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26.03.2020

KPMG-Interview: „Wir werden weiterwachsen. Trotz Corona.“

Mit einer Umsatzsteigerung von 8,3 Prozent ist KPMG in der Steuerberatung so stark gewachsen wie seit Jahren nicht mehr. Im JUVE Steuermarkt-Interview zeigt sich Steuerchef Marko Gründig mit dem Ergebnis sehr zufrieden – und blickt trotz Corona-Krise optimistisch in die Zukunft.

Marko Gründig

Marko Gründig

JUVE Steuermarkt: Unter den zehn größten Prüfungs- und Beratungsgesellschaften in Deutschland ist KPMG eine der wenigen, in der Steuern zuletzt stärker gewachsen ist als das Gesamtgeschäft. Performen Ihre anderen Geschäftsbereiche so schlecht, oder sind Sie so gut?
Marko Gründig:
Wir sehen jetzt vor allem langsam die Auswirkungen der Prüferrotation, die für den Steuerbereich von KPMG natürlich eine große Chance darstellt. Unsere Mandanten müssen sich bewegen und neu orientieren. Wir können nun Unternehmen steuerlich beraten, die für uns vorher – aufgrund der Prüfung – tabu waren. Ich bin mit der Entwicklung sehr zufrieden, sie zeigt, dass wir mit unserer neuen Aufstellung und auch mit unseren personellen Zugängen diese Chance nutzen können. Wir sind mit unserer Strategie auf dem richtigen Weg und den werden wir auch fortsetzen.

In welchen Steuerdisziplinen konnte KPMG das größte Wachstum erzielen?
Einzelne Service Lines zu nennen, ist gar nicht möglich. Denn tatsächlich sind wir durch die Bank gewachsen. Alle Disziplinen haben profitiert. Genau das ist auch unser Ziel, und das freut uns natürlich sehr.

Damit dürfte es nun zunächst erst einmal vorbei sein. Was bedeutet Corona für Ihr Geschäft? Herrscht nun ein kompletter Stillstand, oder gibt es steuerliche Großthemen, auf die die Praxis als Ganzes jetzt umspringen kann?
Von Stillstand ist derzeit definitiv nicht die Rede. Bund und Länder haben zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise abzufedern. Darunter auch sehr viele steuerliche Maßnahmen, wie zum Beispiel Möglichkeiten zur Herabsetzung von Steuervorauszahlungen, Steuerstundungen oder auch die Gewährung von Zuschüssen und Fördermitteln. Gerade die Liquiditätsplanung ist für viele unserer Mandanten jetzt ein brennendes Thema. In all diesen Fragen können wir unseren Mandanten im Moment sehr gut helfen.

Wird die Krise Sie als Berater nicht trotzdem treffen?
Der Abschwung wird an Niemandem komplett vorbeigehen, so viel ist klar. Aber es ist derzeit noch schwer zu sagen, inwieweit Corona uns als Berater tatsächlich trifft. Wir müssen nun abwarten, ob die von der Bundesregierung beschlossenen Maßnahmen greifen und wann die sozialen – und damit zum Teil auch beruflichen – Beschränkungen wieder aufgehoben werden. Dann wird sich entscheiden, wie stark die Wirtschaft tatsächlich in Mitleidenschaft gezogen wird.

Sie haben in den vergangenen zwei Jahren einen ambitionierten Aufbaukurs mit Quereinsteigern praktiziert. Ist das nun vorüber, so lange Corona die Wirtschaft lahmlegt? Oder ist es denkbar, antizyklisch weiter auf Partnerwachstum zu setzen?
Unsere Wachstumsambitionen sind ja nicht nur auf ein Jahr ausgerichtet, sondern langfristig. Die Umstellungen, die mit der Prüferrotation einhergehen, werden rund drei bis fünf Jahre in Anspruch nehmen. Genau diesen Zeitraum haben wir uns auch intern für unser Wachstumsprogramm auf die Fahne geschrieben.

Das Gespräch führte Daniel Lehmann.

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