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12.04.2021

Folgen der Niedrigzinsen: Versicherungskammer kauft Ferngas-Gruppe mit Hogan Lovells und PwC

Auf der Suche nach verlässlichen Erträgen kauft Deutschlands größter öffentlicher Versicherer ein Gasnetz. Der den Sparkassen verbundene Konzern Versicherungskammer Bayern meldete kurz vor Ostern den Kauf der Ferngas-Gruppe vom Finanzinvestor First Sentier Investors (FSI). Der Preis beläuft sich auf 720 Millionen Euro. Die kartellrechtliche Genehmigung der Behörden steht noch aus.

Mathias Schönhaus

Mathias Schönhaus

Die Ferngas-Gruppe betreibt ein Gasnetz mit mehr als 3.000 Kilometer Leitungen in Nordbayern, Thüringen und angrenzenden Gebieten. First Sentier, die bis Mitte des vergangenen Jahres noch First State hieß, hatte das Netz Ferngas Nordbayern und Erdgasversorger Thüringen-Sachsen (EVG) im Jahr 2014 von E.on und VNG übernommen. 

An dem regulierten Unternehmen waren dem Vernehmen nach zahlreiche Infrastrukturinvestoren interessiert. Einige der größten unter ihnen waren früh aus dem Rennen. Bekannt ist, dass neben der Versicherungskammer noch der private Versicherer Swiss Life, die US-Investmentbank JP Morgan und der italienische Fernleitungsnetzbetreiber Snam bis zuletzt mitgeboten haben.

Dass mit der Versicherungskammer Bayern ein Unternehmen aus der Versicherungsbranche den Zuschlag erhielt, überrascht wenig. Die Versicherungsbranche leidet ebenso wie Banken seit Jahren unter den Folgen der Negativzinspolitik der Europäischen Zentralbank, die die Renditen der Kapitalanlagen drückt. Viele Versicherungen sind deswegen auf der Suche nach neuen Anlagemöglichkeiten. Regulierte Assets wie Gasleitungen bieten fixe Renditen und Entwicklungsmöglichkeiten.

Die Versicherungskammer will Investitionen der künftigen Tochtergesellschaft fördern, unter anderem in die Wasserstofftechnologie. Ferngas beliefert nach Angaben der Versicherungskammer gut 60 örtliche Energieversorger und große Firmenkunden.

Berater Versicherungskammer Bayern
Hogan Lovells (Frankfurt): Dr. Alexander Rieger (Federführung; Infrastruktur/M&A), Dr. Matthias Schönhaus (Düsseldorf), Gérard Neiens (Luxemburg; beide Steuerrecht); Dr. Stefan Schröder (Regulierung; Düsseldorf), Dr. Carla Luh (Infrastruktur/Finanzierung; Hamburg), Dr. Jörg Herwig, Alexander Koch (Luxemburg; beide Corporate/M&A), Dr. Marc Schweda (Kartellrecht; Hamburg), Prof. Dr. Thomas Dünchheim (Öffentliches Recht/Umweltrecht; Düsseldorf), Pierre Reuter (Bankaufsichtsrecht; Luxemburg), Bernd Klemm (München), Dr. Kerstin Neighbour (beide Arbeitsrecht), Prof. Dr. Fabian Pfuhl (IP), Markus Franken (Immobilienrecht); Associates: Anja Brunthaler (Düsseldorf), Grace Mfuakiadi (Luxemburg; beide Steuern), Johannes Groß, Pascal Wagenführ, Camilla Fröhlich, Alexandra Willm, Konstantin Weber (alle Infrastruktur/M&A), Christian Hermanussen (Infrastruktur/Finanzierung; Hamburg), Benoit Serraf (Corporate/M&A; Luxemburg), Tobias Grossevollmer, Finn Poll-Wolbeck (beide Regulierung; beide Düsseldorf), Dr. Jan-Christoph Rudowicz (Kartellrecht; Hamburg), Dr. Sebastian Gräler, Ines D. Mittermeier (beide Öffentliches Recht/Umweltrecht; beide Düsseldorf), Annika Lind (Immobilienrecht), Dr. Thomas Frank (München), Charlotte Baecker (beide Arbeitsrecht), Anne Schmitt (IP), Simon Recher (Bankaufsichtsrecht)
PricewaterhouseCoopers (Düsseldorf): Christian Tempich, Matthias Lindner, Lisa Schäfer (alle Steuern)

