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18.02.2021

Linklaters-Steuerpartner im Interview: „Wir machen uns keine Sorgen um unsere Praxis“

Mit vier Partnerabgängen ist die Steuerpraxis von Linklaters in den vergangenen Jahren konti­nuierlich kleiner geworden. Die Partner Oliver Rosenberg und Sebastian Benz sehen darin jedoch kein Pro­blem – im Gegenteil: So hätten auch junge Talente bessere Chancen auf dem Weg in die Partnerschaft. Im Interview mit JUVE Steuermarkt erklären die Anwälte, welche Rolle Tax Tech auch in der High-End-Beratung spielen kann und wie sie trotz höherer Stundensätze den Big-Four- und Next-Six-Gesellschaften Beratungsmandate abluchsen wollen. 

JUVE STEUERMARKT: In den vergangenen Jahren hat Ihre Praxis einen regelrechten Verschlankungskurs vollzogen. Seit 2018 sind mit vier Partnern rund ein Drittel der Partner von Bord gegangen – auch einige Managing Associates hat es in dieser Zeit zu Wettbewerbern geführt. Selbst wenn einige Abgänge gewollt gewesen sind – mittlerweile ist es aber ein wenig zu viel des Guten, oder nicht?

Oliver Rosenberg: Natürlich sind wir in den vergangenen Jahren zahlen­mäßig auf Partner- und ein wenig auch auf Managing-Associate-Ebene geschrumpft. Insgesamt hat die deutschlandweite Praxis aber nach wie vor eine personelle Größe, die für uns optimal ist. Wir lagen in den vergangenen Jahren immer bei rund 35 bis 40 Berufs­trägern. Und diese Größe wollen wir beibehalten.
Prof. Dr. Sebastian Benz: Wir werden auch auf Partnerebene wieder ausbauen und organisch wachsen. Wir haben dafür einige sehr gute Kandidaten in der Pipeline. Insofern machen wir uns keinerlei Sorgen über den Zustand unserer Steuerpraxis. 

In Frankfurt hatten Sie zeitweise keinen Steuerpartner mehr. In München verbleiben nach dem Weggang von Jann Jetter noch zwei Steuerpartner. Jetter stand wie kein Zweiter für die Betreuung von Private-Equity-­Häusern. Für Außenstehende klingt das nach ernsthaften Problemen. 

Rosenberg: Es ist immer schade, wenn gute Steuerrechtler gehen. Nichtsdestotrotz fühlen wir uns sowohl fachlich als auch an den einzelnen Standorten nach wie vor gut aufgestellt. Beispielsweise haben wir mit Christian Hundeshagen im vergangenen Jahr einen neuen Partner ernannt, der sich auf die Bereiche Crisis Management und Tax Compliance fokussiert. Aber auch den Private-­Equity-Bereich decken wir weiterhin aufgrund unserer Stärke im Transaktions- und Strukturierungsbereich sehr gut ab. 
Benz: Man darf auch nicht vergessen, dass sich eine Partnerschaft ganz natürlich im Laufe der Zeit ändert. Die Anzahl der Partnerslots ist begrenzt. Man kann so auch jüngeren Talenten den Vorzug geben. Unsere Profitabilität, Produktivität und unser Umsatz sind im Laufe der Zeit gleichgeblieben oder sogar gestiegen. Aber eins ist auch klar: Wir werden nie eine Leverage von 1:10 haben wie etwa die Big Four. Das wollen unsere Mandanten auch nicht. Die wollen, dass wir als Partner auch selbst erscheinen. 

Steuerteams von Anwaltskanzleien stehen häufig in dem Ruf, bloß Annex der jeweiligen Corporate- und vor allem der M&A-Praxen zu sein. Vor allem im Thema Steuerstreit schlummert viel Potenzial für Steuerrechtler, eigenes Geschäft aufzubauen. Müssen auch Sie das Thema stärker in den Blick nehmen?

