Artikel drucken
08.08.2019

Frankfurt: DLA baut Verrechnungspreisberatung auf

DLA wagt in Deutschland den großen Aufschlag in Sachen Verrechnungspreise: Von PricewaterhouseCoopers (PwC) kommt ein Team um den Frankfurter Senior Partner Dr. Ulf Andresen (49). Gemeinsam mit ihm werden Thomas Gericke, bislang Senior Manager bei PwC, als Counsel und Thore Holtrichter als Associate zu DLA Piper wechseln. Der genaue Zeitpunkt des Einstiegs von Andresen und seinem Team steht allerdings noch nicht fest.

Ulf Andresen

Ulf Andresen

Bislang war die internationale Kanzlei hierzulande in Sachen steuerlicher Beratung vor allem in Konzern- und Transaktionssteuern präsent, wo das Team an die entsprechenden Corporate- und M&A-Teams angebunden ist. Etabliert ist DLA zudem in der internationalen Zollberatung, wo die Praxis eng an das Brüsseler Büro angedockt ist. Verrechnungspreise spielten in der Beratung zwar immer eine Rolle, ein spezialisiertes Team gab es in Deutschland hierfür aber bislang nicht. Global sieht es anders aus: Hier hat DLA unter anderem Verrechnungspreisteams in China, Großbritannien und den USA. Bei DLA soll das neue Team nicht nur in die internationale Verrechnungspreisberatung integriert werden, sondern auch eng an der Schnittstelle zu den deutschen Corporate- und IP-Teams arbeiten.

Konrad Rohde

Konrad Rohde

„Mit dem Zugang von Dr. Ulf Andresen gelingt es uns, die bei DLA Piper international bereits sehr renommierte Transfer Pricing-Praxis gezielt zu erweitern und diesen Bereich zudem in Deutschland zu etablieren. Das Thema Transfer Pricing gewinnt gerade bei internationalen Konzernen stetig an Bedeutung, denn die Verrechnungspreisplanung ist entscheidend für die Funktions- und Risikostrukturierung eines Konzerns und hat damit auch unmittelbare Auswirkungen auf die steuerverfahrens- und steuerstrafrechtliche Verteidigung“, so Dr. Benjamin Parameswaran und Dr. Konrad Rohde, Co-Country Managing Partner von DLA Piper in Deutschland.

Rohde und Andresen kennen sich soweit bekannt aus einem gemeinsamen BFH-Verfahren vor einigen Jahren. Andresen war seit 2013 bei PwC tätig und leitete seitdem die deutsche Financial Services Transfer Pricing-Gruppe sowie seit 2015 das Frankfurter Verrechnungspreisteam. Zuvor arbeitete er über elf Jahre bei Ernst & Young, wo er zuletzt unter anderem als Head of Financial Services Transfer Pricing EMEA fungierte. Andresen berät umfassend zu Verrechnungspreisen, insbesondere in Verrechnungspreisstreitigkeiten bei Betriebsprüfungen, Klageverfahren und Advance Pricing Agreements (APA). Darüber hinaus verfügt er über Erfahrung bei der Betriebsstättenbesteuerung sowie zu Einkünfteabgrenzungsfragen bei Banken, Versicherungen und Asset Managern. Zu den Mandanten gehören Unternehmen aus den Branchen Consumer Goods & Retail, Life Sciences und Technology.

Verrechnungspreisberatung spielt bislang in Rechtsanwaltskanzleien eher eine untergeordnete Rolle. Renommiert sind vor allem Baker & McKenzie, Flick Gocke Schaumburg und Oppenhoff & Partner, ansonsten ist der Markt fest in der Hand der Big Four und Next Ten. Allerdings gewinnt die Verrechnungspreisberatung grundsätzlich an Bedeutung: So schauen Betriebsprüfer derzeit sehr genau hin, immer häufiger auch mit strafrechtlichen Folgen. Auch weil aggressive Steuergestaltung zunehmend politisch erschwert wird, spielen Verrechnungspreise eine immer größere wirtschaftliche Rolle in Unternehmen.

Für PwC ist es hingegen der zweite Partnerabgang aus dem Verrechnungspreis-Team in kurzer Zeit. Erst vor wenigen Wochen war Claudia Lauten aus dem Düsseldorfer Büro zu Deloitte gewechselt. Einige Marktbeobachter munkeln daher über interne Querelen bei einem der renommiertesten deutschen Verrechnungspreisteams. Ob der Wechsel Andresens damit zusammenhängt ist nicht bekannt. Gleichwohl bleibt PwC eine der größten und bekanntesten Beratungseinheiten für Verrechnungspreise, zuletzt kam ein Director von KPMG hinzu. (Catrin Behlau)

  • Teilen