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29.10.2018

Umsatz: EY baut Marktführerschaft in der Steuer- und Rechtsberatung aus

Ernst & Young (EY) hat ihren Gesamtumsatz im vergangenen Geschäftsjahr hierzulande auf 1,97 Milliarden Euro gesteigert. Das entspricht einem Wachstum von 7,7 Prozent. Auch im Geschäftsfeld Steuer- und Rechtsberatung konnte der Branchenprimus seinen Vorsprung weiter ausbauen: Die Big-Four-Gesellschaft erwirtschaftete hier 685 Millionen Euro, was einer Steigerungsrate von 8,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Nach JUVE-Recherchen gehen 47,2 Millionen Euro auf die reine Rechtsberatung zurück, in der EY somit sogar satte 18,6 Prozent mehr erwirtschaftete als im Vorjahr. Das Wachstum in der Steuerberatung speist sich laut EY-CEO Hubert Barth vor allem aus der Beratung zu den BEPS-Vorschriften der OECD, der steuerlichen Compliance, zu Verrechnungspreisen sowie zum steuerlich getriebenen Transaktionsgeschäft. Letzteres schlägt mit rund 43 Millionen Euro zu Buche.

EY bleibt mit 637 Euro reinem Steuerumsatz der unangefochtene Branchenprimus hierzulande. Dies entspricht einer Steigerung von 8,2 Prozent.

Bei der direkten Verfolgerin PricewaterhouseCoopers (PwC) schlug zuletzt nur ein relativ marginales Wachstum von 3,1 Prozent auf nun 541,2 Millionen für Steuern und Recht zu Buche, wobei rund 88 Millionen Euro reine Rechtsberatung waren. Deloitte konnte ihren Umsatz in der Steuer- und Rechtsberatung zuletzt um 10 Prozent steigern. Mit einem aktuellen Umsatz von 245 Millionen Euro (davon 202 Millionen Euro allein für Steuern) kommt die Wettbewerberin aber von einem gänzlich anderen Niveau als EY und PwC.

„Das wichtigste Thema ist derzeit die Digitalisierung der Steuerfunktion“, sagte Barth. EY habe die dafür nötigen Kompetenzen in der neuen Geschäftseinheit „Tax Technology & Transformation“ mit mehr als 1.000 Mitarbeitern weltweit gebündelt. Allerdings wurde jüngst bekannt, dass EY den bisherigen GSA Tax Performance Advisory Leader, Stephan Ludwig, im kommenden April an KPMG verlieren wird.

Abschlussprüfung bleibt Kerngeschäft

Bei EY bleibt die Geschäftssparte Steuern und Recht die größte – noch vor dem Prüfungsgeschäft. Dieses wuchs um 5,2 Prozent auf 574 Millionen Euro. Barth betonte im Rahmen der Jahrespressekonferenz, dass die Wirtschaftsprüfung nach wie vor das Kerngeschäft der Big-Four-Gesellschaft darstelle. Zuletzt hatte unter anderem die Commerzbank EY mit der Abschlussprüfung beauftragt. Und auch für Siemens und die Deutsche Bank soll EY erneut als Abschlussprüfer bestellt werden.

In der Transaktionsberatung, zu der auch der Umsatz der steuerlichen Transaktionen gezählt wird, konnte EY zwar mit 7 Prozent auf 420 Millionen Euro wachsen. Das Wachstum lag aber weit hinter dem aus dem Vorjahr zurück: Damals wuchs der Umsatz noch um satte 34 Prozent.

Unternehmensberatung wächst am stärksten

Das stärkste Wachstum verzeichnete EY – branchentypisch – in der Unternehmensberatung. Mit einer Steigerungsrate von 9,3 Prozent auf 362 Millionen Euro bleibt der Geschäftsbereich aber nach wie vor der kleinste der Big-Four-Gesellschaft.

In puncto Mitarbeiterzahlen knackte die Big Four nun erstmals die Marke von 10.000. Mit einem Wert von 10.705 beschäftigt sie hierzulande nun knapp 760 Mitarbeiter mehr als im Vorjahr.

Für das geschäftsbereichsübergreifende Thema Digitalisierung will EY in den kommenden zwei Jahren viel Geld in Hand nehmen: Weltweit sollen in diesem Zeitraum rund eine Milliarde US-Dollar in neue Technologien und die Qualifizierung von Mitarbeitern in Bereichen wie digitale Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung, Optimierung von Finanzprozessen, Cyber-Sicherheit, Risikomanagement, Managed Services und Software fließen. Im Gegensatz zur Wettbewerberin Deloitte, die künftig vor allem auf Kooperationen statt auf eigene IT-Lösungen setzt, will EY neben diversen Kooperationen auch weiterhin eigene Software entwickeln. (Daniel Lehmann)

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