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12.06.2019

„Alle Interessen zu berücksichtigen, dauert länger als erwartet“

Baker Tilly befindet sich im Umbruch: Die Next-Ten-Gesellschaft stellte in den vergangenen Monaten nicht nur ihr Management neu auf, sondern novellierte auch die Partnerschafts- und Vergütungsstruktur. Künftig wird es nur noch eine Partnerstufe und eine in weiten Teilen leistungsbezogene Bezahlung geben. Wie es zu dieser Umstellung kam und warum es länger dauert als erwartet, erläutert Oliver Hubertus, Head of Tax bei Baker Tilly, im Interview.

Oliver Hubertus

Oliver Hubertus

Baker Tilly stellt derzeit sowohl das Partnerschafts-, als auch das Vergütungssystem um. Wie kam es zu dieser Entscheidung?
In unserem alten System gab es Equity- und Salary-Partner. Wir waren lange als reine Goodwill-Partnerschaft organisiert, das heißt, die Partner haben Einlagen geleistet und wurden nach der Höhe ihrer Einlagen auch vergütet. Diese Einlagen waren nicht gedeckelt, das heißt, Partner konnten über die Jahre immer mehr in die Gesellschaft investieren. Das hat zu mehreren Problemen geführt: Zum einen haben einige Partner sehr hohe Einlagen geleistet, die dann bei ihrem Ausscheiden abgefunden werden mussten. Zum anderen hat das System potenzielle Quereinsteiger eher abgeschreckt. Auch einige unserer Salary-Partner, die sich von den Umsätzen her für eine Equity-Partnerschaft geeignet hätten, haben in dem alten System gezögert, die hohen Einlagen zu leisten.

Welche Schritte haben Sie unternommen?
Wir haben schon vor einigen Jahren die Vergütung auf leistungsbasierte Komponenten umgestellt. Allerdings blieb das Einlagensystem zunächst bestehen. Dies sind wir nun angegangen: Zukünftig wird es nur noch eine Partnerstufe geben. Die Partner werden weiterhin eine Einlage zur Finanzierung der Gesellschaft leisten, diese ist jedoch gedeckelt und nach der Vergütung gestaffelt. Zudem haben wir die Position des Directors eingeführt, eine Vorstufe zur Partnerschaft. Dies ist vor allem für Quereinsteiger relevant, die eine solche Position bereits in ihren alten Gesellschaften innehatten oder kurz vor der Partnerschaft stehen.

In welchem Zeitrahmen findet die Umstellung statt?
Für uns ist es wichtig, dass wir unsere Partner vom neuen Modell wirklich komplett überzeugen, und das heißt natürlich, die Dinge offen in der Partnerschaft zu diskutieren und alle Interessen zu berücksichtigen. Und das dauert länger, als erwartet. Wir sind zunächst von einer Umstellung zum Jahreswechsel 2018/2019 ausgegangen, haben später auf den Sommer 2019 geschoben. Ein wichtiger Meilenstein war ein Grundsatzbeschluss zugunsten der Umstellungen, den die Partnerversammlung gefasst hat. Seitdem haben wir die harte Zeitschiene rausgenommen. Wir gehen jetzt Schritt für Schritt vor. Wichtig ist: Für alle Partner, die neu zu Baker Tilly kommen, gilt die neue Struktur bereits.

Zugleich hat Baker Tilly ein neues Management gewählt, Wolfgang Richter, der lange im Management vertreten war, hat sich daraus zurückgezogen. Steht das in einem Zusammenhang mit den Umstellungen?
Nein. Dass Wolfgang Richter sich nicht mehr zur Wahl gestellt hat, steht in keinem Zusammenhang mit den strukturellen Veränderungen bei Baker Tilly. Ganz im Gegenteil: Er war und ist eine der treibenden Kräfte dieser Veränderungen. Vielmehr wollte er nach all den Jahren den Weg frei machen für neue Impulse. Neben der Mandatsarbeit steht Wolfang Richter zudem bei einzelnen Projekten weiterhin als Berater des Managements zur Verfügung, beispielsweise wenn es um die Industriegruppenfokussierung oder Quereinsteiger geht.

Welche Ziele setzt sich das neue Management?
Wir sind klar auf Wachstumskurs, was auch die Quereinsteiger der letzten Monate zeigen. Vor allem geht es uns derzeit darum, neben München weitere Standorte zu stärken, sowie fachliche Lücken zu schließen, die wir bislang hatten, beispielsweise bei den Themen IP/IT. Mit Frank Außendahl von KPMG haben wir uns zudem kürzlich mit einem erfahrenen Finanzsteuerexperten verstärkt.

Die Fragen stellte Catrin Behlau.

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