Rosenberg: Das bloße Annex-Geschäft gibt es sicherlich, das trifft auf Link­laters aber nicht zu. Einer der Vorteile, die wir gegenüber Corporate- oder Steuerboutiquen haben, ist, dass wir als Kanzlei alles aus einer Hand anbieten können – Gesellschaftsrecht und Steuerrecht, beides in hervorragender Qualität, keines ist bloßer Annex des anderen. Unser Geschäft wird also immer auch transaktionsgetrieben sein. Ich spreche hier von Transaktionen im weitesten Sinne, es muss ja nicht immer ein ­Unternehmenskauf sein. Auch Compliance-­Themen sowie den Bereich Streit­beilegung gehen wir gemeinsam mit unseren Kollegen aus der Corporate- und der Litigation-Praxis an. 
Benz: Die Tendenz zu mehr streitigem Geschäft gibt es. Durch die zahlreichen BEPS-Maßnahmen der OECD haben wir als Steuerrechtler eine geringere Strukturierungsfreiheit als früher. Das gibt es heutzutage ja gar nicht mehr. Das Spielfeld wird hier kleiner. Aber: Die Spielwiese wird größer, was Tax Compliance und Betriebsprüfungen betrifft. 

Das Thema Tax Compliance passt auf den ersten Blick so gar nicht zu Ihrem Anspruch, fast ausschließlich steuer­liche High-End-Beratung anzubieten. Allerdings hat sich zum Beispiel auch Flick Gocke Schaumburg neben hochwertigem Geschäft zunehmend Themen wie Deklaration und Automa­tisierung gewidmet. Ist die Kanzlei mittlerweile also so etwas wie die Bench­mark im Steuerrecht?

Benz: Auch wenn Flick Gocke sicherlich eine der stärksten Adressen im Markt ist: Ihr Modell würde für uns nicht funktionieren. Und es würde auch nicht zum Ansatz der Gesamtkanzlei passen. 
Rosenberg: Wir werden sicherlich keine reine Deklarationsarbeit übernehmen. Tax Compliance umfasst für uns aber auch die Beratung zu bestehenden TCM-Systemen. Denn auch hier sieht sich der Vorstand Haftungsrisiken ausgesetzt. TCM-Systeme selbst implementieren – das könnten wir theoretisch. Aber da müssten wir sehr intensiv in die Prozesse einsteigen, und das ist mit unserer Kostenstruktur nur schwer vereinbar. Wir kommen dann ins Spiel, wenn sich ein Problem abzeichnet: Wurde etwas in der Steuererklärung nicht richtig abgebildet? Oder bei Themen, die vonseiten der Betriebsprüfung kritisch aufgegriffen werden. In solchen Fällen werden wir regelmäßig als Berater mit einem objektiven Blick auf die Sachlage hinzugezogen. 

Müssen Kanzleien wie Linklaters nicht bald auch an ihrer Kostenstruktur feilen und darauf verzichten, nur noch High­-End-Beratung anzubieten? 

Benz: Im Großen und Ganzen bleibt die High-End-Beratung. Aber natürlich entwickeln wir unser Geschäft weiter. Wir könnten uns beispielsweise vorstellen, verstärkt Tax Due Diligence als Basis für die Strukturierung und Transaktionsberatung anzubieten. 

Hand aufs Herz: Das können zum Beispiel die Big Four nicht nur besser als Sie, sondern können es auch wesentlich günstiger anbieten. 

Benz: Das ist eben nicht der Fall. Ein Tax-Due-Diligence-Report von Link­laters ist genauso gut wie der jeder Big-Four-Gesellschaft. Und auch wenn unsere Stundensätze höher sein mögen, muss er nicht teurer sein. Es geht hier auch um Effizienz – und darum, dabei trotzdem die hohe Qualität zu halten. Das ist ja genau unser Vorteil. Dafür müssen wir nicht mal an unserer Kostenstruktur feilen.

 

Das Gespräch führte Daniel Lehmann. Das vollständige Interview lesen Sie im JUVE Steuermarkt März/April 2021.

 

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