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28.07.2021

Pharmaforschung: 42CAP verkauft mit Ypog Start-up-Beteiligung an Exscientia

Das britische Pharmatech-Unternehmen Exscientia baut in Wien einen Standort auf, um künftig auch in der Europäischen Union präsent zu sein. Teil dieser Strategie ist die Übernahme von Allcyte, einem österreichischen Anbieter im Bereich datengetriebener, pharmazeutischer Forschung. Der Kaufpreis liegt bei 50 Millionen Euro. Behördliche Freigaben stehen noch aus. 

Jens Kretzschmann

Jens Kretzschmann

Allcyte ermöglicht es Pharmaunternehmen, aussichtsreiche Medikamente für die klinische Entwicklung in den richtigen Patientengruppen auszuwählen. Dadurch lassen sich die Erfolgsraten klinischer Studien und der Nutzen für Patienten verbessern. Das Unternehmen hat dafür eine erste klinisch validierte Plattform entwickelt und setzt ein Auswahlverfahren ein, das künstliche Intelligenz nutzt.

Allcyte n startete im Jahr 2017 als Ausgründung des Wiener CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin, das der Österreichischen Akademie der Wissenschaften angehört. Im März 2021 erfolgte eine Finanzierungsrunde über sechs Millionen Euro, Exscientia kaufte das Wiener Start-up kurz nach dem Abschluss einer eigenen Finanzierungsrunde über 225 Millionen US-Dollar. In deren Zuge beteiligten sich unter anderem der Vision Fund 2 von SoftBank sowie Fonds von BlackRock und Mubadala Investment. Bislang hat das Unternehmen Standorte in Oxford, Miami, Osaka und Dundee.

Das britische Pharmatech-Unternehmen ist einer der ersten Anbieter von mithilfe künstlicher Intelligenz entstandenen Kleinmolekülen in der klinischen Entwicklung. Aktuell befinden sich drei Wirkstoffe in der ersten Versuchsphase, bei der diese Technologie zum Einsatz kam.

Berater Exscientia
Cooley (London): Michal Berkner; Associate: Dan Jackson (beide Corporate/M&A) 
Kunz Wallentin (Wien): Daniel Liemberger, Dr. Peter Kunz (beide Federführung; beide Corporate/M&A); Associates: Martin Fink (Öffentliches Recht/Immobilienrecht), Lukas Straganz (Arbeits-/Gesellschaftsrecht), Wolfgang Stenzel (Bank- und Versicherungsrecht), Hannah Fadinger, Verena Scharrer (beide Vertrags-/Gesellschaftsrecht)

Berater Allcyte-Gesellschafter
Brandl Talos (Wien): Roman Rericha; Associates: Stephan Strass, Céline Dobnikar (alle Corporate/M&A)

Berater 42CAP
Ypog (Berlin): Dr. Frederik Gärtner (Corporate), Jens Kretzschmann (Steuern)

Hintergrund: Aufseiten der Verkäufer lag die Federführung für die Transaktion bei Brandl Talos. Die Wiener Kanzlei beriet schon im März eine Gruppe von Investoren um 42CAP beim Einstieg bei Allcyte, zusammen mit einem Berliner Team von Ypog, die damals noch unter dem Kanzleinamen SMP beziehungsweise Schnittker Möllmann Partners firmierte. Erst zum Juli erfolgte der Relaunch zu Ypog. Der Kontakt zu den Allcyte-Gründern kam indes bereits im Frühjahr zustande und mündete in das Mandat beim Exit.

Zum Juli wechselte Ypog nicht nur den Namen, sondern nahm auch den Transaktionsanwalt Gärtner in die Equity-Partnerschaft auf. Gärtner, der seine Anwaltstätigkeit einst bei Hengeler Mueller begonnen hatte, stand im vergangenen Herbst Brandl & Talos gegenüber, als einer seiner Mandanten in das von Brandl & Talos beratene Wiener Start-up Anyline investierte. Die Ypog-Mannschaft ihrerseits berät 42CAP permanent und nahm in der hiesigen Transaktion die Interessen des Wagniskapitalgebers wahr. Beim Einstieg im März berieten Gärtner und Steuerpartner Kretschmann das Investmenthaus ebenso wie die europäischen Geldgeber Push Ventures, VP Venture Partners, Air Street Capital und Amino Collective.

Cooley beriet das Pharmaunternehmen Exscientia im Frühjahr bereits bei einer Finanzierungsrunde über 225 Millionen US-Dollar. Die Wiener Berater von Kunz Wallentin kamen über Cooley in das Mandat und berieten unter anderem zur Investitionskontrolle, zur Due Diligence und zum Kaufvertrag nach österreichischem Recht.

Als steuerliche Berater waren bei der Transaktion zwei getrennte Teams von Ernst & Young tätig. (Raphael Arnold, Sonja Behrens, Stefanie Riemann)

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