Klemm (Verwaltungsrecht/Vergaberecht; Berlin)

Christian Ziche

Christian Ziche

Hintergrund: Die Beraterkonstellation weist einige Besonderheiten auf. So hatte Noerr zwar vor rund 20 Jahren die Drewag bei ihrer Gründung beraten, war danach indes kaum noch für das Energieunternehmen tätig. Anlässlich der Großfusion wurde nun der Gesellschafts- und Steuerrechtler und Dresdner Standortleiter Jens Gehlich beauftragt, zwischen den Interessen der beiden Fusionspartner zu vermitteln. Er hat dann mit einem standortübergreifenden Team den Zusammenschluss rechtlich und steuerlich strukturiert.

Zwischenzeitlich involviert war für Drewag/Enso auch Flick Gocke Schaumburg. Insbesondere als am Anfang noch verschiedene Strukturüberlegungen zu treffen waren, hatten verschiedene Fachabteilungen das Team um Corporate-Partner Erkens hinzugeholt, der unter anderem aufgrund seiner Tätigkeit bei der jahrelangen Umstrukturierung von EWE zu den erfahrensten Beratern in diesem Spezialsegment zählt.

Die Stadt Dresden als größter Anteilseigner griff auf die bekannten Aderhold-Partner Lutz Aderhold und Gunther Lehleiter zurück. Die Kanzlei verfügt zwar auch über ein Büro in Leipzig, hier waren es jedoch die Dortmunder Partner, die ins Spiel kamen. Dem Vernehmen nach führt die Mandatsbeziehung auf die westfälische Herkunft des Vorstandsvorsitzenden der Drewag, Dr. Frank Brinkmann, zurück. Brinkmann hatte vor seinem Wechsel nach Dresden die Dortmunder Energiewerke geleitet und Aderhold dem Oberbürgermeister der Stadt Dresden empfohlen.

Dass ein großes Team von Mazars für die Beteiligungsgesellschaft der ostsächsischen Kommunen zum Zuge kam, ist ebenfalls einer besonderen Konstellation geschuldet: Die KBO ist praktisch von ihrer Entstehung an einer der wichtigsten Stammmandanten des erfahrenen Dresdner Partners Ziche. Der 63-Jährige, der knapp 30 Jahre für Luther in Dresden bzw. deren Vorgängerkanzleien tätig war, wechselte erst 2019 zu Mazars.

Die Federführung hier hatte nun jedoch der jüngere Dresdner Partner Kochta inne, nicht zuletzt um die Stabsübergabe zu gewährleisten. Unterstützt wurde Kochta neben Ziche im wesentlichen auch von einem zweiten Mazars-Neuling: vom erfahrenen Energiewirtschaftsrechtler Dittmann, der von PwC Legal kommend ebenfalls erst seit Anfang 2019 unter der Flagge von Mazars segelt.

Die Bewertung der Transaktion war unter anderem wegen des angestrebten internen Ausgleichs der Gewerbesteuerausfälle für die hinter der KBO stehenden Kommunen komplex. Damit befasst war die spezialisierte Essener Wirtschaftsprüfungsgesellschaft IVC Independent Valuation & Consulting.

Das nach IDW S1-Standard von IVC erstellte Gutachten überprüfte für die KBO die Big-Four-Gesellschaft Deloitte. Diese Aufgabe nahm Valuation & Modeling-Partner Andreas Becker wahr, während die Hamburger Partnerin Andrea Bilitewski unter anderem für die Tax Due Diligence und die Prüfung der steuerlichen Auswirkungen verantwortlich zeichnete. Zudem unterstützten beide Partner die KBO bei den Vertragsverhandlungen und bei der Einholung der verbindlichen Auskunft.

Für die Stadt Dresden übernahm nach JUVE-Informationen BBH Becker Büttner Held die Überprüfung der Bewertung, die Kanzlei ist auf kommunale Energieversorger spezialisiert.

Notariell beurkundet werden soll die Fusion Mitte Dezember bei dem alteingesessenen Dresdner Notar Prof. Dr. Heribert Heckschen vom Notariat Heckschen & Van de Loo. (Jörn Poppelbaum)

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