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10.09.2019

Falk-Interview: „Wir werden uns keiner Big Four oder Next Ten anschließen“

In der Rhein-Neckar-Region gilt die Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft Falk seit Langem als Platzhirsch. Im JUVE Steuermarkt-Interview sprechen Managing-Partner Gerhard Meyer und Co-Steuerchef  Martin Eberhard über die Bedeutung der Standorte außerhalb der Region, wieso sie nicht zwanghaft auf Wachstum setzen und die Vorteile einer internationalen Allianz gegenüber einem Netzwerk.

Gerhard Meyer

Gerhard Meyer

JUVE Steuermarkt: Herr Meyer, Falk hat im vergangenen Geschäftsjahr den Gesamtumsatz um knapp 8,5 Prozent auf 39 Millionen Euro steigern können. Welche Bereiche haben dazu besonders beigetragen?
Gerhard Meyer: Das größte Wachstum konnten wir definitiv in der Steuer- sowie in der Transaktionsberatung erzielen. Während wir unsere Mandanten regelmäßig und umfassend bei M&A-Deals begleiten – und dabei insbesondere für Bewertungsfragen, aber auch für die optimale Steuerkonzeption verantwortlich zeichnen –, generieren wir darüberhinaus in der Steuerberatung mittlerweile das größte Wachstum durch steuerliche Gestaltungsberatung für nationale als auch internationale Mandate.

Das Deklarationsgeschäft spielt also zunehmend eine untergeordnete Rolle?
Dr. Martin Eberhard: Wir bieten natürlich auch weiterhin klassisches Deklarationsgeschäft an. Von einer zunehmend untergeordneten Rolle kann insofern keine Rede sein. Vielmehr beraten wir mittelgroße bis sehr große Familienunternehmen mit Umsätzen von 25 Millionen bis zu 2 Milliarden Euro seit eh und je bei komplexen steuerlichen Fragestellungen. Vor allem Unternehmensnachfolgegestaltungen unter Einbeziehung von Familienstiftungen für sehr große Familienunternehmen waren zuletzt ein sehr starker Wachstumstreiber. Hinzu kommen etliche Transaktionen und Umstrukturierungen.

Ihr Geschäft ist nicht nur stark auf den Mittelstand ausgerichtet, sondern auch extrem regional fokussiert. In der Rhein-Neckar-Region gilt Falk im Vergleich zu den anderen Marktakteuren als Platzhirsch. In Mannheim, Heidelberg, Speyer und Heppenheim erwirtschaften Sie rund 80 Prozent des steuerlichen Umsatzes. Agieren die anderen Büros – etwa Berlin oder München – da lediglich als Satelliten?
Meyer: Das ist mitnichten der Fall. Die Kollegen haben vor Ort eigenes Geschäft und beraten den jeweils dort ansässigen Mittelstand – bei Prüfung, Deklaration und auch in der Gestaltungsberatung. Daneben werden teilweise Mandanten aus der Rhein-Neckar-Region, die Standorte im Münchner und Berliner Raum oder auch rund um Osnabrück haben, von den jeweiligen Standorten personalmäßig mitbetreut.
Eberhard: In Heidelberg und Mannheim ist unsere Steuerrechtsabteilung, eine Stabsabteilung für Steuergestaltungen und komplexe steuerliche Fragestellungen, angesiedelt. Schon alleine aufgrund der personellen Schlagkraft bündeln wir an diesen beiden Standorten natürlich das größte steuerliche Know-how und Spezialwissen. Trotzdem verfügen auch die Steuerberater in den anderen Standorten und Bereichen über ein großes steuerliches Wissen.

Martin Eberhard

Martin Eberhard

Klassischerweise verfolgen Mittelstandsberater aber doch einen eher generalistischen Ansatz.
Eberhard: Allgemein ist es bei uns so, dass die Teams außerhalb der Steuerrechtsabteilung und anderer Spezialabteilungen wie Sanierungsberatung oder Unternehmensbewertung weiterhin einen generalistischen Ansatz verfolgen und dabei auch die „normalen“ steuerlichen Themen und Fragestellungen für unsere Mandanten beantworten können. Wird es allerdings sehr speziell, greifen die Kollegen aus Berlin, München oder anderer Standorte durchaus auf das Know-how aus Heidelberg und Mannheim zurück. Innerhalb unserer Steuerrechtsabteilung kennen sich die Mitarbeiter grundsätzlich in sämtlichen Steuerrechtsgebieten sehr gut aus, was bei komplexen Transaktionen ein großer Vorteil ist. Eine gewisse Schwerpunktbildung gibt es natürlich schon bei den einzelnen Mitarbeitern. Eine Ausnahme von diesem Ansatz, in verschiedenen Steuerrechtsgebieten tätig zu sein, bildet insbesondere das Thema Verrechnungspreise, für das ein extrem hoher Spezialisierungsgrad erforderlich ist.

