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23.09.2019

Michael Häger: „Wir mussten das Unternehmen strategisch neu aufstellen“

Warth & Klein Grant Thornton hat sich zum Start des kommenden Geschäftsjahres eine neue Führungsstruktur verpasst. Im Gespräch mit JUVE Steuermarkt erläutert der neue Vorstandsvorsitzende Michael Häger die Hintergründe der Umstrukturierung, wo er Wachstumspotenzial sieht und warum der Job des Beraters zukünftig noch spannender werden wird.

Michael Häger

Michael Häger

JUVE Steuermarkt: Warth & Klein Grant Thornton (WKGT) hat zum Start des kommenden Geschäftsjahres im Oktober den Vorstand umstrukturiert. Was waren die Hintergründe dafür?

Michael Häger: Die Entwicklung geht auf das Frühjahr 2016 zurück, als unser damaliger Geschäftsführer Klaus Günter Klein völlig unerwartet verstorben ist. Plötzlich fehlte der Orientierungspunkt. Er war der Chef, der die Richtung vorgegeben hat und natürlich die Schnittstelle zur Gründer-Familie Klein. Joachim Riese übernahm dann den Vorstandsvorsitz und wir konnten das Unternehmen schnell und erfolgreich weiterführen. Es war jedoch schnell klar, dass wir neue Strukturen schaffen und das Unternehmen strategisch neu aufstellen müssen, um uns den Herausforderungen der Zukunft stellen zu können – und dies kumuliert in dieser neuen Struktur der Gegenwart.

Wie ist die Führungsspitze bei WKGT zukünftig genau strukturiert?

Das Ziel war, dass die Verantwortlichkeiten im Vorstand klar definiert werden. Wir haben dafür einen funktionsorientierten Vorstand geschaffen, der insgesamt fünf Personen umfasst. Aus dem früheren Personalvorstand wurde der Vorstandsbereich „People and Culture“, geleitet von Frau Prof. Dr. Heike Wieland-Blöse. Durch die Fusion mit Trinavis ist uns auch klar geworden, dass wir jemanden brauchen, der sich um die Integration kümmert – denn anorganisches Wachstum wird uns auch zukünftig beschäftigen. Diesen Part hat Heidemarie Wagner übernommen, die mit Trinavis zu uns kam. Zukünftig haben wir zudem mit Dr. Frank Hülsberg einen Partner für die Themen Innovation und Digitalisierung und Prof. Dr. Gernot Hebestreit soll die Schnittstelle zu den Geschäftsbereichen sein, die nicht im Vorstand vertreten sind, diese also besser verzahnen. Ich stehe als Vorstandsvorsitzender als Klammer für die strategische Weiterentwicklung.

Daneben haben wir die sechs Geschäftsbereiche Tax, Audit, Advisory, Private Finance, Business Process Solutions, M&A und Legal, die alle in der neuen Struktur deutlich aufgewertet wurden.

Und zusätzlich haben wir in den letzten anderthalb Jahren auch noch unsere Governance-Struktur angepasst: Wir haben nun 53 Equity-Partner, denen das Unternehmen gehört. Unsere Strategie ist auf deutliches Wachstum ausgerichtet. Wir brauchen eine gewisse Größe, um die finanziellen Mittel zu haben, uns den Herausforderungen der Zukunft zu stellen. Das heißt, wir müssen wachsen.

In den vergangenen zwei Geschäftsjahren ist WKGT bereits im Schnitt zweistellig gewachsen; im vergangenen Jahr war der Geschäftsbereich Recht und Steuern erstmals Spitzenreiter. Wo sehen Sie das weitere Wachstumspotenzial?

Wenn wir unsere Geschäftsbereiche grob in Audit, Tax und Advisory aufteilen, streben wir eine Drittelung dieser Bereiche an. Das heißt konkret, dass wir vor allem im Advisory noch deutlich wachsen müssen. Hierzu zählt auch das Thema Digitalisierung. Hier werden wir in Zukunft bevorzugt investieren, auch durch anorganisches Wachstum.

