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11.12.2018

Nochmal Neuland: Wilhelm Haarmann wechselt von Linklaters zu McDermott

Prof. Dr. Wilhelm Haarmann (68) wird zum Jahreswechsel Partner bei McDermott Will & Emery in Frankfurt. Der prominente Steuer- und Corporateexperte wechselt von Linklaters, wo er seit 2013 Partner war. Haarmann ist einer der bekanntesten Wirtschaftsanwälte Deutschlands. Seine frühere Kanzlei Haarmann Hemmelrath gilt als Keimzelle zahlreicher renommierter Kanzleien.

Wilhelm Haarmann

Wilhelm Haarmann

Auch bei McDermott wird Haarmann wie bisher an der Schnittstelle zwischen Gesellschafts-, Steuer- und Schiedsrecht tätig sein. Nach wie vor ist er ein gefragter Berater von Aufsichtsräten und Vorständen und hält seit Jahren beste Kontakte in die Führungsetagen deutscher Familienunternehmen und Dax-Konzerne. Seinen Aufsichtsratsposten bei SAP gab er nach 30 Jahren in diesem Frühjahr auf.

In den vergangenen Jahren hat er zudem seine Schiedsrichtertätigkeit ausgebaut und wurde häufiger auch bei internen Ermittlungen mandatiert. Im Steuerrecht gehört beispielsweise die DZ Bank zu seinen regelmäßigen Mandanten. McDermott dürfte vor allem auf Haarmanns ausgezeichnete Kontakte setzen. Zudem steht auf der Agenda, die traditionell recht kleine deutsche Steuerpraxis um deren Leiter Dr. Dirk Pohl auf die nächste Stufe zu heben.

Erfahrenes Duo

Wie Haarmann gehört auch Pohl zu den prägenden Köpfen des deutschen Unternehmenssteuerrechts. Er war früher bei der Steuerboutique Rädler Raupach, die später in Linklaters aufging, und Mitbegründer von Raupach & Wollert-Elmendorff (heute Teil von Deloitte). Haarmann Hemmelrath und Rädler Raupach dominierten in den 1990er-Jahren eine Zeit lang den deutschen Steuerkanzleimarkt. „Der Wechsel zu McDermott passt perfekt zu unserer Strategie, aufbauend auf den Stärken unserer bekannten und traditionsreichen US-Steuerpraxis das eigene Geschäft in Deutschland weiter zu entwickeln”, sagte Pohl.

Haarmann möchte bei McDermott außerdem die Verbindungen des starken US-Büros nutzen und eng mit den europäischen Standorten zusammenarbeiten. Vor allem im Schiedsrecht sieht er Entwicklungspotenzial für sich. Das internationale Schiedsrecht ist bei McDermott von der renommierten Partnerin Dr. Sabine Konrad geprägt, die derzeit beispielsweise die Bundesrepublik gegen eine Schadensersatzklage von Vattenfall wegen des Atomausstiegs verteidigt.

Steuerkonferenz vor Neuausrichtung

Der als Rechtsanwalt, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater dreifach qualifizierte Haarmann hat sich zusätzlich zu seiner Beraterkarriere immer für Verbandsarbeit und Netzwerke in der Steuerbranche engagiert. Die von ihm ins Leben gerufene „Haarmann Steuerkonferenz“ galt jahrelang als die vielleicht wichtigste Plattform für den Austausch zwischen Unternehmenssteuerjuristen, Beratern, Finanzverwaltung und Politik. Doch auch die Konferenz verändert ihr Gesicht. Ab 2019 heißt sie „Steuerkonferenz der Deutschen Wirtschaft“ und wird von zwei Vereinen getragen, die Haarmann jüngst gegründet hat: dem „Bundesverband der Steuerverantwortlichen in Unternehmen” und dem „Steuerinstitut der deutschen Wirtschaft”.

Linklaters ändert Aufstellung

Haarmanns Weggang verdeutlicht, wie radikal sich die Aufstellung im Steuerteam von Linklaters derzeit verändert. Nach Dr. Michael Ehret und Florian Lechner ist Haarmann bereits der dritte Partner, der die Kanzlei in diesem Jahr verlässt. Damit verkleinert sich das Team auf sechs Partner. Weil zudem der langjährige Praxisgruppenleiter Prof. Dr. Jens Blumenberg mittlerweile im neu eröffneten Hamburger Büro der Kanzlei arbeitet, steht Frankfurt zum Jahreswechsel formal ohne eigenen Steuerpartner da.

Aus diesem Grund verbringt der aktuelle Praxisgruppenleiter, der Münchner Partner Andreas Schaflitzl, schon seit einiger Zeit den Großteil der Woche in Frankfurt. „Als Steuerrechtler in einer auf die Kernbereiche Transaktionen, Fonds, Private Equity und Crisis Management ausgerichteten Top-Kanzlei wie Linklaters muss man heute viel flexibler sein als früher“, sagte Schaflitzl. Um die Partnerweggänge auszugleichen, wird es bei Linklaters laut Schaflitzl in den kommenden Monaten eine Reihe von Counsel-Ernennungen und mittelfristig auch wieder neue Partner geben. „Klar ist aber auch: Unser Geschäft und unsere Profitabilitätserwartungen erfordern heute ein anderes Gearing als früher. Darüber muss sich jeder Partner klar sein.“ (Christiane Schiffer, Jörn Poppelbaum)

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