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20.03.2020

Steuerberater: Systemrelevanter Beruf? Das fordert die Bundessteuerberaterkammer

Die Bundessteuerberaterkammer (BStBK) fordert, Steuerberater als systemrelevanten Beruf einzustufen. Das geht aus einem Brief von Präsident Prof. Dr. Hartmut Schwab an das Bundesfinanzministerium (BMF) hervor. 

Anlass für das als „dringend“ gekennzeichnete Schreiben ist die Befürchtung einer bundesweiten Ausgangssperre, über die die Bundesregierung mit den Ländern am Wochenende diskutieren möchte: Steuerberater seien in der Corona-Krise die ersten Ansprechpartner für kleine und mittelständische Unternehmen. Es seien die Steuerberater, die die laufenden gesamtwirtschaftlichen „Stabilitätsfaktoren wie Lohn- und Finanzbuchhaltung, Umsatzsteuer-Voranmeldungen, Lohnsteuer-Anmeldungen und vieles mehr absichern“, so die BStBK. Zudem unterstützten sie Unternehmen bei Absprachen mit Mitarbeitern, Banken, Kunden und Lieferanten und beantworteten zur Zeit viele Fragen zu Kurzarbeitergeld, Beantragung von Überbrückungskrediten oder Insolvenzanträgen. Nur in der Kanzlei könne ein Steuerberater seine „gesamtgesellschaftlichen Aufgaben“ umfassend erfüllen, so Schwab. Und das kann er bei einer Ausgangsperre nur, wenn er als systemrelevant anerkannt wird.

Hartmut Schwab

Hartmut Schwab

Viele Berater arbeiten derzeit aus dem Homeoffice, die Kanzleien versuchen, die dauerhafte Beratung auch im Infektionsfall zu gewährleisten. „Kanzleien mit einer guten technischen Infrastruktur, einer klaren digitalen Strategie, transparenter Kommunikation, strukturierten und klaren Organisationsabläufen meistern die aktuelle Situation“, so Valtaxa Vorstandsmitglied Viktor Rebant, dem Verband für Angestellte in steuerberatenden Berufen. Allerdings zeigt sich bereits jetzt: Digital sind weder Behörden noch viele Kanzleien wirklich auf ein solches Szenario vorbereitet. Die Digitalstrategie der Finanzverwaltung entpuppt sich als „Feigenblatt“, so ein Steuerberater.

Derweil zeigt Covid-19 nach Informationen des JUVE Steuermarkt auch in der inhaltlichen Arbeit schon erste Auswirkungen bei den Steuerberatungskanzleien: Während bei den Mittelstandsberatern das Telefon heiß läuft, weil Liquiditätsfragen, Anpassungen von Steuervorauszahlungen oder Stundungen von Steuerzahlungen die Mandanten umtreibt, sitzen viele Berater in Großkanzleien auf dem Trockenen. Insbesondere würden viele Transaktionen verschieben, berichtet ein Steuerrechtsexperte. Auch Reorganisationen würden in der Priorisierung nach hinten rutschen, so ein weiterer Steuerjurist. Dafür verschafften sich Unternehmen momentan einen Überblick über ihre wirtschaftliche Lage, um für eine Krise gerüstet zu sein. Dabei würden etwa die bei Re- und Umstrukturierungen nach hinten gestellten Themen, wie beispielsweise Refinanzierungen, angegangen, um in einem kritischen Fall von Altlasten befreit zu sein. Zudem würden in vielen Unternehmen geplante Projekte evaluiert.

Auf die Ankündigung steuerlicher Hilfsmaßnahmen im Rahmen des Corona-Schutzschildes erfolgte nun auch der Erlass des Bundesfinanzministeriums in Abstimmung mit den Landesfinanzbehörden: Unternehmen können Stundungen von Steuerzahlungen sowie Anpassungen von Vorauszahlungen auf die Einkommen- und Körperschaftsteuer beantragen, zudem kann auf Stundungszinsen verzichtet und von Vollstreckungsmaßnahmen fällig werdender Steuern wird bis zum 31. Dezember 2020 vorerst abgesehen werden. (Esra Laubach)

Wenn Sie uns berichten wollen, wie sich Ihre Arbeitssituation verändert, dann schicken Sie uns gerne eine Mail an esra.laubach@juve.de.

 

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