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16.10.2018

Finanzrichter-Umfrage: Gute Work-Life-Balance, geringes Gehalt

Der durchschnittliche Finanzrichter ist mit seiner Arbeit zufrieden und würde den Beruf wieder ergreifen, wenn er nochmal anfangen könnte. Das ist das Ergebnis der ersten JUVE Steuermarkt-Umfrage unter Deutschlands Finanzrichtern.

Lutz Hoffmann

Lutz Hoffmann

Die intellektuelle Herausforderung ist für die Mehrheit der Umfrage-Teilnehmer das wesentliche Merkmal ihres Berufs. Sehr wichtig finden die Richter vor allem das Thema Steuergerechtigkeit.

Besonders zufrieden zeigen sich die Richter mit Arbeitsatmosphäre und Work-Life-Balance. Für Experten ist das wenig überraschend. „Aus meiner Sicht liegt dies vor allem daran, dass selbst die großen Finanzgerichte im Vergleich zu ordentlichen Gerichten noch immer sehr klein sind“, sagt Dr. Thomas Keß, Pressesprecher des Finanzgerichts Niedersachsen. „Jeder kennt jeden, Fälle lassen sich so leichter mit den Kolleginnen und Kollegen besprechen.“

Bei der Work-Life-Balance zeigen sich auch die Vorteile der Richterdaseins insgesamt. „Die Arbeitsgestaltung ist wirklich sehr frei, was auch mit der richterlichen Unabhängigkeit zu tun hat“, meint der Präsident des Finanzgerichts Bremen und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Finanzgerichtspräsidenten, Lutz Hoffmann. „Insbesondere Kollegen, die aus der Finanzverwaltung oder aus Anwaltskanzleien kommen, sind da aus ihrer früheren Tätigkeit ganz anderes gewohnt.“

Auf einer Skala zwischen 1 bis 5 stimmen für mich an meinem Job…
… die Arbeitsatmosphäre 3,46
… die Work-Life-Balance 3,41
… die technische Ausstattung 3,33
… das Gehalt 2,76
… die Karrieremöglichkeiten 2,67

Als relativ schlecht empfinden die Finanzrichter dagegen ihre Karrieremöglichkeiten und das Gehalt. Am Finanzgericht ist meist schon bei der Besoldungsstufe R3 als Vorsitzender Richter Schluss, was einem Monatsbetrag von rund 8.300 Euro entspricht. Zum Vergleich: Die Top-Großkanzleien zahlen schon Berufsanfängern 10.000 Euro im Monat. 

Im Maximalfall wird man Präsident eines großen Finanzgerichts mit einem R6-Salär, bekommt also rund 9.900 Euro im Monat. Da fangen Richter am Bundesfinanzhof gerade erst an. Doch die wenigsten Finanzrichter glauben daran, so weit zu kommen: In der Steuermarkt-Umfrage schätzen die Teilnehmer die Wahrscheinlichkeit, irgendwann einmal am BFH zu arbeiten, als sehr gering ein. An der nicht repräsentativen Online-Umfrage haben sich von 438 angefragten Finanzrichtern 46 beteiligt, was einer Quote von 10,5 Prozent entspricht. Von deutschlandweit rund 520 Finanzrichtern (ohne BFH), nahmen damit rund 9 Prozent teil.

Zudem gibt es große Unterschiede in der Arbeitsbelastung an den einzelnen deutschen Finanzgerichten. Aktuelle Daten des Statistischen Bundesamts sowie das Handbuch der Justiz des Deutschen Richterbunds, die JUVE Steuermarkt exklusiv ausgewertet hat, zeigen: Zum 31.12.2017 hatte rechnerisch ein Finanzrichter aus Schleswig-Holstein 44 Verfahren auf dem Tisch, während sein Kollege aus dem Saarland rechnerisch 108,5 Fälle zu bearbeiten hatte. Dass sich diese Unterschiede auch auf die Zufriedenheit der Richter auswirkt, liegt auf der Hand. (Jörn Poppelbaum)

Die detaillierten Ergebnisse der JUVE-Steuermarkt-Umfrage unter Finanzrichtern lesen Sie im Titelartikel der aktuellen Ausgabe des JUVE Steuermarkts..Darin finden Sie auch eine genaue Aufschlüsselung über die unterschiedlichen Belastungen und Fall-Bearbeitungszeiten an einzelnen Gerichten sowie Verbesserungsvorschläge zur Finanzgerichtsbarkeit seitens der Richterschaft. 

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