Florian Ropohl

Florian Ropohl

Berater First Sentier Investors (FSI)
Ernst & Young (Hamburg): Dr. Florian Ropohl (Federführung); Associates: Lukas Göckeritz, Kai Dittmer, Fabian Schröder (alle Steuern)
Latham & Watkins (Düsseldorf): Dr. Tobias Larisch (Federführung; Corporate/M&A), Dr. Ulf Kieker (Steuerrecht; München), Conrad Andersen, Rebecca Crowley (beide Finanzierung; beide London), Anne Kleffmann (Arbeitsrecht; München), Otto von Gruben (Immobilienrecht), Dr. Jana Dammann (Kartellrecht; beide Hamburg), Dr. Susan Kempe-Müller (Corporate/IP), Joachim Grittmann (Regulierung; beide Frankfurt); Associates: Dr. Stephan Hufnagel (Co-Federführung; München), Jörg Ruff, Jaschar Mirkhani, Katharina Intfeld, Florian Feistle, Felix Gasten (alle Corporate/M&A), Alexander Wilhelm (Regulierung; Frankfurt), Dr. Kristina Steckermeier (Arbeitsrecht; München), Dr. Maximilian Berenbrok (Immobilienrecht), Dr. Stefan Bartz (Compliance; beide Hamburg), Pia Sösemann (Corporate/IP; Frankfurt)

Berater Swiss Life
White & Case (Düsseldorf): Thomas Burmeister (Regulierung/M&A), Dr. Jörg Kraffel (Berlin; beide Federführung), Dr. Carsten Rodemann (beide Corporate/M&A) – aus dem Markt bekannt

Berater JP Morgan
Herbert Smith Freehills (Düsseldorf): Dr. Christoph Nawroth (Corporate/M&A) – aus dem Markt bekannt

Berater Snam
PricewaterhouseCoopers (Düsseldorf): Oliver Dörfler; Associate: Martin Ratzke (beide M&A Tax)
Orrick Herrington & Sutcliffe (Düsseldorf): Dr. Oliver Duys (Corporate/M&A) – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Die Mandatsbeziehung zwischen Ernst & Young und FSI besteht schon länger. Das Team um Steuerpartner Ropohl hatte den Investor bereits in den Jahren 2013 und 2014 beim Einstieg in die Ferngas-Gruppe beraten und zwischenzeitlich bei mehreren Restrukturierungen und Refinanzierungen unterstützt. Ropohl ist zudem auch in anderen Zusammenhängen regelmäßig für den Investor aktiv, beriet ihn etwa im vergangenen Jahr beim Einstieg in das Mannheimer Energieunternehmen MVV. Damals firmierte FSI noch unter dem Namen First State. 

Die Energierechtspraxis von Latham hingegen war erstmalig für FSI im Einsatz. M&A-Anwalt Larisch war mit seinem Associate Hufnagel Mitte 2020 über einen Pitch ins Mandat gekommen. Zu ihren Aufgaben gehörten neben der Vendor Due Diligence insbesondere auch die Organisation des Verkaufsprozesses. Das zum Verkauf stehende Unternehmen kannte Larisch bereits. Auf der Seite von E.on beriet er 2014 noch als Freshfields Bruckhaus Deringer-Partner zum Verkauf an die Australier, die sich damals von Hengeler Mueller beraten ließen. Im Bieterprozess standen Larisch und seinem Team zum Schluss nur wenige der sonst in diesem Feld tätigen Kanzleien wie Hengeler Mueller, Clifford Chance oder auch Linklaters gegenüber. Einzige Ausnahme: White & Case.

Die Versicherungskammer, die im Bieterverfahren das Rennen machte, setzte auf das Infrastruktur-Team von Hogan Lovells. Die Federführung lag beim Frankfurter Partner Rieger, der im Dezember 2020 auf Empfehlung ins Mandat gekommen war. Steuerlich beriet ein standortübergreifendes Tandem, bestehend aus dem Düsseldorfer Partner Schönhaus sowie Neiens, Partner im Luxemburger Büro. Die beiden übernahmen die umfassende steuerliche Begleitung bei der Strukturierung der Übernahme für die Gesellschaften der Versicherungskammer sowie die Verhandlung des Kaufvertrags. Die Abstimmung der regulatorischen Fragen der Transaktion übernahm das Team um den Düsseldorfer Gasregulierungsspezialisten Schröder, der 2020 von DLA Piper zu Hogan Lovells gewechselt war. Für die Tax Due Diligence zog die Verkäuferin außerdem ein Team von PricewaterhouseCoopers um den Düsseldorfer Steuerpartner Tempich hinzu. (Annika Janßen, Martin Ströder; mit Material von dpa)

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