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01.10.2018

Managing Partner von EY Law im Interview: „Legal Operations geht über Legal Managed Services hinaus“

Dr. Cornelius Grossmann, Managing Partner von EY Law weltweit, spricht über die Akquise von Riverview Law. EY hatte den Anbieter,  der als einer der ersten Rechtsberatung zu Fixpreisen und ohne Stundenabrechnung angeboten hat, im August gekauft. Zu dem knapp 100-köpfigen Team gehören Prozessmanagern, IT-Entwicklern und Datenanalysten.

Cornelius Grossmann

Cornelius Grossmann

JUVE Steuermarkt: EY hat vor kurzem den Legal Tech-Dienstleister Riverview gekauft. Was steckt hinter dem Investment? War es einfach eine gute Gelegenheit?
Dr. Cornelius Grossmann: Der Einstieg bei Riverview war mitnichten opportunistisch, Riverview war nicht „for sale“ als wir die ersten Gespräche geführt haben. Aber dann haben beide Seiten schnell festgestellt, dass wir komplementäre Geschäfts-Modelle haben. Riverview sah genau wie wir eine große Chance darin, schnell am Markt zu wachsen, mit einem Angebot, das es in der Form noch nicht gibt. Wir schätzen das bei Riverview gewonnene Know-how im Legal Managed Services Bereich und die hierbei angewandte Technologielösungen. Riverview erfreut sich dagegen nun an einer globalen Plattform mit einem EY Law Netzwerk in über 80 Ländern. Die ersten Reaktionen unserer Mandanten sind ausnahmslos positiv. Jetzt fokussieren wir uns auf einen schnellen Ausbau der Kapazitäten.

Und wie soll der aussehen?
Wir haben bei EY Law 2017 mit „Legal Operations Services“ eine neue Business-Line gegründet, die bereits Spuren im Markt hinterlässt. Doch es ist eine Herausforderung, in einem neuen Bereich schnell zu wachsen, ohne dass bereits eine stabile Plattform und bewährte Technologie vorhanden sind. Mit dem Zusammenschluss mit Riverview haben wir nun eine Grundlage für exponentielles Wachstum geschaffen. Die vorhandenen Teams in England werden wir schnell vergrößern. Darüber hinaus werden wir weitere Hubs in USA und Asien aufbauen, mit denen wir schon bald einen 24/7-Service aufbauen wollen. Hierfür haben wir einen Investitionsplan aufgestellt und Kapital gesichert. Legal Management Services verstehen wir als Teil von Legal Operations. Unser Angebot in Legal Operations geht über Legal Managed Services hinaus. Es umfasst auch Strategieberatung für Rechtabteilungen, Legal Tech und Co-Sourcing-Angebote.

Auf welche Technologien setzen Sie bei der weiteren Expansion? Und wie können Sie sich dabei vom aktuellen Marktumfeld absetzen?
Über die wirklich innovativen Produkte, die wir im Blick haben, will ich nicht zu viel verraten. Aber im Rennen um die besten zukunftsweisenden Technologien konkurrieren wir eher mit Private-Equity-Investoren und den anderen Big-4-Gesellschaften als mit traditionellen Kanzleien. Auch sind wir kein Software-Start-up, das Lizenzen verkaufen will. Unser Geschäftsmodell bleibt, eine alternative Beratung zu den traditionell geführten Kanzleien zu bieten. Wir sehen uns als Vorreiter bei der Transformationsberatung für Rechtsabteilungen und wollen dabei innovative, Technologie-gestützte Lösungen auf den Markt bringen, die unseren Führungsanspruch in diesem Bereich untermauern.

Was meinen sie genau?
Wir hören von unseren Mandanten, dass das Geschäftsmodell vieler Anwaltskanzleien, sich allein über die Exzellenz ihres juristischen Fachwissens am Markt zu behaupten, nicht mehr verfängt. Mandanten verlangen Qualität, Effizienz und Transparenz bei den Kosten. Hierzu bedienen sie sich heute schon Technologien, die eine bessere Kostentransparenz in der Rechtsabteilung ermöglichen. Diese Transparenz führt bereits dazu, dass Mandanten sehr stärker zwischen den verschiedenen Anbietern auf dem Rechtsmarkt differenzieren und Projekte entsprechend segmentieren. Wir stellen unsere Beratungsangebote so auf, dass wir Mandanten helfen, diese Ziele noch effizienter zu erreichen.

Wie passen die Digitalisierungspläne der EY Law mit denen der Steuerberatungseinheit zusammen?
Tax Technology ist bei EY schon sehr ausgereift und bildet eine eigene Einheit mit über 500 Mitarbeitern weltweit. EY Law ist kein Teil davon und baut eigene Ressourcen für Legal Tech auf. Diese arbeiten aber bereits eng mit den Kollegen von Tax Technology zusammen. Wir werden gerade auf dem Feld der kollaborativen Plattformen und der Automatisierung von standardisierten Prozesses auf die bereits gut entwickelten Lösungen der Tax Technology zurückgreifen können. Hiermit hoffen wir dazu beizutragen, die Digitalisierung auch auf dem Rechtsmarkt über die bereits bekannten AI-Angebote hinaus ein gutes Stück voranzubringen.

Das Gespräch führte Ulrike Barth.

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