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07.09.2020

Marktkonsolidierung geht weiter: Hamburger Büro von PKF Fasselt Schlage wechselt zu Warth & Klein

Der Hamburger und der Rostocker Standort von PKF Fasselt Schlage schließen sich dem internationalen Prüfungs- und Beratungshaus Warth & Klein Grant Thornton (WKGT) an. Für Deutschlands zehntgrößte Prüfungsgesellschaft ist der Zusammenschluss, der zum Oktober erfolgt, ein wichtiger Schritt, um sich im Kreise der so genannten Next Six – also den nach den Big Four größten Wirtschaftsprüfern – zu behaupten. Für PKF Fasselt Schlage ist der Verlust der Büros ein weiterer Schlag ins Kontor. Die Gesellschaft hatte Anfang 2019 bereits den Weggang ihres starken Frankfurter Büros verkraften müssen.

Thomas Rauert

Thomas Rauert

Die zwei norddeutschen PKF-Büros zählen rund 100 Mitarbeiter, darunter 3 Equity Partner, 6 assoziierte Partner und insgesamt 33 Berufsträger. Während Rostock vor allem in der Prüfung und der Buchhaltung aktiv ist, bietet der Schlage-Teil von PKF Fasselt Schlage in Hamburg alle Dienstleistungen an, war zuletzt jedoch vor allem in der Steuerberatung dynamisch. Das Büro hat unter anderem einen Branchenschwerpunkt in der Handels- und Schifffahrtsbranche. Mit einem Umsatz von rund 10 Millionen Euro war Hamburg nach Duisburg bislang der zweitgrößte Standort von PKF Fasselt Schlage. Dort erwirtschaftet die multidisziplinäre Kanzlei mit insgesamt 85 Berufsträgern rund 25 Millionen Euro, am Standort im Ruhrgebiet ist vor allem das Prüfgeschäft noch stark. Im Geschäftsjahr kam PKF Fasselt Schlage insgesamt auf einen Umsatz von 58,8 Millionen Euro. Sie war damit die Nummer 12 im deutschen Prüfungsmarkt.

Allerdings kämpft PKF Fasselt Schlage schon länger an verschiedenen Fronten: So sorgte vor allem der Wechsel des Frankfurter Büros zu der unmittelbaren Wettbewerberin RSM für einen Umsatzrückgang im Geschäftsjahr 2019 von rund sieben Millionen Euro. Zudem nimmt der Druck aus dem eigenen PKF-Netzwerk zu. Hier ist Fasselt Schlage zwar die größte Gesellschaft, andere wie PKF Wulf & Partner aus Stuttgart, die Münchner PKF Industrie- und Verkehrstreuhand oder die Osnabrücker Gesellschaft PKF WMS Bruns-Coppenrath & Partner sind derzeit jedoch deutlich expansiver unterwegs, wenngleich Fasselt Schlage zuletzt im hessischen Groß-Gerau expandierte.

Kenner der PKF-Strukturen sprechen schon seit Längerem von einer schleichenden Erosion bei PKF Fasselt Schlage. So seien die Hochburgen Duisburg, Hamburg und Braunschweig mit ihren dazu gehörenden Büros nie sonderlich gut untereinander vernetzt gewesen. Und auch das internationale PKF-Netzwerk gilt Marktbeobachtern als zu schwach, um mit größeren Netzwerken mitzuhalten.

Angeblich lange Kontaktanbahnung

Die internationale Anbindung war nun offenbar auch ein Grund für die Hamburger Partner, sich Warth & Klein Grant Thornton anzuschließen. In einer Pressemitteilung anlässlich des Übertritts zu WKGT heißt es, dass die Verbindung ideal sei, „um den aktuellen Herausforderungen der Branche zu begegnen“. Die Hamburger profitierten „zudem von der Stärke eines exzellenten internationalen Netzwerks“. 

Für Beobachter kommt der Zusammenschluss von PKF mit WKGT an Elbe und Ostsee indes nicht wirklich überraschend. Die Hamburger Büros beider Gesellschaften pflegten seit Jahren gute Verbindungen, heißt es. Bereits 2013 und 2017 habe es Fusionsgespräche zwischen beiden Gesellschaften gegeben. Diese seien in Hamburg goutiert worden, jedoch jeweils an den Duisburger Partnern gescheitert. Letzteren hätte missfallen, mit dem noch größeren Warth & Klein-Hauptsitz in Düsseldorf die Vorherrschaft in einer neuen Gesellschaft an einen unmittelbaren geografischen Nachbarn zu verlieren. Eine Bestätigung hierfür gibt es nicht.

