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28.10.2020

Auch wegen Corona: Deloitte wächst deutlich schwächer

Deloitte wächst weiter, allerdings deutlich langsamer als in den Vorjahren: Insgesamt stand im abgelaufenen Geschäftsjahr (Stichtag 31. Mai 2020) ein Umsatz von 1,69 Milliarden Euro zu Buche, was einem Wachstum von rund 3 Prozent entspricht. Im vergangenen Jahr hatte Deloitte hierzulande insgesamt rund 1,64 Milliarden Euro erwirtschaftet (Gesamtleistung 1,71 Milliarden Euro). Relativ gesehen wuchs die Service Line Tax & Legal am stärksten.

Volker Krug

Volker Krug

Gegenüber dem Vorjahressprung von 17 Prozent legte Deloitte nun ein deutlich abgeschwächtes Wachstum vor. Dies lag vor allem am bisherigen Musterschüler, der Consulting-Sparte: Stand hier im vorherigen Geschäftsjahr noch ein Wachstum von 22 Prozent (Umsatz 644 Millionen Euro) zu Buche, schloss die Sparte im nun abgelaufenen Berichtszeitraum mit einem Minus von 1 Prozent ab (640 Millionen Euro). Dies dürfte auch an ersten Auswirkungen der Corona-Krise liegen, die nach Angaben der Gesellschaft dazu führte, dass einige Projekte in diesem Bereich verschoben wurden.

Auf Tax & Legal entfiel derweil ein Umsatz von 277 Millionen Euro, im Vorjahr waren es 260 Millionen (Vorjahresgesamtleistung 264 Millionen Euro), was einem Wachstum von rund 7 Prozent entspricht. Allerdings entwickelte sich das Geschäft zuletzt unter eher umgekehrten Vorzeichen: Wuchs im vergangenen Jahr noch das Steuergeschäft kräftig, war es im nun abgeschlossenen Geschäftsjahr vor allem der Rechtsbereich, der mit einem Umsatz von 46 Millionen Euro – rund 9,5 Prozent mehr als im Vorjahr – das Geschäft prägte. Im vergangenen Jahr erzielte der Rechtsberatungsarm noch einen Umsatz von rund 42 Millionen Euro. Treiber des Geschäfts waren unter anderem Transaktionen, aber im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie auch zunehmend Restrukturierungen, Haftungsthemen und Arbeitsrecht.

Auf die Steuerberatung entfielen damit 231 Millionen Euro, also knapp 6 Prozent mehr als im Vorjahr. Im vergangenen Geschäftsjahr hatte die Steuerberatung noch einen Umsatz von rund 218 Millionen Euro erwirtschaftet (Gesamtleistung 222 Millionen Euro) und damit 14 Prozent mehr als im Jahr davor. Hier war es vor allem die Beratung im Zusammenhang mit Tax Compliance und Tax Operations, aber auch – nach einer vorübergehenden pandemiebedingten Delle – das Geschäft mit globaler Mitarbeitermobilität, die für Wachstum sorgte. Offen ist jedoch, inwieweit das schwache Abschneiden der Consulting-Sparte Auswirkungen auf die Steuerberatung gehabt haben könnte. Beide Segmente arbeiten häufig in engem Schulterschluss zusammen. 

Mit knapp 6 Prozent Wachstum trug die Wirtschaftsprüfung zum Geschäftsergebnis bei (452 Millionen Euro), Financial Advisory kam auf einen Umsatz von 322 Millionen Euro (plus 5 Prozent).

Insgesamt konnte Volker Krug, der neue CEO von Deloitte Deutschland, auf ein aufgrund der Corona-Krise bewegtes Jahr zurückblicken: Lag die Gesellschaft hierzulande in den ersten drei Quartalen des Geschäftsjahres (Juni 2019 bis Februar 2020) noch auf einem Wachstumskurs von rund 6 Prozent, kühlte sich die Konjunktur – und damit auch das Ergebnis der Gesellschaft – im vierten Quartal des Geschäftsjahres (März 2020 bis Mai 2020) dann deutlich ab. Die Auswirkungen bekam Deloitte beispielsweise durch Kostensenkungen von Seiten der Mandanten und die Verschiebung von nicht-zeitkritischen Projekten zu spüren.

Die deutsche Deloitte-Organisation wuchs damit im globalen Vergleich schwächer: Weltweit stand ein Wachstum von 5,5 Prozent auf 47,6 Milliarden US-Dollar zu Buche. Mit 15 Milliarden US-Dollar legte die Region EMEA dabei in etwa das gleiche Ergebnis vor wie im Vorjahr, mit 7,5 Prozent wuchs die Region Asia-Pacific am dynamischsten. (Catrin Behlau)

Ein ausführliches Interview mit Stefan Grube, dem neuen Steuerchef von Deloitte, lesen Sie im kommenden JUVE Steuermarkt, der in den nächsten Tagen erscheint.

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