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31.07.2019

Tax Technology: Mazars macht KPMG-Berater zum Partner

Die Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft Mazars tritt aufs Gaspedal beim Ausbau der digitalen Transformation in der Steuerberatung. Bereits zum Juli gewann sie mit Christian Würschinger einen erfahrenen Steuer-IT-Experten als neuen Partner. Der 35-Jährige arbeitete seit 2011 in der Service Line Tax Transformation bei KPMG, zuletzt als Senior-Manager.

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Christian Würschinger

Bei der Big-Four-Gesellschaft war Würschinger im Münchner Büro für den Aufbau und den Betrieb von Steuersoftwarelösungen zuständig. Seit dem Weggang eines großen Teams um Ralph Doll, der mittlerweile die Abteilung Tax Technology & Transformation in der Region EMEIA bei Ernst & Young (EY) leitet, übernahm Würschinger 2016 bis vor knapp einem Jahr die Betreuung des von Doll eingeführten KPMG-Steuersystems ‚TaxOne‘. Das System wird endgültig zum Ende dieses Jahres eingestellt und sukzessive durch andere Lösungen ersetzt. An erster Stelle steht hier eine weitreichende Kooperation mit dem Informationsdienstleister Thomson Reuters, der für KPMG die Steuerlösung ‚One Source‘ entwickelte.

Würschinger war nach eigenen Angaben perspektivisch auch dafür vorgesehen, ein Team bei KPMG namens Tax Innovation & Technology aufzubauen, das innerhalb der Service Line Tax Transformation die Entwicklung eigener Softwarelösungen vorantreiben soll. Das Team wird indes seit April von Service-Line-Leiter Christian Stender in Personalunion geführt.

Ein ähnliche Aufgabe übernimmt der studierte Informatiker nun bei der Next-Ten-Gesellschaft Mazars. „Mein Ziel ist es, das Softwareproduktportfolio für Steuern bei Mazars auf- und auszubauen“, so Würschinger.

Bislang setzt Mazars in Deutschland auf eine Reihe von Produkten, die auf Ebene der internationalen Mazars-Partnerschaft oder in einzelnen Ländern entwickelt wurden. Würschinger schließt weitere Kooperationen und Technologiepartnerschaften nicht aus, will aber auch eigene Produkte entwickeln: „Mazars bietet den besten Nährboden, um neue digitale Lösungen aufzubauen und umzusetzen“. Als erstes ist laut Würschinger eine eigene Software für den Umgang mit anzeigepflichtigen Steuergestaltungen auf Basis der DAC-6-Verordnung der EU geplant, „denn hier gibt es noch keine Standardprodukte am Markt“.

Derzeit feilen einige Beratungshäuser an Tools für DAC-6. So hat Würschingers bisheriger Arbeitgeber KPMG vor einigen Monaten den sogenannten DAC-6-Prozessor an den Markt gebracht, auch Deloitte bietet technische Zwischenlösungen für die Erfassung und Aufbereitung anzeigepflichtiger Gestaltungen an.

Bei Mazars stößt Würschinger zu einer Gesellschaft, die sich vor über eineinhalb Jahren insgesamt der digitalen Transformation verschrieben hat und die die großen Weichen sowohl in der internen Anwendung und als auch für Beratungsleistungen 2020 oder 2021 gestellt haben will. Bislang verzichtet die ursprünglich aus Frankreich stammende Gesellschaft in Deutschland dabei ausdrücklich darauf, einen Chief Digital Officer an die Spitze der Transformation zu stellen. (Jörn Poppelbaum)

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