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24.04.2018

Boom Tax Compliance Management: Warum Berater jetzt massiv ausbauen

Die Beratung zur Implementierung von Tax Compliance Management Systemen (TCMS) in Unternehmen war in den meisten größeren Steuerberatungsgesellschaften das Top-Thema der vergangenen zwölf Monate. Die Gesellschaften gehen jedoch mit sehr unterschiedlichen Teamgrößen und Strategien in den Markt. Das zeigen exklusive JUVE-Recherchen.

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Ralph Doll

Die Big Four verfügen über die größten Teams und dürften auch technisch bislang am weitesten sein. So zählt die im vergangenen August ins Leben gerufene Abteilung Tax Technology and Transformation bei Ernst & Young in Deutschland insgesamt über 120 Steuer- und IT-Spezialisten, von denen sich ein Gutteil auch mit der Implementierungsberatung zu TCMS befasst. Die größte Steuerberatungsgesellschaft Deutschlands setzt dabei unter der Leitung von Partner Ralph Doll auf eine selbst entwickelte einheitliche IT-Lösung unter dem Namen Tax Risk Center.

KPMG hat sich in dem Bereich neu aufgestellt. Seit Herbst vergangenen Jahres leitet Christian Stender die Abteilung Tax Transformation, für die auf Leitungsebene neben Stender zwei weitere Partner und ein Director stehen. Sie werden technisch unterstützt von der hauseigenen IT-Gruppe namens Lighthouse Germany, die in den Unternehmen bei der Implementierung hilft. Im Gegensatz zu EY hat sich KPMG jedoch von der Entwicklung eigener IT-Lösungen verabschiedet und setzt nun auf die Kooperation mit dem Informationsdienstleister Thomson Reuters, der für KPMG die Steuer-Lösung ‚One Source‘ entwickelte. Diese tritt sukzessive an die Stelle des eigenen ‚TaxOne‘-Systems, das der Big-Four-Gesellschaft in den vergangenen Jahren eine gewisse Bekanntheit im Markt eingebracht hatte.

Verfolger nehmen Kampf auf

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Hendrik Breimann

Derweil rüsten die Verfolger der Big Four personell auf. So holte Baker Tilly vor einem Jahr Thorsten Went ins Team und Warth & Klein Grant Thornton (WKGT) verstärkte sich vor einem halben Jahr mit dem erfahrenen Big-Four-Berater Dr. Hendrik Breimann. Beide Neuzugänge kümmern sich jeweils um den inhaltlichen und technologischen Aufbau des TCMS-Geschäfts. Bei WKGT zählt das hauseigene Team sechs Mitarbeiter – die Größenunterschiede zu den Big Four sind also beträchtlich.

Wie wichtig das Beratungsfeld ist, wissen natürlich auch die anwaltlich bzw. steuerrechtlich geprägten Einheiten. Sie wollen dem Rennen um lukrative TCMS-Implementierungsmandate nicht tatenlos zusehen, setzen bei ihren Initiativen jedoch eher auf groß angelegte Kooperationen als auf den Ausbau der eigenen Kanzlei. So hat Clifford Chance erst vor wenigen Wochen die Zusammenarbeit mit der mittelständisch geprägten Prüfungs- und Steuerberatungseinheit PKF Fasselt Schlage bekannt gegeben. Seit diesem Monat befinden sich beide Einheiten auf Roadshow, um die Kompetenzen und das Expertenwissen im Tax Compliance zu präsentieren.

Flick Gocke Schaumburg (FGS) gab vor einigen Monaten bekannt, nun eng mit der Deutschen Telekom zu kooperieren. Die neu gegründete FGS-Digitaltochter nutzt das TCMS des Bonner Technikkonzerns namens TEO und will dies bei der Implementierungsberatung individuell für ihre Mandanten anpassen. (Jörn Poppelbaum)

Eine längere Analyse der Bewegung im Beratungssegment TCMS lesen Sie im jüngst erstmals erschienenen JUVE Handbuch Steuern.

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