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15.10.2019

Umsatzwachstum: Deloitte erzielt Rekordergebnis

Deloitte ist in Deutschland weiter auf Wachstumskurs: Im vergangenen Geschäftsjahr erwirtschaftete die Big-Four-Gesellschaft insgesamt rund 1,71 Milliarden Euro Umsatz und übertrifft damit erstmals die 1,5-Milliarden-Euro-Marke. Die Steuerberatung wuchs dabei weiter kräftig, während die Umsätze in der Rechtsberatung stagnierten.

Martin Plendl

Martin Plendl

Insgesamt erwirtschaftete die Gesellschaft ein Plus von 17 Prozent im Geschäftsjahr 2018/2019, das am 31. Mai endete. Die großen Wachstumstreiber, so Deutschland-Chef Prof. Dr. Martin Plendl, sei die Digitalisierung und Transformation unter anderem des Automobilsektors und die weitere Globalisierung bei zunehmender komplexer, nationaler Regulierung. Allerdings ist die Steigerungsquote etwas verschoben, da Deloitte in diesem Jahr die Gesamtleistung angibt, die auch Umsätze mit einberechnet, die zwar im Geschäftsjahr erarbeitet, aber noch nicht abgerechnet wurden. Im vergangenen Geschäftsjahr hatte die Big-Four-Gesellschaft den reinen Umsatz angegeben. 

Im weltweiten Vergleich zählt Deutschland weiterhin zu den am stärksten wachsenden Ländern bei Deloitte und wuchs auch in diesem Jahr über dem weltweiten Durchschnitt: So erwirtschaftete die Gesellschaft weltweit im vergangenen Geschäftsjahr 9,4 Prozent mehr Gesamtleistung und kam auf insgesamt 46,2 Milliarden US-Dollar (knapp 42 Milliarden Euro). Deloitte könnte bei gleichbleibendem Wachstum schon 2020 die 50-Milliarden-Dollar-Grenze knacken.

Und auch im innereuropäischen Vergleich liegen die deutschen Standorte vorn: Die Region EMEA erwirtschaftete rund 15 Milliarden US-Dollar (rund 13,6 Milliarden Euro), 7,9 Prozent mehr als im Vorjahr. Gegenüber den Regionen Americas und Asia Pacific ist EMEA damit allerdings Schlusslicht. CEO Plendl begründete dies unter anderem mit dem bereits jetzt spürbaren konjunkturellen Abschwung in der Region.

Auf den Geschäftsbereich Tax & Legal entfielen 264 Millionen Euro, davon etwa 42 Millionen Euro für die Rechtsberatung und 222 Millionen Euro für die Steuerberatung. Der Geschäftsbereich wuchs damit um 14 Prozent und steht für rund 16 Prozent der Gesamtleistung in Deutschland. Im vergangenen Jahr wuchs ist die Rechtsberatung noch deutlich, während sie in diesem Jahr eher stagnierte. Plendl führt das auf Großprojekte zurück, die im vergangenen Jahr ausgelaufen seien, zeigt sich aber insgesamt zufrieden mit dem Umsatz der Rechtsanwälte. Im vergangenen Geschäftsjahr hatten Tax & Legal eine Gesamtleistung von 232 Millionen Euro erwirtschaftet.

Treiber der Steuerberatung war einmal mehr die Beratung zu Verrechnungspreisen – hier hatte sich Deloitte zuletzt auch mit einer erfahrenen Partnerin von PwC verstärkt. Auch die transaktionsbegleitende Steuerberatung sowie die Vermarktung von Digitalprodukten etwa zu Tax Compliance Management Systemen (TCMS) nahmen zu.

Consulting bleibt das Zugpferd

Der weiterhin stärkste Beratungsarm ist Consulting, wo Deloitte mit einer Gesamtleistung von 993 Millionen Euro an der Milliardengrenze kratzt. Deloitte fasst unter Advisory sowohl Financial Advisory als auch Consulting zusammen. Insgesamt steht der Bereich für fast 60 Prozent der Gesamtleistung. Treiber des Geschäfts sind unter anderem großvolumige Beratungsmandate in den Kernsektoren Automotive und Financial Services, hier insbesondere in Bezug auf Digitalisierung.

Auf den Wirtschaftsprüfungsarm entfielen 450 Millionen Euro Gesamtleistung und damit rund 26 Prozent mehr als im Vorjahr. Große, vor Kurzem hinzugewonnen Prüfmandate wie Hornbach oder Leonie haben hierzu noch nichts beigetragen. Auch personell wuchs Deloitte weiter: Mit rund 8.300 Mitarbeitern in Deutschland waren im vergangenen Geschäftsjahr knapp 900 Menschen mehr bei Deloitte beschäftigt als im Vorjahr. 20 Prozent der neuen Mitarbeiter haben einen technischen Hintergrund, weniger als im Vorjahr. Das 2014 ausgegebene Ziel, bis 2024 die 1,5-Milliarden-Euro-Marke zu übertreffen, hat Deloitte schneller als gedacht erreicht. Rund 300 Millionen Euro hat die Big-Four-Gesellschaft in den vergangenen Jahren in dieses Ziel investiert, insbesondere in Personal und Technologie.

Plendl hält als neue Zielmarke drei Milliarden bis 2024 für durchaus realistisch. Ob das Ziel, KPMG als Nummer Drei unter den Big Four in Deutschland abzulösen, noch in diesem Jahr erreicht werden kann, ist allerdings fraglich. Mit etwas über 1,8 Milliarden Euro Gesamtleistung im Geschäftsjahr lag KPMG bereits 2018 über den Zahlen, die Deloitte heute vorgelegt hat. Allerdings hat KPMG die Zahlen für das aktuelle Geschäftsjahr noch nicht bekannt gegeben. (Catrin Behlau)

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