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25.02.2021

Sesselwechsel bei EY: Steuerchef rückt an die Deutschland-Spitze

Der bisherige Leiter Steuern und Recht für Deutschland, die Schweiz und Österreich von Ernst & Young, Henrik Ahlers (53), wird neuer Vorsitzender der Geschäftsführung von EY Deutschland. Damit zieht das Prüfungs- und Beratungshaus Konsequenzen aus der umstrittenen Rolle, die EY als Prüferin von Wirecard spielte – auch wenn die Konsequenzen eher symbolischer Natur sind, wie EY-Kenner meinen.

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Henrik Ahlers

Ahlers wird zusammen mit dem Prüfer Jean-Yves Jégourel (59) – derzeit Global Assurance Vice Chair, Professional Practice – als Doppelspitze agieren. Beide lösen den bisherigen Deutschland-Chef Hubert Barth ab. Die Amtsübergabe erfolgt nach EY-Angaben allerdings nicht sofort, sondern erst zum Juli.

Welche strukturelle Relevanz eine neue Deutschland-Geschäftsführung allerdings wirklich haben wird, bleibt abzuwarten. Der Deutschland-Chef hat innerhalb der Organisation eher eine formale Rolle als Geschäftsführer der GmbH sowie eine repräsentative Rolle gegenüber der Öffentlichkeit, da EY hierzulande operativ seit langem als Teil des Ländertrios mit der Schweiz und Österreich (GSA) geführt wird. Die tatsächliche Führungsmacht verbleibt daher bei der Regional Managing Partnerin GSA, Ute Benzel.

Ahlers bleibt wohl auch Steuerchef

Insofern wird dem neuen Deutschland-Chef Ahlers, der bisher schon Teil der hiesigen Geschäftsführung war, sicher daran gelegen sein, seine bisherige Rolle als Leiter der GSA-Steuerpraxis aufrechtzuerhalten. Insider gehen davon aus, dass das so bleibt, offiziell will EY eine Entscheidung dazu vor dem 1. Juli treffen, wie die Gesellschaft auf Nachfrage mitteilte. Für die Steuerabteilung hierzulande ändert sich absehbar faktisch damit zunächst nichts.

Eingebettet ist der Führungswechsel ohnehin in die geplante internationale Neuaufstellung von EY, die idealerweise ebenfalls zum 1. Juli über die Bühne gehen soll. So wird die Region GSA mit anderen Regionen in Europa zu einer neuen Region West-Europa zusammengelegt werden, die von Portugal und Spanien über die Benelux-Staaten bis nach Deutschland rund zehn Länder umfassen wird. Wer hier neuer Steuerchef wird, ist noch unklar. Dass für diese Position Ahlers auch infrage käme, liegt aber auf der Hand.

Innerhalb der deutschen Partnerschaft werden für diesen Fall schon Nachfolger für Ahlers gehandelt. Dabei wird es eher auf einen starken Repräsentanten der nächsten Generation hinauslaufen, heißt es bei EY.

Beim Wirecard-Skandal ist EY mit dem Vorwurf konfrontiert, nicht genau genug geprüft und den mutmaßlichen Milliardenbetrug offenkundig nicht bemerkt zu haben. Das führte zu einem erheblichen Imageschaden und dem Verlust von Kunden. So kehrte beispielsweise die Commerzbank ihrem bisherigen Wirtschaftsprüfer zuletzt den Rücken. Zudem drohen EY Schadenersatzklagen in erheblichem Umfang. (Jörn Poppelbaum)

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