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11.01.2019

„Ich kenne keinen vergleichbaren Standard“: Jörg Müller über den IDW-Prüfstandard für Tax CMS

Tax Compliance gehört zu den Boomthemen der Prüfungs- und Beratungsbranche. Im JUVE-Interview erzählt Jörg Müller, Fachreferent für Steuern beim Institut der Wirtschaftsprüfer in Düsseldorf (IDW), wie der IDW-Prüfstandard für Tax-Compliance-Systeme zustande kam und welche Bedeutung er für die Praxis hat. Der 40-jährige Müller leitet die IDW-Arbeitsgruppe Tax Compliance, die den Prüfstandard entwickelt hat.

Jörg Müller

Jörg Müller

STEUERMARKT: Herr Müller, Sie gelten als Erfinder des IDW-Standards für Tax-Compliance-Management-Systeme. Stimmt das?
Jörg Müller:
Nein, das ist wirklich zu viel der Ehre. Wir haben den IDW-Praxishinweis zur Ausgestaltung und Prüfung eines Tax-Compliance-Management-Systems mit mehreren Leuten entwickelt. Beteiligt waren Kollegen aus den Fachbereichen Prüfung und Steuern und Recht der IDW­-Geschäftsstelle sowie Vertreter aus dem Berufsstand, also Mitarbeiter aus verschiedenen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften. Insgesamt ­bestand die Arbeitsgruppe Tax Compliance aus zehn Personen. Für Konzeption und Text­arbeit des Papiers haben wir ungefähr ein Dreivierteljahr gebraucht.

Der Praxishinweis erschien ziemlich genau ein Jahr nach Veröffentlichung des Anwendungserlasses zu Paragraf 153 AO des Bundesfinanzministeriums im Mai 2016.
Richtig, final haben wir den Praxishinweis Ende Mai 2017 veröffentlicht. Den Entwurf hatten wir damals nahezu zeitgleich mit dem BMF-Anwendungs­erlass auf unserer Internetseite veröffentlicht und unsere Mitglieder und die Öffentlichkeit bis zum Jahresende 2016 um Kommentierung gebeten. Bereits während der Planung für den Anwendungserlass wurden wir vom BMF gefragt, ob wir ein Grundsatzpapier für die Praxis entwickeln könnten. Es gab mehrere Abstimmungsrunden mit dem BMF, bevor wir den Entwurf veröffentlicht haben. Wir haben dann noch einige Rückmeldungen während der Kommentierungsphase erhalten.

Wie fielen die Rückmeldungen aus?
Im Großen und Ganzen positiv. Es gab einige wenige Verständnisdifferenzen, die wir ausräumen mussten. Wir mussten einige technische Begriffe an den Praxisgebrauch anpassen. 

Wie macht sich der Praxishinweis seitdem? Die Installation und Prüfung von Tax-CMS ist ja mittlerweile ein Riesenthema.
Das Papier ist sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung, definitiv ein Beitrag zu besseren steuerlichen Compliance und zur Organisation des Erklärungsprozesses in den Unternehmen. Insofern kann man mit der grundlegenden Stoßrichtung sehr zufrieden sein. Was die Umsetzung angeht: Wir stehen natürlich nicht daneben, wenn der einzelne Prüfer unseren Praxishinweis im Unternehmen umsetzt. Dazu kann ich also wenig sagen. Was wir allerdings aus dem Markt hören, ist eine große Akzeptanz, sowohl bei unseren Mitgliedern, als auch bei den Unternehmen. Das freut uns natürlich sehr.

Das Gespräch führte Stephan Mittelhäuser.

Das komplette Interview mit mehr Informationen dazu, zu welchen Steuerarten es besonders viele Tax-Compliance-Management-Systeme gibt und wie sinnvoll dabei der Einsatz spezieller IT-Tools ist, lesen Sie im aktuellen JUVE Steuermarkt, der am Donnerstag, den 10. Januar 2019 erschienen ist.

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