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23.07.2021

Elektro-Offensive: Wiese Lukas berät Custom Cells bei Joint Venture mit Porsche

Porsche möchte die Fertigung von Hochleistungsbatterien forcieren. Dazu hat der Stuttgarter Autobauer kürzlich ein Gemeinschaftsunternehmen mit Custom Cells Itzehoe gegründet – und steckt nun eine hohe zweistellige Millionensumme in das Joint Venture. 

Götz Wiese

Götz Wiese

Custom Cells aus Schleswig-Holstein fokussiert sich auf die Entwicklung und Serienfertigung spezieller Lithium-Ionen-Batteriezellen. 

Sitz des neuen Joint Ventures, an dem Porsche eine Mehrheitsbeteiligung von 83,75 Prozent hält, ist Tübingen. Die Universitätsstadt könnte auch der zukünftige Standort für die Batteriegroßfabrik werden – auf jeden Fall soll die Fabrik in der Nähe von Stuttgart beheimatet sein, damit die räumliche Nähe zu dem Sportwagenhersteller gewährleistet ist. Bund und Land fördern das Vorhaben mit rund 60 Millionen Euro.

Porsche, deren Holding-Aktien seit März im MDax gelistet sind, stellt bereits den Elektrosportwagen Taycan her. Als Zellentwicklungspartner für die neue Lithium-Ionen-Batterie wurde BASF an Bord geholt, die die Vorproduktion für das Kathodenmaterial übernimmt.

Die Idee für die Fertigung der Hochleistungsbatteriezellen hatte die Stuttgarter Unternehmensberatung P3 Group. Um ihre Unabhängigkeit zu wahren, wird sie aber nicht unmittelbar Joint-Venture-Partnerin, sondern hat mit der Cellforce Group einen langfristigen Dienstleistungsvertrag zur Technologieberatung geschlossen. P3 hatte sich 1996 als Ingenieurgesellschaft gegründet und spaltete sich im Jahr 2019, als sie schon mehr als 4.000 Mitarbeiter zählte, in P3 und die Aachener Unternehmensberatung Umlaut auf. Sofern die Kartellbehörden zustimmen, übernimmt die irische Accenture-Gruppe demnächst das Aachener Beratungsgeschäft.

Berater Custom Cells Itzehoe
Wiese Lukas (Hamburg): Dr. Götz Wiese, Dr. Philipp Lukas; Associate: Dr. Ulrich Wilke (alle Steuergestaltung)  
Riverside Mauritz Depken Vogelsang Scharninghausen & Reichelt (Hamburg): Veit Mauritz (Corporate), Dirk Scharninghausen (Arbeitsrecht); Associate: Julia Beermann (Corporate)

Berater Custom Cells-Investoren
GvW Graf von Westphalen (Frankfurt): Titus Walek (M&A/Venture Capital), Dr. Joachim Mulch (IP); Associate: Jan Hüniken (M&A/Venture Capital) – aus dem Markt bekannt

Martin Mohr

Martin Mohr

Berater Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
CMS Hasche Sigle (Stuttgart): Dr. Maximilian Grub, Dr. Sabina Krispenz (beide Corporate/M&A), Dr. Martin Mohr (Steuerrecht), Dr. Axel Funk (IP/IT), Dr. Marc Seibold (Finanzierung), Dr. Gerald Gräfe (Vertriebsrecht) – aus dem Markt bekannt
Dentons (Düsseldorf): Dr. Florian Wiesner (Federführung); Associates: Dr. Arne Karste, Franziska Peters (Berlin; alle Kartellrecht) 
Inhouse Steuern (Porsche AG; Stuttgart): Jan-Christoph Sommer – aus dem Markt bekannt
Inhouse Recht (Porsche AG; Stuttgart): Diana Rédey (Legal Counsel), Dr. Ulrich Thiem (Leiter M&A/Venture Capital), Frederick Roell (Porsche Ventures), Dr. Alexander Kruss (Kartellrecht) – aus dem Markt bekannt

Berater P3 Group
Seith Miller Steinlein (Stuttgart): Dr. Eckart Seith – aus dem Markt bekannt

Notar
Lehmann Neunhoefer Sigel Schäfer (Stuttgart): Dr. Peter Sigel – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Der Transaktion war eine besonders in steuerlicher Hinsicht komplexe Reihe von Strukturierungs- und Umsetzungsmaßnahmen im Zusammenhang mit der Errichtung des Joint Ventures vorgeschaltet. Hier konnte die auf Steuer- und Unternehmensrecht spezialisierte Hamburger Kanzlei Wiese Lukas mit ihrer Erfahrung punkten und kam erstmalig für Custom Cells ins Mandat. Wiese Lukas war zudem bereits für die Warburg Bank tätig, die hier als Investmentbank agierte. Das Namenspartner-Duo Wiese und Lukas begleitete den aufwändigen Vorbereitungsprozess und verantwortete die Steuergestaltung der Transaktion.   

Auf der Seite der entsprechenden Porsche-Gesellschaft kam dem Vernehmen nach zum wiederholten Male ein Stuttgarter Transaktionsteam von CMS hinzu. Die Kanzlei berät auch regelmäßig zu vertriebsrechtlichen Themen und vertritt den Automobilhersteller bei wettbewerbsrechtlichen Verfahren. Die steuerliche Beratung übernahm nach JUVE Steuermarkt-Informationen Counsel Mohr in Abstimmung mit der Porsche-Steuerabteilung. Mohr hatte zuletzt beispielsweise Apotal zur Seite gestanden, als diese 2020 ihre Versandaktivitäten an Zur Rose abgaben. 

In kartellrechtlichen Fragen greift Porsche häufig auf Dentons-Partner Wiesner zurück, der den Kontakt mitgebracht haben dürfte, als er 2019 von Clifford Chance zu Dentons wechselte. Der Hamburger Riverside-Partner Mauritz berät einige Start-ups, seit dem Sommer 2020 auch Custom Cells. Der Kontakt war über deren Steuerberater zustande gekommen.

Das Land beziehungsweise der Bund ließen sich, soweit bekannt, bezüglich des Joint Ventures nicht beraten. P3 hingegen schon, sie vertraute dem Vernehmen nach auf Rechtsberater Seith, der Ende vergangenen Jahres beauftragt wurde. Der Stuttgarter Notar Sigel ist nach JUVE-Informationen regelmäßig für Porsche im Einsatz. (Sonja Behrens, Christine Albert, Verena Clemens)

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