Mit der Übernahme von Intertreu und dem Heppenheimer Büro von PricewaterhouseCoopers hat Falk vor allem die ohnehin bedeutende Präsenz in der Rhein-Neckar-Region gestärkt. Sind bundesweit denn ähnliche Zukäufe geplant?
Eberhard: Ich würde ungern von Übernahme oder Zukauf sprechen – wir haben die Partner bei uns aufgenommen und sie wurden von Beginn an als gleichberechtigte Partner integriert. Und genau das ist der Punkt. Wir nutzen Chancen, wenn diese da sind. Nun aber deutschlandweit hinzugehen und zu sagen: „Wir müssen hier ein Team oder eine ganze Kanzlei übernehmen“ passt nicht zu unserer Strategie und unserem Verständnis von Wachstum.
Meyer: In Mannheim sind wir damals tatsächlich aktiv auf den Markt zugegangen. Wir haben festgestellt, dass ein Mannheimer Unternehmer – auch wenn Heidelberg nur 15 Kilometer entfernt liegt – nicht einfach einen Heidelberger Berater mandatiert. Hätte es mit Intertreu geschäftlich oder auch kulturell nicht gepasst, wären wir diesen Schritt aber trotzdem nicht gegangen.

Wie sieht es mit weiteren Standorten aus?
Eberhard: Wir haben insgesamt zehn Büros – das ist für unsere Größe eine beachtliche Anzahl. Insofern verfolgen wir organisches oder im Einzelfall aus strategischen Gründen bzw. bei sich bietender Gelegenheit auch anorganisches Wachstum an diesen Standorten. Klar wäre es auch attraktiv, einen Standort beispielsweise in Hamburg zu haben – dort gibt es immerhin viel Geschäft für mittelständisch geprägte Kanzleien. Sich aber dort auf Biegen und Brechen auf die Suche nach geeigneten Partnern oder einem ganzen Team – das im Zweifel kulturell nicht zu uns passt – zu machen, nur um ein Büro dort zu haben, passt nicht zu unserer Strategie. Eine Erweiterung der Standorte käme aus heutiger Sicht nur in Betracht, wenn wir dadurch unsere Dienstleistungspalette in strategisch wichtigen Feldern gezielt ergänzen können und sich hierzu eine Opportunität an einem neuen Standort bieten würde.

Falk ist die Nr. 18 unter Deutschlands größten Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaften. Trinavis, die eine ähnliche Größe aufweist wie Falk, hat sich kürzlich Warth & Klein und damit dem Grant Thornton-Netzwerk angeschlossen. Müssen Sie im Zuge der Marktkonsolidierung nicht über einen ähnlichen Schritt nachdenken?
Meyer: Ein Verkauf an eine Big Four oder auch eine Next Ten kommt für uns nicht in Betracht. Wir wollen ganz klar unsere Identität bewahren. Ein Zusammenschluss „unter Gleichen“ wäre eher denkbar. Aber dann müssen die Unternehmen und Unternehmenskulturen sehr ähnlich sein und das Geschäft müsste sich gut ergänzen. Im Moment sehen wir so eine Option im Markt nicht. Es ist also nichts geplant – theoretisch käme ein solcher Schritt aber durchaus in Frage.

Eberhard: Es lässt sich aber festhalten, dass wir auch als Falk-Stand-Alone stark genug sind, um im Markt zu bestehen.

Seit mehr als 30 Jahren ist Falk nun Mitglied in einem internationalen Verbund und Gründungsmitglied von Praxity. Dabei handelt es sich nicht um ein Netzwerk, sondern um eine Allianz. Allianzen gelten im Markt als weniger integriert als Netzwerke. Kritiker bemängeln zudem, dass die Zusammenarbeit wesentlich unverbindlicher sei. Wäre der Anschluss an ein Netzwerk unter diesen Gesichtspunkten nicht nahezu obligatorisch?
Meyer: Auch in diesem Punkt setzen wir ganz bewusst auf eine Allianz – so sind wir wesentlich unabhängiger. Was die Zusammenarbeit angeht: Das sehen wir völlig anders. Diese funktioniert seit eh und je reibungslos. Wir konnten unser internationales Geschäft vor allem durch Praxity, der weltweit größten Allianz, stetig erweitern – hier kam in den vergangenen Jahren viel Inbound-Geschäft.
Eberhard: Und auch unsere deutschen Mandanten sind zufrieden, wenn wir sie – mithilfe unserer Praxity-Partner – ins Ausland begleiten. Eine Allianz hat zudem den Vorteil, dass man nicht zwingend auf ein exklusives Mitglied zurückgreifen muss. Für unterschiedliche Projekte kann ich mich als Berater also auch an unterschiedliche Allianz-Partner – oder gar an gänzlich andere Kanzleien – wenden.

Das Gespräch führte Daniel Lehmann.

Das ganze Interview mit Gerhard Meyer und Dr. Martin Eberhard lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des JUVE Steuermarkt.

 

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