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23.03.2018

Weitere Niederlage für Sarasin: Göhmann erstreitet Cum-Ex-Schadensersatz

Das Landgericht München I hat einem Geschäftsmann fast 3,4 Millionen Euro Schadensersatz zugesprochen, weil er in Sachen Cum-Ex falsch beraten wurde. Wie im Fall des Drogierieunternehmers Erwin Müller geht es um Fonds der Luxemburger Gesellschaft Sheridan, die von der Schweizer Privatbank Sarasin vertrieben wurden. Das Gericht kam zu dem Schluss, dass die Bank den Geschäftsmann nicht ausreichend über die Risiken bei seinen Investitionen aufgeklärt hat (Az. 34 O 680/16). 

Ulrich von Jeinsen

Ulrich von Jeinsen

Sarasin sei bekannt gewesen, dass der Kläger eine möglichst zurückhaltende Anlagestrategie verfolgen wollte. Trotzdem habe die Bank ihn 2011 zu den als Cum-Ex-Deals bekannten Investionen geraten. Über die steuerliche Konzeption und die Risiken sei der Bankkunde nicht aufgeklärt worden. Über mehrfach gezahlte Kapitalertragssteuern sollten die Anleger Gewinne erlösen. Diese sogenannten Cum-Ex-Deals hat der Gesetzgeber allerdings 2012 verboten, so dass die vermeintlich sicheren Investitionen zu Verlustgeschäften wurden.

Die Staatsanwaltschaft Köln führt seit 2013 ein umfangreiches Cum-Ex-Ermittlungsverfahren, das auch den besagten Sheridan-Fonds umfasst. Die Bank Sarasin sieht sich deshalb mit zahlreichen Klagen konfrontiert. Die wohl prominenteste ist die des Drogerieunternehmers Müller, der im vergangenen Jahr 45 Millionen Euro Schadensersatz vom Landgericht Ulm zugesprochen bekam.

Im Fall Müller sieht sich dessen Stuttgarter Anwalt Eckart Seith von der Kanzlei Seith Miller Steinlein derzeit massiven Vorwürfen der Züricher Staatsanwaltschaft ausgesetzt. Ihm und zwei ehemaligen Sarasin-Mitarbeitern wird Wirtschaftsspionage und Verletzung des Betriebs- und Bankgeheimnisses vorgeworfen. Die Ankläger fordern für Seith Medienberichten zufolge dreieinhalb Jahre Haft. Seith hatte Bankunterlagen in Müllers Ulmer Klage gegen Sarasin verwendet.

Vertreter Geschäftsmann
Göhmann (Hannover): Prof. Dr. Ulrich von Jeinsen

Markus Meier

Markus Meier

Vertreter Sarasin
Hengeler Mueller (Frankfurt): Dr. Markus Meier

Landgericht München I, 34. Zivilkammer
Stephan Reich (Vorsitzender Richter)

Hintergrund: Der angesehene Prozessexperte von Jeinsen vertritt insgesamt vier Cum-Ex-Kläger gegen Sarasin. Zwei der vier Verfahren sind mittlerweile verglichen, das vierte ist am Handelsgericht Zürich anhängig. Einer breiteren Öffentlichkeit ist er auch als Vertreter einiger Angehöriger von Opfern des Germanwings-Absturzes bekannt.

Hengeler-Partner Meier vertritt Sarasin seit geraumer Zeit auch im Streit mit Drogerieunternehmer Müller. Er ist für die Mandantin nach dem Urteil des Ulmer Landgerichts in Berufung gegangen. (Christiane Schiffer)

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