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21.02.2019

„Wir bieten ein internationales Netzwerk für Mittelständler“

Vor wenigen Tagen hat die so genannte BDO Alliance die letzten berufsrechtlichen Hürden genommen, um auch in Deutschland an den Start zu gehen. Manuel Rauchfuss, langjähriges Vorstandsmitglied von BDO, erläutert im JUVE Steuermarkt-Interview, was sich hinter der Allianz verbirgt – und was sich seine Gesellschaft davon erhofft.

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Manuel Rauchfuss

JUVE STEUERMARKT: Ziemlich im Geheimen haben Sie in den vergangenen Monaten den Aufbau einer BDO Alliance in Deutschland betrieben. Was steckt dahinter?
Manuel Rauchfuss: Vor der vertraglichen Finalisierung wollten wir nicht ein ganz großes Rad in der Öffentlichkeit drehen. Das erste Mitglied, das der BDO Deutschland Alliance beigetreten ist, ist Breidenbach. Breidenbach ist vor allem in Wuppertal tätig.

Stellen Sie damit Ihre Expansion in Deutschland auf neue Füße?
Wir erweitern eher die Möglichkeit, der mittelständischen Wirtschaft in Deutschland flächendeckend Beratung anbieten zu können und ermöglichen gleichzeitig den Zugang zu den Leistungen eines internationalen Beratungsnetzwerks. An dem Grundsatz des internationalen BDO Netzwerks „one Country, one Firm“ ändert sich aber nichts.

Das müssen Sie genauer erklären.
Wir haben erst kürzlich einen neuen Standort in Leer dazugewinnen können und vor knapp drei Jahren in Oldenburg. Dafür haben wir die Mehrheit an den Gesellschaften DPI und Arbicon erworben. Die Gesellschaften sind also fester Bestandteil des deutschen BDO Konzerns geworden.

DPI gehörte vorher dem RSM-Netzwerk an. Genauso wie Breidenbach. Worin unterscheiden sich die Zugehörigkeitsmodelle?
Bei DPI hat sich im Laufe der Gespräche die gesellschaftsrechtliche Beteiligung als die passendere Variante für beide Seiten ergeben. Breidenbach bieten wir die Möglichkeit, als Alliance-Mitglied Zugang zum internationalen BDO Netzwerk zu finden, was für Mittelstandsberater heute von entscheidender Bedeutung ist. Genauso wie die Möglichkeit, dass Breidenbach unsere Expertise in allen Disziplinen Prüfung, Steuern, Recht und Consulting vermitteln kann, wenn ergänzend spezielles Know-how gefragt ist. Und zuletzt zeichnet die BDO Alliance aus, dass unsere Partner auch Zugang zu unseren internen Schulungsprogrammen und sogar zu unserem Schulungszentrum in Scharbeutz erhalten.

Und BDO lässt sich dafür fürstlich entlohnen?
Nein. Aber die Vergütung erfolgt zu marktgerechten Konditionen, sodass wir natürlich auch etwas davon haben. Wir sind ja eine AG und kein gemeinnütziger Verein.

Welche Art von Kanzleien kommt für die BDO Deutschland Alliance infrage, auch damit Sie sich nicht Konkurrenz im eigenen Hause schaffen?
Wir nehmen nur Kanzleien in die Alliance an Standorten auf, in denen wir kein eigenes Büro betreiben. Zudem sollte die jeweilige Kanzlei in ihrer Region zur Gruppe der drei wichtigsten Beratungshäuser gehören.

So viele Regionen kommen da ja angesichts der Vielzahl von Büros, die BDO in Deutschland betreibt, gar nicht infrage…
Mit 27 Büros hierzulande sind wir tatsächlich ziemlich präsent. Doch es gibt noch weiße Flecken. So verfügen wir in Bayern bislang nur über einen Standort in München, aber nicht im nördlichen Raum. Und in Baden-Württemberg sind wir nur in Stuttgart und Freiburg, sollten aber dringend auch im südlichen Rhein-Main-Gebiet vertreten sein.

Gibt es bei BDO Vorbilder dafür, auf diese Art in die Fläche zu gehen? Das klingt ja an sich nach einem einfachen Konzept.
Der Pilot zur BDO Alliance, in der die Partner mit der jeweiligen BDO Landesgesellschaft in Verbindung stehen, wurde bereits vor 25 Jahren in den USA geschaffen. Die Überlegung der Kollegen war es seinerzeit, in dem Flächenland USA in jedem Bundesstaat vertreten sein zu wollen. Auch Spanien hat seit kurzem ein ähnliches Modell gestartet, aber das ist noch sehr klein.

Haben Sie für Deutschland eine Zielgröße für die Alliance im Kopf?
Aus meiner Sicht sollten es schon rund zehn Kanzleien werden.

 Das Gespräch führte Jörn Poppelbaum.

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