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28.11.2019

Geschäftszahlen: WTS profitiert überdurchschnittlich von Digitalisierung der Steuerberatung

Die Beratungsgesellschaft WTS schwingt sich immer mehr zum ärgsten Verfolger der Big-Four-Steuerabteilungen auf. Im Geschäftsjahr 2018/19, das zum 30. Juni endete, legte die Gruppe insgesamt um rund 17,5 Prozent auf 151,6 Millionen Euro zu. Den Großteil des Umsatzes machte mit knapp 127 Millionen Euro die Steuerberatung aus – ein Plus von über 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

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Fritz Esterer

Damit kommt die von Fritz Esterer und Franz Prinz zu Hohenlohe geführte Gesellschaft auf so hohe Wachstumszahlen im Steuerbereich, wie zuletzt etwa Deloitte. Deloitte ist seit einigen Jahren die am schnellsten wachsende unter den Big Four. Sie legte in der Steuerberatung mit 9,6 Prozent im vergangenen Geschäftsjahr sogar prozentual etwas weniger zu als WTS, allerdings erlöste sie insgesamt knapp 100 Millionen Euro mehr als WTS.

Wie bei Deloitte treibt auch bei WTS vor allem der digitale Wandel den Umsatz. „Nahezu sämtliche Service Lines konnten ihre Umsätze nach oben schrauben, wobei die größten Zuwächse in der steuerliche Prozessberatung und Tool-Implementierung sowie im Geschäftsbereich Financial Advisory erzielt wurden“, sagte Fritz Esterer, Vorstandsvorsitzender der WTS-Gruppe. In der steuerlichen Prozessberatung kann das Beratungshaus auf eine Basis aufsetzen, die so keine andere Steuerberatungsgesellschaft bietet. Wie keine andere Firma steht WTS für die teilweise oder komplette Übernahme von Inhouse-Steuerfunktionen, dem sogenannten Business Partnering. E.on, Allianz und MAN gehören zu den Kunden.

Ein Schlüssel der Prozessberatung liegt in IT-Fragen. Und hier scheint hauptsächlich WTS davon zu profitieren, dass KPMG die ‚TaxOne‘-Technologie auslaufen lässt. WTS kooperiert eng mit dem Technologieanbieter Amana, der in Deutschland zu den wichtigsten Dienstleistern für TaxTech zählt und für dessen Anwendungen sich viele Unternehmen, die vorher auf die KPMG-Technik setzten, entschieden haben. Konsequenterweise hat WTS auch Lars Klevermann in diesem Geschäftsjahr zum Partner ernannt. Er war 2017 von PricewaterhouseCoopers über Amana zu WTS gestoßen.

Gestaltungsberatung mit Licht und Schatten

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Franz zu Hohenlohe

Aus Sicht von zu Hohenlohe hat sich auch die steuerliche Strukturierungs- und Gestaltungsberatung von WTS sehr positiv entwickelt. In dem Feld holte die Gesellschaft in den vergangenen Jahren einige namhafte Berater, darunter 2019 den Verrechnungspreisspezialisten Axel Nientimp (von KPMG) und den Umsatzsteuerrechtler Helge Jacobs (von Linklaters). Auch zu Hohenlohe selbst steht für die Gestaltungsberatung, er kam Anfang 2018 von KPMG.

Allerdings muss WTS im aktuellen Geschäftsjahr auch einen bedeutenden Weggang verkraften. So wurde vor einigen Wochen bekannt, dass der renommierte Transaktionssteuerexperte Stefan Hölzemann, Niederlassungsleiter des Kölner WTS-Büros, das Beratungshaus Richtung Mazars verlässt. Was das für die Umsatzentwicklung im laufenden Jahr heißt, bleibt abzuwarten: Die Leverage ist in diesem Feld viel niedriger als in der technologienahen Beratung, so dass sich auch der Weggang ganzer Teams nicht sofort negativ in den Erlösen niederschlägt. Die psychologische Wirkung des Wechsel dürfte deutlich höher sein. (Jörn Poppelbaum)

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