Artikel drucken
23.05.2017

Millionenschwerer Schadenersatz: Drogeriekönig Müller siegt gegen Hengeler-Mandantin Sarasin

Drogerieunternehmer Erwin Müller soll 45 Millionen Euro Schadensersatz von der Schweizer Privatbank Sarasin bekommen. Das hat heute das Ulmer Landgericht entschieden. Es ging darum, ob die Bank den Ulmer Unternehmer bei sogenannten Cum-Ex-Deals falsch beraten hatte.

Markus Meier

Markus Meier

Müller hat damit exakt die Summe zugesprochen bekommen, die er gefordert hatte. Zudem muss die Bank Anwaltskosten in Höhe von 272.000 Euro tragen und knapp 163.000 Euro Zinsen zahlen.

Müller hatte in den ‚Sheridan Solutions Equity Arbitrage Funds‘ investiert und sollte durch mehrfach gezahlte Kapitalertragssteuern Gewinne erlösen. Allerdings untersagte der Fiskus 2012 diese sogenannten Cum-Ex-Deals, so dass die vermeintlich sichere Investition zum Verlustgeschäft wurde. Müller hatte in seiner Klage argumentiert, die Bank habe eine hohen Rendite zugesichert und die Anlage als seriös und sicher verkauft. Er habe nicht gewusst, dass dem Investment Cum-Ex-Geschäfte zugrunde lagen, so Müller. Die Bank hatte die Vorwürfe immer zurückgewiesen.

Vertreter Erwin Müller
Seith Miller Steinlein (Stuttgart): Dr. Eckart Seith, Dr. Guido Miller

Vertreter Sarasin
Hengeler Mueller (Frankfurt): Dr. Markus Meier; Associates: Dr. Antonia Hösch, Luisa Kuschel

Eckart Seith

Eckart Seith

Landgericht Ulm, 4. Zivilkammer
Julia Böllert (Vorsitzende Richterin)

Hintergrund: Müller kämpft und kämpfte an mehreren Fronten wegen fehlgeschlagener Investments und damit zusammenhängender Steuerverfahren. Dabei beschäftigt er unterschiedliche Berater. Im aktuellen Streit, der schon einige Jahre andauert, setzt er auf den Stuttgarter Anwalt Seith. Dem Urteil des LG Ulm war ein jahrelanges Tauziehen vor deutschen und schweizerischen Gerichten vorangegangen, bei dem es um die gerichtliche Zuständigkeit ging. Der Bundesgerichtshof entschied letztlich, dass ein deutsches Gericht für die Schadensersatzforderungen zuständig sei.

Auf der Sarasin-Seite hat Hengeler-Partner Meier vor einigen Jahren das Mandat von Freshfields Bruckhaus Deringer übernommen. Er vertritt die Schweizer Bank auch in einem parallel laufenden Prozess vor dem LG München. Dort klagt ein Münchener Unternehmer ebenfalls zur möglichen Verletzung von Beratungspflichten durch die Bank bei Geschäften mit Sheridan-Fonds. Ein Urteil steht ebenfalls in diesen Tagen an. (Christiane Schiffer)

  • Teilen