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20.07.2020

Markt 2019: Steuerberatung bleibt wichtigste Säule für WP-Gesellschaften

Die 25 größten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften Deutschlands sind im Geschäftsjahr 2019 im Durchschnitt um 6,5 Prozent gewachsen. Das ist das Ergebnis der aktuellen Studie des Marktanalyse-Unternehmens Lünendonk & Hossenfelder. Auffällig: Während bei den Big Four das Advisory-Geschäft mittlerweile die umsatzstärkste Säule ist, bleibt im Gesamtmarkt die Steuerberatung die wichtigste Einnahmequelle.

Christoph Regierer

Christoph Regierer

Insgesamt erlösten die 25 umsatzstärksten Gesellschaften im Berichtszeitraum 9,95 Milliarden Euro. Das Durchschnittsplus von 6,5 Prozent bedeutet eine leichte Abschwächung gegenüber dem Vorjahr, als der Markt nach heutigen Lünendonk-Erkenntnissen insgesamt noch um 7,8 Prozent gewachsen war.

Dabei hat die Corona-Pandemie noch keine Auswirkungen auf die Bilanzen des Jahres 2019 gehabt. Für das laufende, von Covid-19 beeinträchtigte Geschäftsjahr erwarten die Gesellschaften indes nur ein Wachstum von zwei Prozent. 

Steuerberatung insgesamt stärker

Vergleicht man die Entwicklung der Gesamtumsätze nur mit den Einnahmen, die mit Steuer- und Steuerrechtsberatung erzielt wurden, zeigt sich, dass diese mehr Dynamik hat. So lag das Wachstum in den 20 größten steuerlich beratenden Einheiten nach Berechnungen von JUVE Steuermarkt um 9,5 Prozent über dem Vorjahr. Diese sind indes nur teilweise deckungsgleich mit der Lünendonk-Liste, weil hier auch Beratungshäuser wie WTS und Flick Gocke Schaumburg eine wichtige Rolle spielen, die praktisch keine Prüfungseinnahmen haben und deswegen von Lünendonk nicht berücksichtigt werden.

Doch auch bei den 25 Gesellschaften der Lünendonk-Liste bildet die Steuerberatung die wichtigste Säule – und wird es wohl auch bleiben. 2019 machten Steuergestaltung, Steuerdeklaration und Buchhaltung 37,7 Prozent des Umsatzkuchens aller Lünendonk-Einheiten aus, Audit 35,3 Prozent, Advisory 16,5 Prozent und Rechtsberatung 9,2 Prozent. Und nur bei Steuern und Recht erwarten die Lünendonk-Gesellschaften trotz Corona größere Zuwächse: Danach könnte im kommenden Geschäftsjahr die Steuerberatung 39,1 Prozent der Gesamteinnahmen ausmachen, die Rechtsberatung 9,3 Prozent.

Ein Grund für die starke Rolle von Steuern dürfte in der Regulierung liegen. So sorgen nach Auffassung des Managing Partner von Mazars, Dr. Christoph Regierer, etwa die weitere Ausbreitung von Tax Compliance Management Systemen sowie die genauere Erfassung und Dokumentation von Verrechnungspreisstukturen für stetig wachsende Honorare in dem Beratungsfeld.

Nur noch sechs Verfolger der Big Four

Der Markt der 25 größten WP-Gesellschaften entwickelt sich, was deren Gesamtumsatz angeht, unterdessen mehr und mehr in drei Teile. So bleibt es dabei, dass nur zehn WP-Gesellschaften überhaupt mehr als 100 Millionen Euro Gesamtumsatz erzielten. Dabei verzeichneten die Big Four als erste Gruppe insgesamt Einnahmen von etwa 8 Milliarden Euro, die dahinterliegenden sechs Verfolger (Rödl & Partner, BDO, Ebner Stolz Mönning Bachem, Baker Tilly, Mazars, Warth & Klein Grant Thornton) kamen auf etwas über 1,2 Milliarden Euro.

An dritter Stelle folgen die Gesellschaften zwischen Platz 11 und 25, die allerdings insgesamt nur Einnahmen in Höhe von insgesamt rund 665 Millionen Euro verbuchten. Ausschließlich aus diesem Feld stammen auch die Häuser, die zuletzt Federn lassen mussten: So verzeichneten PKF Fasselt Schlage, Dornbach, Bansbach, Fides Treuhand und die RWT-Gruppe Umsatzrückgänge zwischen 0,3 und über 10 Prozent.

Die Schere zwischen den Big Four, den großen sechs danach und dem Rest könnte also perspektivisch größer werden, wenn es nicht zu weiteren Marktkonsolidierungen – sprich: Fusionen – kommt. (Jörn Poppelbaum)

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