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08.01.2018

Personalcoup: WTS holt Top-KPMG-Partner zu Hohenlohe

Es ist einer der bedeutendsten Wechsel in der Steuerbranche seit Jahren: WTS wirbt Franz Prinz zu Hohenlohe ab, den bundesweit angesehenen Leiter der Beratungseinheit Internationales Steuerrecht von KPMG. Der 52-Jährige verlässt die Big-Four-Firma nach mehr als 15 Jahren, um am Münchner WTS-Stammsitz als zweiter Vorstand neben dem bisher alleine amtierenden Fritz Esterer einzusteigen. Wann zu Hohenlohe wechselt, steht noch nicht fest, wahrscheinlich dürfte ein Termin im Frühjahr sein.

Der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer war 2002 von Arthur Andersen zu KPMG gewechselt und kam nach Stationen in New York und Frankfurt 2006 in die Münchner Niederlassung, wo er schließlich 2011 zum Chef des aktuell 8 Partner und etwa 80 Berufsträger zählenden bundesweiten Teams für Internationale Steuern aufstieg.

Zu Hohenlohes Arbeitsschwerpunkte umfassen internationale Restrukturierungen deutscher Konzerne, steueroptimierte Unternehmensfinanzierungen, die laufende Beratung hiesiger Unternehmensgruppen in grenzüberschreitenden steuerlichen Fragestellungen sowie die steuerliche Strukturierung von Zukäufen und die Integration von Unternehmensgruppen nach einer Akquisition. Zu den Mandanten, die er in den vergangenen Jahren regelmäßig betreute, zählen diverse hochkarätige Firmengruppen aus unterschiedlich Industriefeldern, unter anderem aus den Branchen Automobil und Konsumgüter. Bekannt ist etwa seine Arbeit für Robert Bosch sowie Siemens. 

Sowohl bei Mandanten als auch Wettbewerbern erarbeitete sich zu Hohenlohe außergewöhnliches Renommee und gilt nicht nur als fachlich herausragend und korrekt im persönlichen Umgang, sondern auch als reaktionsschnell und kundenorientiert.

Herausforderung für KPMG

Entsprechend schwer wiegt sein Verlust für KPMG. Der Wechsel kommt zudem just zu einer Zeit, in der sich die Big-Four-Firma ohnehin eher schwer tut: So reichte es im vergangenen Geschäftsjahr quer durch die Geschäftsfelder nur zu einem unter dem Strich enttäuschenden Wachstum, in der Steuerberatung legte KPMG gerade einmal um drei Prozent zu und blieb damit hinter der Konkurrenz teils klar zurück.

Ob bereits ein Nachfolger für zu Hohenlohe feststeht, ist unterdessen nicht bekannt – auf Nachfrage äußerte sich die Big-Four-Gesellschaft dazu nicht. Allerdings ist sein Weggang nach JUVE-Informationen auch erst seit kurz vor dem Jahreswechsel intern bei KMPG bekannt. Deren heutiger Steuerchef Marko Gründig, der 2002 als Associate im Team zu Hohenlohes mit zu KPMG gewechselt war, dankte zu Hohenlohe aber für dessen langjähriges Engagement und wünschte ihm für seinen weiteren beruflichen Weg alles Gute.

Für WTS bedeutet zu Hohenlohes Einstieg eine klare Verstärkung, als Vorstand soll er eine entscheidende Rolle beim weiteren Geschäftsausbau der expansiven Steuerberatungsgesellschaft spielen. Wie der Zuschnitt seiner Funktion und der Esterers künftig genau aussehen wird, steht noch nicht abschließend fest. Klar ist jedoch, dass zu Hohenlohe vor allem die laufende und transaktionsbezogene Begleitung verantworten soll, während Esterer weiter das Geschäft steuert.

WTS – die nach Umsatz 2016 siebtgrößte deutsche Steuerberatungseinheit – ist in vorderster Linie bundesweit bekannt als quasi vollständig oder teilweise ausgelagerte Unternehmenssteuerabteilung. Seit vielen Jahren agiert die Gesellschaft für eine ganze Reihe bekannter Adressen in dieser Rolle. Zuletzt übernahm WTS etwa einen Großteil der Steuerfunktion der Allianz, davor die Steuerabteilung von Sal. Oppenheim und beim Energiekonzern E.on zumindest Teile davon. Zu den Stammmandanten zählen daneben auch Siemens oder MAN.

Zweite Doppelspitze für WTS

Fritz Esterer

Fritz Esterer

Der Erfolg dieses Modells ist vor allem mit dem Namen Fritz Esterer verbunden, der die Gesellschaft seit vielen Jahren größtenteils als alleinige Spitze führt. Lediglich zwischen 2011 und 2013 stand ihm Prof. Dr. Alexander Hemmelrath als Co-Vorstand zur Seite. Doch die großen Hoffnungen, die WTS in Hemmelrath gesetzt hatte, in der Beratung vermögender Privatkunden und inhabergeführter Unternehmen voranzukommen, erfüllten sich nicht. So blieb es bei einem zeitlich überschaubaren Intermezzo, doch um die Wirksamkeit der Abberufung Hemmelraths aus dem Vorstand streiten die Parteien bis heute. Zuletzt schloss sich der BGH der Auffassung von WTS größtenteils an, verwies den Fall aber wegen einzelner Fragen an das Oberlandesgericht München zurück.

Den Ausbau der Beratung von Private Clients verantworten bei WTS unterdessen längst andere: Im vergangenen Jahr holte die Gesellschaft in Frankfurt Dr. Franz Angermann von der Schweizer Großbank UBS als neuen Chef der Praxis. Und unlängst weitete WTS ihre Arbeit für Private Clients und Family Offices auch auf Hamburg aus, Partner Prof. Dr. Swen Bäuml wird seine Zeit künftig zwischen Frankfurt und der Hansestadt aufteilen. (René Bender)

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