Artikel drucken
27.08.2018

Berlin: Finanzminister Scholz tauscht Leitung der Steuerabteilung aus

Finanzminister Olaf Scholz (SPD) will die Leitung der wichtigen und politisch sensiblen Steuerabteilung neu besetzen. Wie das Handelsblatt zuerst erfuhr, wird Michael Sell, der von Vorgänger Wolfgang Schäuble (CDU) geholt worden war, Ende September ausscheiden. Auf ihn folgt Dr. Rolf Möhlenbrock, der bisher als Unterabteilungsleiter unter anderem für die Einkommen- und Unternehmenssteuern zuständig ist.

Michael Sell

Michael Sell

Möhlenbrock arbeitet seit fast zwei Jahrzehnten im Bundesministerium der Finanzen (BMF). Er begann seine Karriere nach dem Jurastudium in Göttingen als Referent der Geschäftsführung beim Bundesverband Tankstellen und Gewerbliche Autowäsche Deutschland e.V. (BTG). Seit 1998 ist er in der Verwaltung tätig, zuerst als Sachgebietsleiter in der Niedersächsischen Finanzverwaltung und seit 2000 in verschiedenen Positionen im Bundesministerium der Finanzen.

Sell selbst soll Möhlenbrock bei Scholz als Nachfolger empfohlen haben. Der Wechsel an der Spitze der Steuerabteilung war erwartet worden. Sell genießt zwar einen fachlich exzellenten Ruf, gilt aber als finanzpolitisch eher konservativ. Unter seiner Ägide wurde der Kampf gegen Steuervermeidung etwa zu Cum-Ex- und Cum-Cum-Geschäften sowie der internationale Austausch von Steuerdaten vorangetrieben. 

Den Posten als Leiter der Steuerabteilung hatte Sell sechseinhalb Jahre lang inne. Der 60-Jährige arbeitet bereits seit 25 Jahren in der Verwaltung. Begonnen hat er seine Karriere nach dem zweiten juristischen Staatsexamen ab 1989 allerdings in der Steuerabteilung einer großen Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Von dort wechselte er 1993 zunächst als Referent für Dienstrecht im BMF. Ab 1996 arbeitete er für das Bundeskanzleramt, erst als Referatsleiter, später als Gruppenleiter für Steuerpolitik. 2008 übernahm er die Aufgabe des Exekutivdirektors für Querschnittsaufgaben und innere Verwaltung bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) und absolvierte parallel erfolgreich die Fachanwaltslehrgänge für Steuer- und für Strafrecht. 2012 wechselte er zurück ins BMF.

In seiner Abschiedsmail soll Sell darauf verwiesen haben, dass nun die Vorbereitung von Gesetzgebungsvorlagen beginne, „die die politische Handschrift der neuen Hausleitung tragen und eine sehr enge politische Zusammenarbeit erforderlich machen“. Deshalb sei der Wechsel der Abteilungsleitung verständlich. Was Sell in Zukunft macht, ist noch nicht bekannt. „Ich bin und bleibe aber Fiskalist“, schreibt Sell in seiner Abschiedsmail an die Kollegen. „und werde daher sicherlich nicht in die Beratung wechseln. Mein Interesse am Steuerstrafrecht sowie an deutscher Nachkriegsgeschichte wird jetzt wieder mehr gepflegt werden.“ (Ulrike Barth)

  • Teilen