Welche Modelle sind da denkbar?

Wir sind da wirklich für alles offen. Das Thema hat ja Dimensionen, wo man sich als Mittelständler fragt, wie man das stemmen soll. Wir dürfen da nicht jedem Trend hinterherlaufen, sondern müssen genau schauen, wo es sich für uns lohnt zu kaufen, uns zu beteiligen, zu kooperieren oder selbst zu entwickeln.

Nicht zuletzt deshalb werden wir auch einen Innovation Council einrichten, der sich aus unserem Digital-Vorstand Dr. Frank Hülsberg, unserem Digital Center sowie Vertretern unserer Geschäftsbereiche zusammensetzen wird. Dieses Gremium hat dann auch ein eigenes Budget.

Wie sieht es mit weiteren Wachstum in der Steuerberatung aus?

Die Steuerberatung wächst rasant, und da werden wir auch mit weiteren Laterals investieren. Wir suchen derzeit jedoch nicht systematisch nach großen Teams. Großes Wachstumspotenzial sehen wir bei den Themen Verrechnungspreise, Tax Compliance Management Systemen (TCMS) und Private Clients, aber auch bei weiteren Spezialthemen wie der Umsatzsteuer. Die Spezialisierung in der Steuerberatung wird immer weiter getrieben, den Generalisten gibt es nicht mehr. In all diesen Spezialsegmenten wollen wir wachsen. Fakt ist aber auch: Wir sind und bleiben eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Das ist der Kern unserer Marke, und auch dieser entwickelt sich sehr erfolgreich.

Welche Rolle soll das Thema Outsourcing in Ihrer Wachstumsstrategie spielen?

Eine sehr wichtige – bei der Neustrukturierung unserer Geschäftsführung haben wir mit Business Process Solutions (BPS) hierfür einen eigenen Geschäftsbereich geschaffen, in dem unser Know-how aus den verschiedenen Geschäftsbereichen zukünftig zusammengeführt und der auch technisch auf dem neuesten Stand sein wird. Geleitet wird er von Matthias Lowa in Berlin.

Düsseldorf ist traditionell der stärkste Standort, wie sieht es an den weiteren deutschen Standorten aus?

Unsere Fokusstandorte sind Hamburg, Frankfurt, München, Düsseldorf und Stuttgart. In Düsseldorf haben wir bereits eine kritische Größe erreicht, an den anderen Standorten wollen wir perspektivisch 200 bis 300 Mitarbeiter beschäftigen.

Personal ist dabei ein wichtiges Thema – und Warth & Klein Grant Thornton hat das Vorstandsressort hier in „People and Culture“ umbenannt. Warum?

Es ist ganz einfach: Wir brauchen die besten Leute, das ist unser Ziel, darum müssen wir uns bemühen. Und es geht dabei nicht nur um die Personalgewinnung, sondern vor allem auch um die Personalentwicklung. Wir müssen eine gute Arbeitsatmosphäre schaffen. Wir haben zum Beispiel ein komplett neues Arbeitszeitmodell entwickelt und die Vergütungs- und IT-Struktur überarbeitet. Auch die Art der Ausbildung ändert sich, die Berufsanfänger kommen heute aus ganz verschiedenen Bereichen – wir haben mittlerweile sogar einen Atomphysiker in unseren Reihen. Dafür haben wir ein hochkarätiges, internes Ausbildungsprogramm und schaffen Möglichkeiten, auch international zu arbeiten.

Wie sieht der Berater der Zukunft aus?

In der näheren Zukunft werden viele Tätigkeiten automatisiert werden, das klassische Berufsbild wird sich also dramatisch verändern. Trotzdem muss immer noch der Mensch die abschließende Entscheidung treffen. Das heißt, unser Berufsbild wird sich auf beurteilende Tätigkeiten verlagern. Aus meiner Sicht wird es für uns Berater in Zukunft interessanter und spannender.

Das Gespräch führte Catrin Behlau.

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