Der Duisburger PKF Fasselt Schlage-Partner Dr. Marian Ellerich kündigte derweil an, an der Elbe zügig wieder eine Niederlassung aufzubauen. „Hamburg ist und bleibt für uns ein wichtiger Standort. In den vergangenen Monaten haben wir mit unseren Hamburger Kollegen gemeinsam die Grundlage für deren Ausscheiden geschaffen, wir überlegen dementsprechend nicht erst seit gestern, wie wir den Standort neu besetzen.“ Die Gesellschaft wird zukünftig als PKF Fasselt firmieren.

Rumoren auch bei Warth & Klein

Doch auch für WKGT bedeutet der Zusammenschluss in Hamburg mehr als nur reines Umsatzwachstum. In gewisser Weise ist er auch ein Befreiungsschlag: Die norddeutsche Präsenz der Gesellschaft mit bislang rund 50 Mitarbeitern galt innerhalb von WKGT als deutlich ausbaufähig. Das Büro war so kaum in der Lage, in der Hansestadt ein gewichtiges Wort mitzureden. An allen deutschen Wirtschaftszentren ein starkes Büro vorzuhalten, ist jedoch ausgegebenes Ziel von Warth & Klein, was mit organischem Wachstum kaum zu schaffen gewesen sein dürfte.

Zudem verlor die Gesellschaft in diesem Jahr mit Dr. Kai Bartels ihren bis dahin wichtigsten Partner. Der angesehene Transaktionsberater war bis Ende 2019 Hamburger Managing Partner, Co-Head Corporate Finance & Advisory Services, Head of M&A sowie zwischenzeitlich auch vier Jahre lang Global Head of M&A bei Grant Thornton International. Seine weitere berufliche Zukunft steht noch nicht fest.

Außerdem ist bereits im Markt bekannt, dass die Steuerpartnerin Dr. Marion Frotscher die Gesellschaft verlassen wird, der Weggang soll allerdings nicht in Zusammenhang mit dem Zusammenschluss stehen. Sie war die einzige Steuerpartnerin vor Ort. WKGT dürfte mit der Übernahme des PKF-Teams nicht zuletzt auf eine Stabilisierung ihres Geschäfts an der Elbe hoffen.

Die künftige Doppelspitze bilden in Hamburg und Rostock nun der angesehene PKF-Steuerpartner Thomas Rauert und der vorübergehend vom Düsseldorfer WKGT-Stammsitz kommende Wirtschaftsprüfer Prof. Dr. Gernot Hebestreit. Mittelfristig soll Rauert den Standort allein führen. Insgesamt zählt WKGT in Norddeutschland nach dem Zusammenschluss rund 150 Mitarbeiter, darunter 6 Equity-Partner. Rechtlich beraten wurde Warth & Klein bei der Transaktion von einem Team von Hengeler Mueller um die Düsseldorfer Partner Dr. Christian Schwandtner (Gesellschaftsrecht/M&A), Prof. Dr. Dirk Uwer (Berufsrecht) und Dr. Christian Hoefs, Arbeitsrechtspartner aus Frankfurt. 

Mit dem Schritt in Hamburg setzt WKGT ihre Expansion fort. Die Gesellschaft wuchs im Geschäftsjahr 2019 mehr als jedes andere große Prüfungshaus in Deutschland um 30,5 Prozent und kam so auf Gesamteinnahmen von mehr als 136 Millionen Euro. Ein wesentlicher Wachstumstreiber war die zum März 2019 vollzogene Fusion mit der Berliner Prüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft Trinavis, wodurch der Berliner Standort zum zweitgrößten Büro nach dem Düsseldorfer Stammsitz avancierte. Daran wird sich indes auch durch das neu formierte Hamburger Büro nichts ändern.

Wie sich der Markt hinter den Big Four weiter konsolidiert, lesen Sie auch im aktuellen JUVE Steuermarkt. (Jörn Poppelbaum, Catrin Behlau)

Die Meldung wurde am 11. September 2020 ergänzt.

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