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09.01.2019

Nach Steueraffäre: Ex-Sparkassenchef Fahrenschon geht zu WTS

Nachdem er im April 2018 seine Steueraffäre beenden konnte, hat der ehemalige Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands Georg Fahrenschon nun einen neuen Job: Er stieg zum Jahreswechsel als Director und Generalbevollmächtigter bei WTS ein.

Georg Fahrenschon

Georg Fahrenschon

Der Wechsel dürfte in der Branche Aufsehen erregen, denn Fahrenschon blickt auf eine illustre Karriere zurück: Von 2002 bis 2007 war der CSU-Politiker Bundestagsabgeordneter, von 2008 bis 2011 bayrischer Staatsminister der Finanzen. 2012 wechselte er in die Wirtschaft und wurde Präsident des Sparkassenverbands (DSGV).

Dass Fahrenschon ausgerechnet in eine Steuerberatungsgesellschaft wechselt, entbehrt nicht einer gewissen Ironie, war der 50-Jährige doch in der jüngsten Vergangenheit selbst in ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung verwickelt:

Fahrenschon geriet ins Visier der Steuerfahnder, weil er seine Einkommens- und Umsatzsteuererklärungen für 2012 bis 2014 verspätet abgegeben hatte. So hatte er Einkünfte aus Aufsichtsratsmandaten erst 2016 erklärt und musste darauf erhebliche Beträge nachzahlen. Er äußerte sich dahingehend, dass es sich zwar um ein großes Versäumnis handele, aber keine vorsätzliche Straftat. Dabei gab er auch an, steuerlich nicht gut beraten gewesen zu sein. In diesem Zusammenhang hatte der 50-Jährige auch seine Position als Sparkassenpräsident Anfang 2018 abgegeben. Zu einem Prozess kam es jedoch nicht, weil Fahrenschon eine Geldstrafe von 140 Tagessätzen wegen Steuerhinterziehung akzeptierte.

Bei WTS soll Fahrenschon zu verschiedenen Themen beraten, unter anderem zu Private-Equity- und Venture-Capital-Transaktionen, und zudem seine Kontakte im deutschen Mittelstand für die Beratungsgesellschaft nutzbar machen. WTS ist insbesondere bei deutschen Konzernen bestens verdrahtet, bei mittelständischen Unternehmen ist die Präsenz der Beratungsgesellschaft jedoch noch ausbaufähig. Fahrenschon soll zudem künftige Kooperationen mit anderen Beratungsgesellschaften und Dienstleistern vorantreiben.

WTS-Vorstand Fritz Esterer betonte, dass das Verfahren gegen Fahrenschon mittlerweile abgeschlossen sei.  „Herr Fahrenschon hat Fehler eingestanden und ist gut mit dem Verfahren umgegangen“, sagte er dem Handelsblatt. Zudem genieße Fahrenschon „nach wie vor einen exzellenten Ruf und hat ein großes Netzwerk an Entscheidern, von dem wir profitieren werden“.

Zugleich meldete WTS mit 125 Millionen Euro einen Rekordumsatz für das vergangene Geschäftsjahr, rund 23 Prozent mehr als im Vorjahr. Erstmals hat WTS jedoch einen konsolidierten Umsatz von WTS und FAS – dem Financial Advisory-Arm der Gesellschaft – ausgewiesen. Diesen hatte WTS erst kürzlich komplett übernommen. Wie viel Umsatz konkret auf die Steuerberatung entfielen, ist derzeit nicht bekannt. (Catrin Behlau)

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